REISEBERICHT– Teil 7

Reisebericht 7: Bounty Island und Polynesien

Seetag auf dem Weg nach Pitcairn ("Bounty Island")
"Die mit der gelb-roten Badekappe!" Nach vielen Wochen der Herumfragerei bekam ich den entscheidenden Tipp. Vermutlich von dieser eigentlich unscheinbaren aber allseits bekannten Dame, sie dreht jeden morgen ab halb sieben ihre Runden im Pool. Holen sich da einige Gäste die wirklich wichtigen Schiffs-News! Heute am Seetag will ich sie zufällig treffen. Verkleidet im Bademantel, schleiche ich lauernd um den Pool. Endlich kommt sie aus der Dusche. Nix wie hin! Getarnt mit 'nem Kaffeepott frage ich scheinheilig nach der Wassertemperatur im Pool. "Immer gleich gut!" Es folgt ein kurzer, aber kenntnisreicher Bericht über die besten Aktivitäten an Bord und die Landausflüge. Ich bin platt, frage vorsichtig abwägend nach ihrem Verhältnis zur Phoenix-Reiseleitung. "Nee, is' nich'!" Woher sie denn das alles wisse? "Aus der Waschküche!" Verschmitzt benannte sie den geheimnisvollen Ort und entschwand zum Frühstück…

Wir erreichen Pitcairn, ein einsamer Flecken im Südpazifik - als Versteck ideal. Deswegen jedem bekannt durch "Die Meuterei auf der Bounty". In Tahiti wiegelte der Erste Offizier im Jahr 1789 die Mannschaft der Bounty gegen den angeblich tyrannischen Kapitän William Bligh auf. Ihn und ein paar Getreue setzte man in einem Beiboot aus. Sie überlebten, berichteten nach London. Die Todesstrafe fürchtend, segelte Meuterer Fletcher Christian mit einigen Männern und Frauen zu dieser unbewohnte Vulkaninsel. Die auffällige Bounty wurde sofort verbrannt. Das war am 23. Januar 1790. Heute nach genau 225 Jahren ankern wir in der Bounty Bay! Hier irgendwo unter uns verstreut liegen noch Wrackreste. Hier und nur hier im "Pitcairn Island Museums"- sind noch Original-Relikte der Bounty zu bestaunen. Nicht mal hundert Menschen leben hier von Landwirtschaft, Fischfang und am lukrativsten von Kreuzfahrern. Denen verkaufen sie neben Honig und einigen handgemachten Souvenirs etwas Einmaliges und Kostbares:

"Bounty"-Briefmarken! Da kommt die niederschmetternde Nachricht von der Brücke: Tendern nicht möglich! Alle bleiben an Bord! Zu gefährlich, ein zu großer Wellenschlag. Man übermittelt den Einheimischen die umsatzvernichtende Botschaft per Funk und bedauert die anstehende Abreise. Ein hektischer Funkverkehr mit grandiosem Angebot der Insulaner wird publik: 20 verwegene Einheimische werden versuchen mit speziellen Langbooten eine etwas geschütztere Bucht anzusteuern, man möge verholen und die Lotsenleitern ausbringen! Hüpfende Helgoländer Börteboote sind müde "Sea-Go-Carts" gegen diese pirouettenspringenden Piloten mit ihren "Formel-1-Booten".

Die Nachkommen der Bounty-Rebellen entern tatsächlich die Albatros! Und anschließend die Herzen der Passagiere. Selbst unglaubliche 5 US-Dollars für eine 20-Cent-Briefmarke wurde ohne Murren von den eisernen Sparfüchsen hingelegt. "Sorry, Stamps are included!" Ohhh! "Na, komm, Margret! Ein Cocktail weniger!" Genau. Geht doch!

