REISEBERICHT– Teil 5

Äquatortaufe, Bananendampfer und ein sagenumwobener Sonnentempel

"Neptun, mögest du uns wohlgesonnen Einlass gewähren!" Unter großem Jubel der Passagiere überreichte Käpitän Hubert Flohr dem Herrscher aller Meere einen großen Fruchtkorb und zwei Flaschen besten  "Dansk-Linie-Aquavit".

Milde gestimmt erlaubte Neptun mit seinem giftgrünen Dreizack die Äquatortaufe der "Ungläubigen Landratten". Wer seinem ebenfalls prächtig gewandeten Gefolge allzu schlicht und barfuß entgegentrat war dran! Flugs darauf flogen einige Gäste im hohen Bogen in die schäumenden Fluten des Swimmingpools, um den Schmutz des Nordens abzuwaschen. Alternativ wurde für notorische Nichtschwimmer eine selbst durchzuführende innere "Eigen-Taufe" angeboten: mit Freibier! Das funktionierte hervorragend. "Wo eben noch die Leber war, jetzt gut gefüllt die Minibar!", freuen sich ein paar mehrfach "Kugler"(Weltumrundungen) und reihen sich wieder in die Polonaise ein. Phoenix-Kreuzfahrtdirektor Michael weiß, wie man gute Stimmung reisedurchgängig halten kann.

Wir erreichen Manta, der größte Umschlagplatz für Fisch in Ecuador. Gibt es eine moderner ausgestattete Spezialflotte für den Thunfischfang? In Südamerika nicht. Megayachtenähnliche Schiffe! Teilweise mit bis zu sechs Speedbooten aufgereiht hinter dem Brückendeck. Auf einigen Schiffen standen zusätzlich noch stramm verzurrte und seefest verpackte Helikopter auf dem Peildeck. Da bleibt kein Fisch unentdeckt! Man beruhigt uns. Trotz ausgefeilter Fangtechniken soll es hier seit Jahren riesige Fischbestände geben. Der Skeptiker guckt nachdenklich.

Morgens fahren wir den trüben, tiefen Rio Guayas 20 km aufwärts bis Guayaquil. Die Norddeutschen reiben sich verwundert die Augen. Sind wir zu Hause? Hamburger Hafen? Direkt neben unserem Liegeplatz altbekannte Bananendampfer! Hier werden die noch grünen Bananen verladen. Allerdings erst in Container und dann aufs Schiff! Bei schwüler Hitze und 35 Grad präsentiert sich eine moderne geschäftige Millionenstadt mit einigen schattigen Parkanlagen. Die Besucher streben zur herausgeputzten Uferpromenade "Malecón 2000". Die etwa 3 km lange Strecke am Fluss entlang säumen historische und moderne Sehenswürdigkeiten. Der "Torre Morisca" , der berühmte weiße Uhrturm und die "Rotonda" das Denkmal für Simón Bolivar in Form eines harmonischen halbrunden Säulenbaus bilden den gelungenen Abschluss.

Der nächste Tag führt uns durch eine nicht erwartete Wüstenlandschaft vom Hafen Salaverry zur Provinzstadt Trujillo, 1534 von den Spaniern wegen seiner Lage am Fluß "Moche" gegründet. In diesem fruchtbaren Tal entwickelte sich das Chimú-Reich, das erst von den Inka überrannt wurde und dann von den Spaniern ausgeplündert wurde. Hier erbauten deren Vorfahren 500 Jahre vor Christus die Sonnen- und Mondpyramide. Die Huaca del Sol ist der größte präkolumbische Bau in Peru. Der Tempel wurde aus 140 Mio. Lehmziegeln erbaut. Archäologen haben verborgene Teile entdeckt und sind dabei, weitere der berühmten Figurendarstellungen der "Moche"-Kultur freizulegen.