REISEBERICHT – Teil 9

Reisebericht 9: Weiter durch die Südsee

Blick auf die großartigsten Buchten der Erde
Moorea gehört wie Tahiti (20 Kilometer entfernt) zu den Gesellschaftsinseln. "Society Island" taufte James Cook die Inselgruppe, zu der auch Raiatea und Bora Bora gehören. Besonders Mooreas Vulkanberge mit ihrem bizzaren Aussehen tragen maßgeblich zu ihrer wilden Schönheit bei.

Heute ist eine umfangreiche "Rund um Moorea"-Tour eingeplant. Wenn die schweren Wolken es zulassen, werden wir vom hochgelegenen Aussichtspunkt "Le Belvedere" einen grandiosen Blick auf die zwei "der großartigsten Buchten dieser Erde" haben.
Unser Guide lehnt sich da stolz und mächtig aus dem "Fenster"! Unsere Erwartung ist jetzt hoch, die Fahrt dahin zieht sich, die
Stimmung sackt ab. Linke Busseite: Kilometerweit nur unzugängliche wolkenverhangene Bergklippen mit Regenwäldern.
Rechte Seite: Büsche, Palmen, dann wieder - aber viel zu kurz - vorbeifliegende kleine strandähnliche Südseeabschnitte...! Wir sitzen immerhin rechts. Glück gehabt. Bald die ersten Fotostopps! Die Stimmung und der Himmel hellen sich etwas auf. Abbiegen und rein in die Vulkanwelt! Wieder Nebel. Die "Ewig-Nörgler" laden schon mal die Patronen nach..."werde mich...!" Während die Meckerer ihre Beschwerde-Strategie ausarbeiten, windet sich der Bus die engen Serpentinen herauf. Die Nebeldichte nimmt ab - die Moskitodichte nimmt zu und plötzlich kann man klar und deutlich das Meer sehen. Süüüdseee! So weit das Auge reicht. Jetzt kann alles nicht schnell genug gehen. Programmänderung! Die Nörgler: "Hab' ich doch immer gesagt, das Wetter ändert sich hier schnell!" Der Gehbehinderte: "Nee, Ilse! Die Krücken lass' mal im Bus!" Der Dauerfilmer suchend: "Immer vergißt DU das Stativ!" Der Guide flötet: "Zwanzig laaange Minuten!" Seine breit strahlenden Mundwinkel erreichen fast die Ohrläppchen, die im Sonnenlicht blitzenden Zähne singen melodisch: "Cést la vie!" - "Genau!", nickt der Anführer der Moskito-Armee: "Attacke!" Alles wird gut!

Ein Ausflug auf Raiatea
Auch diese Vulkaninsel ist geprägt durch eine stark zerklüftete Küstenlinie, hat aber keine so stark eingeschnittenen Buchten wie Moorea. Verstreut liegen vor uns sehr viele kleine und kleinste Inseln (genannt Motus) in einer großflächigen Lagune. Vorsichtig manöveriert der einheimische Lotse uns dort hinein. Die Albatros zwängt sich behutsam durch eine schmale Einfahrt im felsigen Korallenriff. Wenig später liegen wir längsseits einer schmalen Pier vor einem schmucken kleinen Hafengebäude. Ein Dutzend bunt gekleideter Menschen wuselt geschäftig hin und her. Stände werden dort unten aufgebaut. Sind wir zu früh? Nein! Kaum sind die Leinen fest, erklingt unten vorm Schiff zünftige Südseemusik! Schlagartig versammeln sich die ersten neugierigen Passagiere auf dem Bootsdeck und gucken neugierig über die Reling. Wir dürfen zuerst die Gangway hinunter. Von hübschen Polynesierinnen, fein geschmückt mit der herrlich bunten Blütenpracht, werden wir lächelnd empfangen. Sie halten uns die strahlend weißen duftenden Gardenien entgegen. Verzaubert lassen wir uns mit den Blüten schmücken. Jetzt sind wir landfein! Schnell ein paar Fotos von der mitreißend aufspielenden Südsee-Combo und ab ins moderne "Einbaumboot" mit Ausleger und mächtigem Außenborder. Zwanzig Gäste haben sich schon von Deutschland aus in dieses "Exclusiv-Abenteuer" eingebucht. Sie wollen ein Palmen-Motu mit "La Plage Priveé" zum Schnorcheln besuchen und den einzigen schiffbaren Fluss Polynesiens befahren. Den "Apoomau River"! Er ergießt sich in die "Faaroa Bay", zu der wir in rasanter Fahrt hindüsen! Durch die grüne, dann wieder tiefblaue Lagune, vorbei an den unzähligen Motus, donnern wir im glasklaren ruhigen Wasser dem ersten Ziel entgegen. Obwohl wir viele Luxus-Hotelanlagen an der Inselküste erkennen können, stellt unser Guide fast entschudigend fest: "Raiatea sei im Verhältnis zu Tahiti, Moorea und Bora Bora beschaulich und touristisch weniger entwickelt!" Wie angenehm - denken wir doch gleich an unseren späteren Badespaß! Der Bootsführer nimmt die Vollgasfahrt raus, schlängelt sich um ein paar Untiefen. Rechts vor uns tut sich eine immer enger werdende Bucht auf: Die Faaroa Bay! Schlagartig eine völlig andere Welt. Es wird enger und grüner - wir sind im "Apoomau-River"angelangt. Das Wasser schmutzig braun voll von herabgeschwemmten Schlamm und Holzresten. Überall ragen vom knapp 5 Meter entfernten Ufersaum abgesackte Palmen schräg ins Wasser. Der Insektenanteil erhöht sich, die Bereitschaft sich noch tiefer in den Dschungel hineinzuschieben, tendiert gegen null. Das "Ahh!" - und - "Ohh, guck doch Mal!" - verstummt. Die Urwaldgeräusche nehmen zu, melodische Vogelstimmen werden durch Kreisch- und Krächzlaute überlagert. "Hier entstanden sie also, die gruseligen Tonaufnahmen für Herr der Ringe!" witzelt jemand. Keiner lacht. Immer mehr üppige Grünpflanzen und Zweige schlagen gegen die Streben unseres Sonnendaches. Wie will der hier umdrehen, frage ich mich. Endlich: "Ein kleines Stück noch, da ist ein Platz zum Wenden!" meldet der Guide. Aufatmen! Und weiter: "Landfrauen (er sagt wirklich "Landfrauen"!) verkaufen dort frische Kokosmilch! Köstlich!" (er sagt wirklich "köstlich") - Das beruhigende Geschnatter setzt wieder ein! "Ohh, da guck' mal!" Wir erreichen unser "Bilderbuch Motu" nach kurzer Lagunenfahrt. Eine dicht an dicht mit Palmen bewachsene Insel, etwas kleiner als die Hamburger Binnenalster groß ist. Jeder von unserer Gruppe hat gefühlte zweihundert Meter Sandstrand und etwa 50 Palmen mit je 40 Kokosnüssen für sich. Davor eine kristallklaaare-schmuuusige-wooohligwarme Südseewanne! So weit das Auge reicht. Welch ein schöner Tag!

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