REISEBERICHT– Teil 4

Traumstrände, Regenwald und Panama-Kanal

"Sie brauchen nicht zum Amazonas!" Unser St. Kitts Guide schwört auf seinen Regenwald! Leandros Vorfahren durchstreiften schon vor Jahrzehnten mit wagemutigen Besuchern diese unheimliche Welt. Gewaltige Baumriesen, bunte Orchideen in allen Größen, Schmetterlinge und tropisch wuchernde Farne finden wir entlang einem für uns nicht sichtbaren Trampelpfad.

. Immer wieder verdeckt durch unendlich lange Lianen. Wer dran zieht, steht im Insektenregen, werden wir ermahnt. Bloß wie vorbeikommen? "Der Rainforest Trail", klärt Leandro die staunenden Truppe auf. "Damals gab's noch Schlangen und Moskitos!" Jetzt nur noch ein paar Affen, beruhigt er uns. Das riesige Gelände wird heute vom Rain Forest Reserve National Park betreut, die einen klitzekleinen, aber für Touristen gerade noch bezwingbaren Teil abgetrennt hat. Ich fand es toll! Die zwei Mädels in Flip-Flops und schicker kurzer Strandhose starrten auf ihre zerstochenen Beine und wussten jetzt: Das mit Jane und der Liane war in Hollywood! Dies war St. Kitts. Und es war echt!

Schon 24 Stunden später: Karibikstrand-Genießer-Tag! Heute "waterchillen" bei flotter Brise zwischen den Granitbrocken von St.Bath ("Das Badezimmer")! Die Hauptattraktion von Virgin Island liegt an der Südspitze der Insel und besteht aus vielen kleinen Stränden, erstreckt zwischen riesigen Felsbrocken. Es gibt mehrere Pfade zum kühlenden Nass. Wir wählten "Devils Way", ausgeschildert mit abschreckenden Hinweistafeln! Durch knietiefes Wasser in dunklen schmalen Grotten und wackeligen Leitern über Stock und Stein... Plötzlich ein winziger Strand! Eingeschlossen durch Granitblöcke. Keine Menschenseele da. Unser Badezimmer! Hinein in die Fluten. Welch eine Belohnung!

Da hatte es Curacao schwer! Die altholländische Stadt wird gern als das "Amsterdam der Karibik" porträtiert und putzt sich entsprechend heraus. Aber es ist eben eine Stadt. Und der schlichte Karibikbesucher sucht ein wenig die Palmen und die Boys mit der karibischen Musik auf alten Benzinfässern. Und den berühmten blauen Likör? Den gab´s nur in homöopathischen Minifläschen zu horrenden Preisen. Gut, es war Sonntag und die Straßen leergefegt. Die Geschäfte zu und die Einheimischen am Strand! Wir freuen uns jetzt auf Panama und seinen Kanal!

Vor knapp 500 Jahren, gleich nach der Inbesitznahme der Neuen Welt durch Kolumbus, schleppten noch Maultier-Karawanen das entwendete Inka-Gold über die 50 Km schmale Landbrücke zu den spanischen Schiffen. Diese unwegsamen Transportwege wurden über die Jahrhunderte kaum verbessert. Erst als 1850 das Goldfieber in Kalifornien ausbrach und hunderttausende Glücksritter den kürzesten Weg nach Westen ausprobieren mussten, tauchte die Idee vom Bau eines durchgehenden Kanals wieder auf. Letztendlich die Amerikaner schafften es sich durch das unwegsame Gelände vom Pazifik zum Atlantik zu sprengen. 1914 war es soweit!

Die Inbetriebnahme brachte Arbeit und Lohn in die Gegend. Bis heute gehört die Kanalzone zu den wirtschaftlichsten Zonen in Mittelamerika. Und das erkennt man auch! Der Reede-Schiffs-Sammelplatz vor Colón ist gut gefüllt. Panama besitzt die größte Handelsflotte der Welt. Ein Teil davon muss hier durch. 06.00 Uhr. Der Lotse übernimmt mit der Albatros die Spitze des endlosen Konvois. Bis Panama City liegen 3 mehrstufige Schleusen vor uns. Rund 82 Km und insgesamt sind bis zu 55 Höhenmeter zu überwinden. Wir durchqueren als erstes die aus vielen Berichten bekannte Gatúnschleuse, übrigens von Nord (Karibik) nach Süd (Pazifik)! Nicht wie wir vorher glaubten: von Ost nach West. In der Schleuse halten uns acht "Mulis" exakt in der Mitte der Kammer. Beidseitig je 4 über 50 Tonnen schwere Dieselloks geleiten uns an Seilen durch die Schleusenbecken. Dirigiert wird das über eine kanaleigene Decksmannschaft, die über Walkie Talkies die verbindlichen Anweisungen von der Brücke erhält. Von zwei Lotsen! Der Kapitän hat im Panamakanal tatsächlich keine Steuergewalt über sein Schiff. Weltweit einmalig! Wir erreichen den Gatún-See (425 qkm), der durch den Bau eines riesigen Staudammes am Rio Charges entstanden ist. Der umliegende Urwald ist von Rodungen verschont geblieben. Wir fahren durch einen riesigen Nationalpark. Fast 30% des Landes sind inzwischen als Parks oder Reservate geschützt. Panama fördert bewusst den Ökotourismus und markiert damit einen bemerkenswerten Treffer als fortschrittliches Land.