Reisebericht – Teil 15:

Bericht 15: Die Metropolen Shanghai und Hongkong

Wir werden 3 Tage in Shanghai verbringen - diese dynamische chinesischen Metropole, mit großer Geschichte und aktuell noch größerem Einfluß auf die chinesische Wirtschaftsentwicklung, ist mit 25 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Frühmorgens laufen wir ein in das Mündungsgebiet des Jangtsekiang. Biegen ab in den Huangpu-Fluss und winden uns staunend 30 Km durch eine ungeheure Industrielandschaft. Bis fast zum Stadtzentrum: Werft an Werft, Container über Container, Kraftwerke und Produktionsstätten ohne Ende! Wer das gesehen hat, weiß was Wirtschaftskraft ist! Dann beginnt die Wohnbebauung. Gigantische Häuserblocks, endlos! Eine Flußschleife, vor uns eine riesige Brücke, dahinter die Spitzen von Wolkenkratzern und plötzlich befinden wir uns mitten im Zentrum von Shanghai!

Viele Albatrosgäste machen zuerst einen der verschiedenen Busausflüge, um sich mit der neuen Umgebung anzufreunden. Eine immer wieder hilfreiche Entscheidung! Nach einem ersten Überblick und dem flüchtigen Kennenlernen der mehr westlich geprägten Bezirke, trauen wir uns die "touristische" Eroberung des chinesischen Teils der Riesenstadt zu. Auf eigene Faust und möglichst zu Fuß. ÖPNV-Busfahren, so warnte man uns, führt "Langnasen" zu wundersamen Orten - aber nie zum Ziel! Der Yuyuan-Garten aus der Ming-Zeit steht als erstes auf dem Programm. Er gehörte einem hohen Beamten (Mandarin) namens Yu aus der Ming-Dynastie. Er ist der einzige typisch chinesische Park in Shanghai. Verzierte Mauern, Brücken und Pavillons im alten Stil schmücken ihn. Der Garten liegt in der quirligen Altstadt mit vielen kleinen Geschäften und Garküchen. Aufgefallen sind uns die vielen 1 Euro-Läden, die heißen hier "5 Yuan-Shop". Etwa 70 Eurocent! Dafür kriegt man schon "Bratpfannen", die sieht man anschließend in den vielen Garküchen! Überhaupt spielt sich das Leben überwiegend draußen, vor den Häusern ab. Die Wäsche trocknet man hier "auf" der Straße - man fragt sich, was nach den fetten Auspuff-Attacken der Mopeds an "blütenweißer Frische" nachbleibt!

Wir Europäer sind ein beliebtes Fotomotiv für Chinesen. "Vollbart mit Nase" ist hier der Renner! Ständig werden wir gefragt, ob man uns beide fotografieren darf - möglichst "eingerahmt" von Verwandten. Zuerst waren wir misstrauisch! Wollen die uns beklauen? Nach der "weiß ich nicht wievielten" Fotoaktion - hatten wir Routine und erste "Model-Allüren" drauf: Wir begannen den lachenden Zuschauern lässig zurückzuwinken! Höchste Zeit sich zu verdrücken! Wenn wir das den Enkeln erzählen... Oma!!... Opa!!... Nein!

Unser nächstes Ziel ist "Der Bund", die berühmte Uferpromenade am Huangpu-Fluss. Hier erheben sich eine Reihe von eindrucksvoller Bauten im europäischen Stil. Obwohl sie an die imperialistische Herrschaft erinnern, ist Shanghai stolz auf diese Gebäude und um ihre Bewahrung bemüht. Vom "Bund" aus nach Westen verläuft die Nanjing Road, die längste Geschäftsstraße Shanghais. Ein Einkaufsbummel hier ist Pflicht! Wir haben "platte" Füße und gönnen uns die "Touristenbimmelbahn"

für 5 Yuan/Person. Der abendliche Abschiedsspaziergang auf der bunt beleuchteten Uferpromenade gehört unbestreitbar zu den stärksten Eindrücken dieser Reise. Die Wolkenkratzer-Kulisse auf der anderen Flussseite, einfach großartig!

Nach 2 Seetagen erreichen wir die Welt-Handelsmetropole schlechthin! Hongkong!

Bedeutender Börsenplatz, beherrscht von Hektik und Betriebsamkeit. Auf geht´s! Nach 20 Metern Gangway und einer breiten aber unscheinbaren Glastür tauchen wir ein in "ASIAworld". Wir betreten den Oceanterminal HARBOUR CITY ! Ein Shoppingcenter. "Wow!" Und was für eins! Das Ding muss erstmal von jedem Cruise-Passagier durchquert, besser - überwunden werden, bevor er sich draußen auf Spurensuche nach Hongkong´s kolonialer Vergangenheit macht.

Trendige Boutiquen, alle vereint mit den edelsten Luxusmarken von "Stoff-Duft-Uhr"- Weltmarktführern. Rund 500 Geschäfte, Restaurantes und Café s unter einem Dach mit Gold, Diamanten und Nobelkarossen. Maserati-Lounge neben "ECCO-Schuh"- Palast. Porsche Probesitzen mit "Schnäppchen-Breitling" am Lenkrad, geht nicht? Hier schon! Alles schön aufgelockert mit sündigen "Sushi"-Tempeln oder "Cappuccino"- Oasen. Niemand vermißt hier McDonald & Co.

Da heißt es: Kreditkarte fest zwischen die Zähne, Frau packen, ziehen...und ziehen...! Wir haben netto 40 Minuten für 400 Meter gebraucht...! Allein Maserati-Probe-Sitzen... das braucht seine Zeit!

Danach "eilen" wir weiter, jetzt fast unbeirrt durch diese goldblitzende Businessmeile, zum direkt davor liegenden Star-Ferry-Pier.

Die altenehrwürdigen Steamer (1959!) gelten als schnellste und attraktivste Verbindung zwischen Kowloon und Hong Kong Island, dem eigentlichen Ursprung der britischen Kolonie.

Bimmelnd und puffend legt sie ab, Unterdeck 2,00HKD-Oberdeck 2,50HKD, wir sitzen unten - ist mehr los! Mit prächtigem Ausblick auf die Skyline mit den spiegelnden Fassaden, die sich den Victoria Harbour entlangziehen. Mitten durch das Gewimmel von alten Dschunken, Speedbooten und Frachten.

Mit Hilfe der überdachten Fußgängerbrücken - flyover- und über den endlosen Blechlawinen, gelangt man schnell und unkompliziert in ausgewählte Viertel. Allerdings "verführen" sie die Menschen dabei auch zum shoppen. Die herrlich bequemen Wege zwingen regelmäßig zum durchschreiten von Hochhäusern, wo im ersten Stock -flyover- emsige Verkäufer versuchen den nicht versiegenden Strom von potentiellen Kunden in ihren Shop umzuleiten! Hart geblieben und hinabgestiegen auf den "Boden der Tatsachen" - ins Verkehrsgewühl.

Wir entern die längste Rolltreppe der Welt und fahren bergauf dem Victoria-Peak entgegen. Erstaunlich, wie wenig Touristen hierherfinden ! Dabei ist diese Ecke, um die Des Voeux Road mit ihrer nostalgischen Doppelstock-Tram, ein unglaublich lohnenswertes Ziel. Nach dem Besuch im "Soho"-Viertel geht´s zum Schiff und zur nächsten großen Attraktion: Die Halong Bucht in Vietnam.

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