REISEBERICHT– Teil 6

Reisebericht Teil 6: Perus Hauptstadt und die Osterinseln

Willkommen an Bord heißt es in Lima für 250 angereiste Gäste. Während die Neuen ihre Schränke mit "viel zu viel" Kleidung aller Art befüllen, wagen wir uns heute ganz privat in die 10-Millionen-Stadt.

Eine pulsierende 10-Millionen-Metropole
Gestern konnten wir uns bei einem von Phoenix gut organisiertem Stadtausflug einen ersten Überblick verschaffen mit einem Hochglanz-Premium-Bus, der jeden europäischen Fahrer neidisch gemacht hätte. Ein derartiges Schlachtschiff kratzerlos durch die wuselige Altstadt zu fädeln, schafft allerdings nur ein peruanischer Lenkrad-Artist.

Unser Guide "Franz" spricht einwandfrei Deutsch. Unser "Kaiser Franz" Beckenbauer ist hier seit 1974 ein unvergessenes Vorbild für die fußballverrückten Einheimischen und war damals Namensgeber erster Wahl für viele Eltern! Heute ein verbreiteter Name in Lima! Unser historisch bestens aufgestellter Geschichts- und Stadtführer erklärt in einprägsamen Bildern die blutige Rauf- und Raublust der europäischen Eroberer. Wir bestaunen das ehemalige Zentrum des spanischen Kolonialreiches in Amerika. Die Spanier sind zwar lange weg, aber ihre Spuren sind allgegenwärtig!

Die Besichtigung des kolonialen Limas beginnt an der Plaza de Armas mit der Kathedrale, dem Präsidentenpalast und dem Kloster San Francisco. Sie werden durch ihre Größe und Farbe als der schönste architektonische Komplex in Lateinamerika angesehen. Wohl wahr! Der spanische Eroberer Pizarro gründete hier 1535 die Hauptstadt. Um den mächtigen Bronzebrunnen gruppierten sich schon damals die wichtigsten Gebäude weltlicher und kirchlicher Macht.

Der nächste Tag. Ein extremer Kontrast zur ereignisreichen Geschichte Limas! Heute erleben wir weit abseits des historischen Stadtkerns das moderne, nicht so sehr von Touristengruppen geprägte Lima. Entspanntes Bummeln durch ein besonders schön gelegenes Wohn- und Einkaufsviertel. Man spürt bei jedem Schritt: hier leben die Gutverdiener! Hier wird vorwärts gedacht!

"Miraflores LarcoMar" liegt teilweise in den Klippen und hoch über dem Meer! Der Spaziergang führt uns durch zahlreiche, mit dem kostbaren Naß reichlich versorgte, überaus schön angelegte Parkflächen. Direkt an der steil abfallenden Felskante strahlen üppige Blumenflächen die Besucher an. Viele entspannen unter zahlreichen schattenspendenden Palmen. Auch wir lassen uns auf eine von vielen Bänken nieder und genießen palmengeschützt den traumhaften Blick auf die weite Meeresbucht vor uns! Umfächelt von leichter Pazifik-Brise bei kühlen 27 Grad! Hier lebt also die Elite der Stadt. Viel Grün und wenig Staub. Wir kaufen für 2 US-Dollar eine Flasche "Aqua" (von CocaCola!) am Straßenstand und besteigen unseren Shuttlebus.

Die Rückfahrt zum Schiff bringt uns rasant auf den staubigen Boden der "Normalo"-Peruaner zurück. Rund 12 km fahren wir jetzt durch verschiedene, teilweise heruntergekommene Viertel, wo die anderen 8 oder 9 Millionen weniger erfolgreichen Peruaner ums tägliche Überleben kämpfen. Endlich die Hafeneinfahrt! Ein buntes pulsierendes Gewusel von abenteuerlichen Gestalten, hupenden Taxen und unzähligen Verkaufsbuden, zwischen denen spielende Kinder um die Straßenhoheit kämpften!

Ein paar Mitfahrer wollen hier aussteigen. Genau vor der Zoll-und Ausreisekontrolle. Ein sicheres Hafengitter und 800 Meter trennen uns noch vom Schiff, aber könnte man nicht noch schnell ein Souvenir herbeizaubern? Vor kriminellen Übergriffen hat man uns gewarnt. Sechs mutige Passagiere probieren es. Bloß schön zusammenbleiben. Machen wir! 50 Meter schaffen wir. Dann sind wir eingekreist von "Lamawolle"-Pulli-Verkäufern, Taxi- Angeboten nach "Irgendwo" und verlockenden Designeruhren Marke "Echt Rolex"! Wir retten uns an einen mobilen Getränke-Verkaufsstand mit einer steinalten Dame davor. Sie strahlt Ruhe und Seriosität aus in diesem turbulenten Chaos. Und tatsächlich, der Spuk der drängelnden Verkäufer ist hier fast schlagartig vorbei! Wir kauderwelschen Spanisch-Englisch, fragen nach zwei einheimischen "Aqua" gegen US-Dollar. Die uralte Senióra stellt sechs Flaschen kühles "peruvian"-Wasser aufs Brett und strahlt ob der harten Devisen. Misstrauisch geworden entgegnen wir: "Nein, nur zwei!" " Only DOS!" "Si, Si!" nimmt 2 Dollarscheine und will uns die 6 Flaschen in die Hand drücken. Endlich begreifen wir: Hier gelten nicht mehr die Preise des Einkaufsviertel LarcoMar !