Seetage auf dem Weg nach Fakarava, Tuamotu-Atoll, Franz. Polynesien
Wir durchqueren den Anfang einer riesige Meeresfläche, "übersät" mit kleinen runden und großen langgestreckten Atollen. Sie bedecken eine Fläche mit den Ausmaßen von Europa. Meist nur schemenhaft zu erkennen. Murora allerdings ist bekannt und strahlt besonders unheimlich. Wir gleiten in ruhiger See mit gemischten Gefühlen in 80 Meilen Entfernung vorbei. Hier fanden bis in die 1960er-Jahre die französischen Atomtests statt. Zwei Tage und ein paar hundert Kilometer weiter: Endlich Landgang. Atoll, Lagune und weißer Strand! Ratzfatz in die Tenderboote und ab geht's! Gefühlte 500 Gleichgesinnte vor uns. Eine "Handvoll" bleibt allerdings an der palmengesäumten Anlegestelle in Rotoava zurück, beäugt sich verstohlen und schaut unauffällig der entschwindenden Meute nach. War ja klar! Der Hauptstrom schlendert bequem entsprechend der Landgangsinfo der Bordreiseleitung. Da liest man regelmäßig den Hinweis auf "europäisch-heimische" Annehmlichkeiten beim "Erforschen" der unbekannten Fremde.

Aktuell: Wenn sie RECHTS .... Gepflasterte Wege, Strand-Restauration mit Toiletten und ein paar Straßen-Shops unter Palmen und immer wieder kurze Strandabschnitte ... !

Wir und die paar Gleichgesinnten gehen... LINKS herum! Und werden schon nach 500 Metern belohnt. Kaum noch Bungalows, immer mehr Palmen und dazwischen Farbtupfer von leuchtendem Hibiskus! Jetzt sind wir allein, wagen uns an unzähligen Kokospalmen vorsichtig vorbei! Sind erstaunt! Wie überdimensionierte Trauben hängen die Früchte in den Wipfeln. Bloß nicht von den dicken Dingern getroffen werden! Der Boden ist übersäht von herabgefallenen Nuss-Bomben! Auf einem schmalen Pfad erreichen wir die Pazifikseite des Atolls. Klettern Schritt für Schritt über völlig unbekanntes großporiges Vulkan- oder Lavagestein. Teilweise spitz und scharfkantig, kaum kniehoch! Dazwischen immer wieder Schüsselgroße Wasserflächen, glasklar, vielleicht 20cm tief! Auf dem schneeweißen Grund liegen wunderbar gezeichnete große Fingermuscheln und bunte kleine Korallen! Immer wieder von weichschwappenden, mehr heranströmenden Wellen umspült. Für uns trotzdem unerreichbar! Ich versuche mich zu bücken. Es ist ein Eiertanz. Wer fällt, muss in das scharfkantige Gestein greifen. Eine blutige Sache. Fotografieren? Die Tasche liegt sicher am 30 Meter entfernten Ufer. Alles wird gut.

Ab auf die andere Seite! Jetzt wird in der Lagune, der Innenseite des Atolls geschwommen! Am weißen Strand unter Palmen! Da wo immer die Werbefotos gemacht werden. Genau! Leider "verfranzen" wir uns im Palmenirrgarten, finden nicht den kürzesten Weg zu Lagune. Da ein Auto! Eine "très jolie"-Madame stoppt und bietet Hilfe an. Sie fährt Taxi und hat noch eine Tour, leider in die andere Richtung! Aber sie könne uns an einem "La plage priveé!" zum Schwimmen absetzen und später abholen. "Bring you back for 10 US-Dollar to your boat!" Okay! 300 Meter weiter aufgeregt winkende Phillipinos."Can you help?" Derselbe Text von unserer Chauffeurin. Die Jungs winken ab! Sie müssen in 3 Stunden zum Dienst und "Each five Dollars?" sei zu viel. Wir ziehen die Burschen rein und sagen "für unsere Kellner" von der Albatros sei das frei. Welch glückliche Entscheidung. Die Strandfotos sind leider verschollen. Aber die Party war einmalig! Wir bedanken uns bei Stefanie und versprechen, ihr Foto landet auf der Internetseite der Bergedorfer Zeitung. Die Jungs versprechen uns ein kühles Bier am Anleger. Möchten auch in die Zeitung! Und wir versprechen: Guckt mal brav im Internet unter "bz Leserreisen" und lasst euch überraschen!

Ja, liebe Redaktion in Bergedorf - jetzt hat unsere Zeitung Leser in der Südsee! Pulitzer-Price-verdächtig!

Morgen sind wir in Papeete, Tahiti