REISEBERICHT – Teil 8

Reisebericht 8: Tahiti und Papeete

Die Perlen des Südpazifiks
So nannte Captain Cook "seine" Society Islands. Er kam allerdings erst Jahre nach dem britischen Erkundungschiff "Dolphin" in dieses Paradies auf Erden. Cook war kurz und nur zweimal auf Tahiti. Das hemmungslose Liebesleben der Eingeborenen war nicht sein Ding. "Very shocking" und bestimmt nicht "amused" sind von ihm überliefert! Ganz anders die Mannschaft der Bounty! Sie genießen 1788 die Wartezeit auf die Brotbaumreife und entwickeln die Vorserie von dem, was Gunthers Jungs an Buhne 16 in Kampen zur Serienreife gebaggert haben: Sand-Sonne-Sünde! Klar, dass die Bounty-Crew nicht zurück ins prüde Mittelalter nach England wollte.

Die Folgen der Meuterei sind hinreichend bekannt. Aber das Gezerre und Geschacher der damals allmächtigen Europäer um dieses Kleinod und seine schmucken Nachbarinseln ist weitgehend im Verborgenen geblieben. Durchgesetzt haben sich 1880 (Kolonie) die Franzosen. Ihre Sprache und viele zweifelhafte "Errungenschaften" des europäischen Lebens sind heute fest mit dieser Region verbunden. Aber eines hat man erfreulicherweise nicht einführen können: Die ewig angespannte, oft hektische Betriebsamkeit in der wir Europäer durch das Leben rasen!

Heute ist für uns Stadtbummel in Papeete
Wir liegen unmittelbar am Hauptboulevard Pomaré, neben uns schnittige Hochseeyachten und ein Cruiser. Die Hauptstadt Französisch-Polynesiens ist "typisch Südsee" geblieben - nicht nur wegen der vielen üppigen Tropenpflanzen, sondern auch dank der anmutigen weiblichen Geschöpfe mit Blumen im Haar. Viele ältere Einheimische unterbrechen den täglichen Einkauf und pausieren im Schatten von riesigen Gummibäumen. So hoch wie 100-jährige Buchen! Neben sich die Einkaufstüte, in der Hand eine kleine Wasserflasche, rauchen ungewöhnlich oft eine dunkle Zigarette! Wir machen auch eine Hitzepause, setzten uns neben zwei Hausfrauen auf die Betonmauer...

"Allemagne!", beantworten wir ihre Frage. "Gauloises, sans filtre" belächeln sie unsere und tratschen munter weiter in freundlichem entspannten Dialog über.... wissen wir natürlich nicht.... aber man spürt, hier lässt's sich leben! Je älter die meist rundlichen und vergnügt dreinschauenden Damen, desto aufwändiger der prächtig leuchtende Blumenschmuck im Haar. Ein Augenschmaus! Man muss immer wieder hingucken... Manchmal winken sie. Man lächelt zurück. Bald ertappt man sich beim Erstlächeln und Winken. Jaah! Hallo! Sitzt zu Haus jemand in der Fußgängerzone auf einem Blumenkübel und raucht, neben sich die Aldi-Tüte! Lächeln Sie da? Winken Sie? Sehn' Sie, das ist Papeete, die Perle der Südsee!

Jetzt gucken wir uns die echten Perlen an. Im "Museé de la Perle" soll es die schönsten und kostbarsten geben! Volltreffer. Eine ungeheure Vielfalt an Einblicken in die schwierige Zucht und Verarbeitung wird uns von einer perfekt deutsch sprechenden Mitarbeiterin vorgestellt. Sabine (gebürtige Freiburgerin) arbeitet seit vielen Jahren für Robert Wan. Er gilt als "Pionier" und ist der "Perlen-Kaiser" bei der Zucht der "Juwelen des Ozeans". Exklusiv für die bz legt sie ein "134.000 Euro"-Schmuckstück um (Foto). Im Hintergrund ein Perlen Bikini, Paris Hilton soll bei einem Besuch mit Jack Nickelson im "Bloody Mary" (Bora Bora) etwas Ähnliches getragen haben. Das wollte aber hier keiner offiziell bestätigen. Macht nix! Da sind wir bald. Promi-Bar Besitzer machen immer Fotos!

Jetzt aber erstmal in den "Bougainville Park". Angelegt zu Ehren des ersten Weltumseglers der Franzosen! Er verscheuchte die Briten und legte den Grundstein für das, was de Gaulle später die "Grande Nation" nennen sollte. Bei tropisch feuchten 32 Grad schwitzen wir uns zwischen abwechslungsreichen Häusern der Kolonialzeit und kleinen moderneren Läden durch die Stadt. Ab und an ein Kirchlein. Dann wieder, wie aus dem Nichts: McDonalds, Chrom und Juweliere. Beim Queren der Straßen liegt der Blick frei auf die zackigen vulkanischen Bergrücken im Süden der Stadt. Die Spitzen stechen förmlich in die Regenwolken. Welch prachtvoller Hintergrund. Eine Ecke noch: der Park! Voll mit dem bunten Gemisch von Polynesiern, Chinesen (Einwanderungswelle 1890) und Europäern, vornehmlich Franzosen. Ein entschleunigtes Geschnatter zwischen schattenspendenden Bäumen und einem kleinen verschlungenen See mit kurzen Brücken, von denen man eine Vielzahl von regungslos in der Sonne dösenden Fischen beobachten kann. Wieso kriegen die eigentlich keinen Sonnenbrand?

Für den krönenden Abschluss dieses ereignisreichen Stadtbummels haben wir den Rückweg an der neu angelegten Hafenpromenade aufgehoben. Die "bundesgartenschauverdächtige" Hafenmeile erfrischt uns mit einer 29 Grad kühlender Brise und ermuntert ein paar sportliche Jugendliche zu einer olympischen Gymnastik- und Tanzeinlage unter Palmen! Himmel, wie halten die das aus?!

Ab unter die Dusche.

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