Reisebericht – Teil 13:

Bericht 13: Indonesien und die Philippinen

Nach ein paar ruhigen Erholungstagen auf See und Zwischenstopps auf Whitsunday Island und Banda Neira führt uns die Route auf die "Gewürzstraße" der Niederländischen-Ostindien-Kompagnie. Ein Inselparadies voller wohlriechender und sehr kostbarer Nelken und Muskat-Pflanzen - kein Wunder, dass die heute Molukken genannten Gewürzinseln heiß umkämpft waren. Die Holländer behielten bis ins letzte Jahrhundert die Oberhand, das aufblühende Ambon wir zur "Königin des Ostens" von Indonesien. Heute hat die umtriebige Provinzhauptstadt mehr als 400 000 Einwohner.

Kurz vor Acht. Zweihundert Meter bis zur Pier. Sie ist großartig geschmückt. Auf einem riesigen Banner: Die Abbildung der Albatros! Darunter "Welcome Captain and Guests!" 100 Meter noch. Alle frühstücken ruhig weiter, gucken immer wieder nach unten. Man erkennt jetzt deutlich die ungewohnt große und bunte Menschenmenge. Dazwischen reichlich Uniformen mit vielen Sternen. Die Festmacherleinen fliegen. Auf der Pier wird wie von Geisterhand Platz gemacht - eine liebevoll herausgeputzten Tanzgruppe übernimmt die Regie auf dem Platz. Und dann geht's los! Schlag auf Schlag! In den vollen Restaurants werden die "Fensterplätze" von der Gegenseite überrannt. Frühstück war eben. Jetzt ist SHOWTIME! Man hört sogar hier drinnen die Kapelle spielen.

Durchsage: "Hier spricht ihr Kapitän...draußen...Außendecks...begrüßen sie mit...!" Das Restaurant leert sich schlagartig. Frauen zur Reling. Gucken! Männer zur Kabine. Kamera holen!! Fazit: Ein unter die Haut gehendes Ereignis! Höhepunkt: Der Kapitän und seine Offiziellen schreiten unter dem Jubel der Einheimischen von der Gangway zum Rednerpult und werden vom Bürgermeister und seinem Gefolge begrüßt! Das Ganze war herzlich und nicht "sozialistisch - fähnchenschwenkend" aufgesetzt! Chapeau!

Wir starten eine "Stadtbegehung" unter feucht heißen Bedingungen. Das völlig ungeordnete Chaos auf der Straße geht unter die Haut. Zwei jeweils falsch fahrende Mopeds wollen auf die richtige Seite und kreuzen sich durch den fließenden Verkehr? Das geht!

Zwischen den unzähligen Fahrrad-Ritschka ist immer noch ne Handbreit Platz. Wir haben lange gebraucht, um festzustellen: Es handelt sich hier um Linksverkehr. Aber ganz sicher waren wir nicht! Eine Überquerung der Straße kam nur mit "Personenschutz" in Frage. Am sichersten fühlten wir uns nahe einer Mutter mit einem kleinen Kind auf dem Arm! Da hielten immerhin Lastwagen und Busse. EINE beampelte Kreuzung fanden wir auch. Allerdings war es in der kurzen Zeit nicht möglich herauszufinden, wer bei ROT stehen bleiben muss! Irgendwie zuckelte alles weiter. Bis auf Touristen! Stehen blieb man als Einheimischer nur beim "Simsen"! Das fiel uns natürlich sofort bei den Jugendlichen auf! Bei uns rennen die einen ja gnadenlos um, wenn sie mit ihren Smart phones durch die Straßen irren. Das geht hier nicht. Da droht der ultimative Absturz!

Weil alle paar Meter ein tiefes Loch/Regensiel im Fußweg auftaucht! Wer nicht aufpaßt, fällt! Tief! Es gab Kantsteine, die mussten bezwungen werden. Ohne Leiter!

Der Nachmittag war einfach. Erst großes Glück mit Taxi und tollem Guide. Danach, mutig geworden, mit der Fahrrad-Ritschka durchs Getümmel. Wir haben es gewagt!!!

Wissen sie was "Schnapp-Atmung" ist? Schon mal vom "Bungee-Sprung" albgeträumt? Wissen Sie, wie laut das TYPHON eines "MACK" US-Truck ist, wenn sie klitze-klein-sitzend vom Ritschka geblasen werden sollen? Es war toll!

Ambon! Die Frisur sitzt!
Die nächsten Tage machen wir noch Stopps in Puerto Princesa und Coron auf den Philippinen und erreichen dann endlich die bekannte Haupt- und Großstadt Manila.

Trotz gut gemeinter Vorwarnung unserer Albatrosreiseleitung sind wir perplex über den Verkehr in der angeblich "pulsierenden" Metropole. Bereits früh morgens, wir starten unsere Stadtrundfahrt bereits um sieben Uhr, pulsiert hier garnichts mehr: Verkehrstechnisch ist hier bereits der Herzstillstand eingetreten! Wir schieben uns in 5 langen Stunden zu vier Sehenswürdigkeiten, inklusive einem halbstündigen Stopp (Toiletten nach West Standard) an einer einladenden Tankstelle! Wir sind froh am Nachmittag zu Fuß die Altstadt und einiges mehr genießen zu können. Bestaunen die Manila Kathedrale, die der Papst bei seinem jüngsten Besuch auf den Philippinen gesegnet hat und dringen immer weiter in die schmalen Gassen der Altstadt ein. Hier leben die Menschen in bescheidenen "Buden" neben einfachen restaurierten Häusern und ehemals "prachtvollen" aber leider heruntergekommenen "spanischen" Herrschaftshäusern! Zwischen den Wohnungen und der Straße tauchen immer wieder "Garküchen" auf, zusammengestellte Tische, auf denen in unzähligen Töpfen frittiert wird. Wohlriechend, aber ausnahmslos vor Fett triefend! Erschöpft von den erlebnisreichen Eindrücken lassen wir uns in eine kleine Pferdekutsche fallen und die drei Kilometer zum Schiff bringen. Seit der Kathedrale begleitet uns der alte Herr mit seiner Kutsche. Ein sicheres Gespür für fußmüde Touristen scheint er zu haben.

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