Wir sind dankbar für den netten, ruhigen Verkaufsabschluss, hoffen auf Nachsicht beim Einchecken aufs Schiff, nehmen jeder eine Buddel mit, bedanken uns artig bei der verblüfft auf die 2 Dollar schauenden Señora und verdrücken uns etwas beschämt zum Zoll.

Keine Langeweile auf hoher See
Die Albatros verlässt pünktlich um 23 Uhr den Hafen. Alle Gäste heil, einige wenige um Devisen und Kreditkarte erleichtert. Nur eine Dame mit deutlichen Schrammen am Hals, man hat ihr mitten auf der Straße die Goldkette vom Hals gerissen! Gut, dass sie nicht die dicke Kette umgehängt hatte!

Knapp 2000 Seemeilen vor uns liegen die Osterinseln - und fünf Seetage! Zuhause denken sie vielleicht, lieber Himmel, welch' Langweile! Was machen die da bloß? Richtig! Haben wir auch mal gedacht! Tatsache ist aber, wer nicht frühmorgens oder besser am Vorabend - ( da liegt das heiß ersehnte Tagesprogramm auf dem frisch gemachten Bett ) - seinen "Favoriten"-Tagesablauf überplant, der verheddert sich schon zwischen Frühstück und "Walk a Mile"! Mit Lars (9.15 Uhr). Wie soll da das Zirkeltraining mit Frederik (9.30 Uhr) in der BMW-Garage (Bauch-Muss-Weg-Center) abgeschwitzt werden, wenn man unbedingt zum seemänischen Knotenbinden (10.00 Uhr Kapitän Flohr, BITTE pünktlich) antreten muss? Wir haben einmal die Tagesveranstaltungen gezählt:

Am 19. Januar waren es von A wie Aperitifspiel bis Z wie Zirkeltraining 22 grundverschiedene Freizeitangebote! Die Morgenandacht und alles nach dem Abendessen haben wir nicht mitgezählt. Wann soll man da seinen Sonnenbrand auffrischen? Oder Lesen? Sehen sie, DAS ist Seetag! Wer da mithält, muss um 23.30 Uhr zum Mitternachtimbiss... vorher ist zum Essen keine Zeit!

Hanga Roa, Rapa Nui (Osterinsel)
Nach letzten Vorbereitungen (Wäschewaschen, Bügeln und Postkartenschreiben!) streben alle an Land. Am Morgen dann erst mal Gedrängel an der Pforte (die große Schiffsöffnung vor der Gangway!) zum Tenderboot! Jeder will der erste sein, der wieder Land unter den Füßen haben will. Der "Pfortenwart" wird wüst beschimpft, weil er das Heruntergehen künstlich verzögert."Immer dasselbe!", meckert eine drängelnde Dame, allen bekannt als Stammgast und "3fach-Kuglerin" von Tisch 3 in Harry's Bar. "Die Suiten" dürfen mal wieder zuerst im Tender fahren, schiebt sie völlig daneben noch hinterher. Los geht's!

Die Osterinseln sind berühmt für ihre riesigen Steinstatuen, die Moai. Zu Hunderten beherrschen sie die teils öde, teils grüne hügelige Vulkanlandschaft. Die chilenische Insel ist bis auf das kleine Dörfchen Hanga Roa ein riesiges Naturschutzgebiet. Nur mit Landrovern befahrbar. Straßen gibt's nur zum kleinen Hafen, zur Kirche und rund um den Flugplatz (soll die US-Navy 1943 gebaut haben).

Wir haben von einem kleinen Museum in der Ortsmitte gehört. Die vielen ausgestellten Funde sollen die Geschichte dieses Eilands erzählen. Wir sind überrascht: Ein deutscher Missionar hat hier 33 Jahre auf der Insel als Priester und Forscher gelebt. Nach ihm ist das "Museo Antropológico Sebastian Engler" benannt. Die Einheimischen nannten Padre Englert "den ungekrönten König von Rapa Nui". Nicht nur die Wissenschaft, auch alle Besucher profitieren 45 Jahre nach seinem Tod von seinem Wirken. Es ist erstaunlich, wie die Felszeichnungen und vor allem die steinernen Gestalten (Moai) auf die Besucher wirken. Jeder möchte ein Stückchen Osterinsel mit nach Hause nehmen. Man warnt uns eindringlich! Erfolgreich! Aber Fotos an den besonders fotogenen Plätzen, den “Ahu” werden reichlich geschossen! Der einzige Maoi Steinkoloss mit “Hut” (Pukao, Kopfschmuck) ist ein besonders beliebtes Motiv.