REISEBERICHT– Teil 2

Die Albatros läuft Madeira an

Der Blick auf das Lichtermeer von Funchal ist atemberaubend! Frühmorgens laufen wir ein. Jetzt schon 19 Grad - heute ist Heiligabend. Die Fahrt seit Gibraltar verlief ruhig, der mächtige Felsen wurde vor Sonnenuntergang ausgiebig von Deck aus bestaunt.

Links Afrika, rechts Europa! Mittenmang voraus die untergehende Sonne! Toll! Entspannte, zufriedene Gäste am folgenden Seetag. Nach dem Dinner strömte alles zum Adventsmarkt! Rund um den Pool aufgereihte Weihnachtsbuden!

Mit Eiergrog-Bar und den Sweet Singing Girls als Engel verkleidet. Dazwischen liebevoll gestaltete Tannendekoration! Blitzlichtgewitter! Der Kreuzfahrtdirektor auf einem richtigen Rentierschlitten! Die Akkus der Fotofreaks gingen in die Knie. Einige Gäste an der Punschtonne ebenfalls, als ein Vielfahrer bierernst verkündete: Der sonst pünktlich einsetzende Schneefall vorm Fitness Center auf Deck 8 müsse ausfallen. Jemand habe in Genua den Sack mit dem Streusalz vergessen.

Die Weihnachtsparty war so gut, dass der eine oder andere Gast den atemberaubenden Blick auf das Lichtermeer von Funchal verpasst hat. Frühmorgens laufen wir ein. Jetzt schon 19 Grad - heute ist Heiligabend! Viele machen Ausflüge durch die sonnige Landschaft dieser wunderschönen Insel. Wir fahren mit der Seilbahn auf den Monte. Schauen uns die Funchal-Schlitten an. Stürzen sich doch die wagemutigen Touristen mit speziellen Korbschlitten die engen kopfsteinigen Gassen herunter. Schlittenfahren am Heiligenabend bei 24 Grad? Geht doch!

Abends eine ruhige fast besinnliche Weihnachtsfeier auf dem Schiff. Die Atlantik-Überquerung beginnt: Kurs 249 Grad WSW. 6 Tage kein Land in Sicht. Am Nachmittag des zweiten Tages: Kursänderung auf Süd. Dem Schreiber dieser Zeilen schwant Unheilvolles. Wetter schlechter. Wellen höher. Beim Abendessen erste Spekulationen. Wird wohl stürmisch. Nachts geht's rund! Was sagte der Kapitän: Klassisches rundes Heck schlägt nicht auf? Was schlägt denn da? Neptun schon an die Kabinentür!? Nach 2 Stunden ist der Spuk vorbei. Um 09.00 meldet sich der Käptn. Alles ok! Keiner verletzt. Schiff, Crew und alle Gäste wohlauf. Er sei gestern einem Orkantief ausgewichen. Trotzdem fiel in der Nacht das Barometer von 1024hp auf 850hp in 2 Stunden. Windstärke bis 70 Knoten. Wellenhöhe 15 bis 20 Meter. Die Albatros fährt jetzt wieder den alten Kurs. Und wir? Wir sind jetzt Seebären. Und mit den Plattenbauten auf See will jetzt keiner mehr fahren.