Am Wochenende

„Elbgebläse“ mit 100 Musikern an den Ufern

Posaunenchöre gehören bei vielen festlichen Anlässen dazu (Archivbild). Zum Probenwochenende treffen sich am 19. und 20. September erstmals kirchliche Posaunenchöre beidseits der Elbe in Lütau, Schwarzenbek, Lauenburg und Gülzow.

Posaunenchöre gehören bei vielen festlichen Anlässen dazu (Archivbild). Zum Probenwochenende treffen sich am 19. und 20. September erstmals kirchliche Posaunenchöre beidseits der Elbe in Lütau, Schwarzenbek, Lauenburg und Gülzow.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Erstmals treffen sich Bläsergruppen aus den Bezirken Lauenburg und Lüneburg zum gemeinsamen Proben. Konzert an mehren Orten zu hören.

Lauenburg/Schwarzenbek/Gülzow. Bereits bevor Martin Luther (1483-1546) in seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche die hebräischen Widderhörner (Schofar) als „Posaunen von Jericho“ beschrieb, die Stadtmauern zum Einsturz bringen könnten, waren die Blechblasinstrumente in den Kirchen als besonders lautes Instrument bekannt und beliebt. Dass Posaunen, Trompeten, Hörner und Tuben nicht nur laut, sondern auch sehr melodisch klingen, wollen am kommenden Wochenende, 19./20. September, fast 100 Mitglieder kirchlicher Bläserchöre beweisen, die sich in Lauenburg, Schwarzenbek, Lütau und Gülzow zum Workshop treffen.

Dabei handelt es sich gleich um eine doppelte Premiere: Erstmals üben nämlich Blechbläser aus dem Kirchenkreis Lauenburg gemeinsam Bläsern aus dem Bezirk Lüneburg. Und auch das Konzert am Sonnabend ist ein Novum: Von 17 bis 18 Uhr musizieren die Bläser aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf beiden Seiten der Elbe – gemeinsam über den Fluss hinweg. „Elbgebläse“ haben das die beiden Leiter der Bläserarbeit im Herzogtum Lauenburg, Martin K. Klein und Silke Panzer-Schilasky, gemeinsam mit Michael Buffo, zuständig für Jungbläserausbildung und Organistenausbildung im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, genannt.

Moderne Blasmusik schallt am Sonnabend über den Strom

„Das Tolle daran ist, dass es nicht nur einen Ort gibt, an dem zugehört werden kann. Das Bläserevent kann auf der Höhe des Rufers in der Lauenburger Altstadt sowie gegenüberliegend am Hohnstorfer Ufer kostenfrei mitverfolgt werden“, sagt Buffo. Gegen 16.30 Uhr werden sich die Bläser aufstellen – jeweils etwa 30 bis 50 auf jeder Seite. Unter den bestehenden Abstandsregeln kann sich die Schlange der Musiker auf Lauenburger Seite etwa 100 Meter vom Ruferplatz am Liegeplatz des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ auf der Uferpromenade hinziehen.

Das etwa einstündige Konzert beginnt um 17 Uhr. Die beiden Landesposaunenwarte, Daniel Rau (Nordkirche) sowie Lennart Rübke (Hannoversche Landeskirche), dirigieren von Booten der DRK-Wasserwacht aus die Musiker. Eine besondere Herausforderung, denn die Elbe ist an dieser Stelle etwa 350 Meter breit. „Wir haben schon überlegt, ob wir ihnen rote Armstulpen anziehen, damit ihre Bewegungen besser zu sehen sind“, sagt Klein.

„Unsere Landesposaunenwarte haben sich ein großartiges Programm ausgedacht, wobei für jeden etwas dabei ist, sowohl für die Musiker als auch für die Zuhörer. Das muss man einfach hören und sehen“, sagt Klein, der selbst erst seit zweieinhalb Jahren Trompete spielt. Er lädt vor allem auch Familien zu dem Event ein, denn Bläsernachwuchs ist in allen Gruppen willkommen. Entsprechend ist das Programm gestaltet: Die „Sarabande“ von Georg Friedrich Händel (1685-1750) ist das einzige klassische Stück des Konzert, ansonsten dominieren Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Brian Boniwell („The Lord is my shepard“), Traugott Fünfgeld („Sunny Fehmarn“) oder Heiko Kremers („Finn’s Groove“).

Mit Open-Air-Proben durch die Coronapandemie

Geplant war ursprünglich ein Kirchenkonzert mit jeweils einem Termin in Lauenburg und in Lüneburg. Dann kam den Planern die Coronapandemie dazwischen. Klein: „Wir haben das Beste daraus gemacht. Auch wenn viel Gewohntes rund um die Bläserei nicht möglich war, galt als Rezept der letzten Wochen und Monate – geprobt wird im Freien.“ Aber auch die neue Internetseite des Posaunenchor-Bezirks unter www.pc-bezirk-lauenburg.jimdo.com, die seit Juni 2020 online ist, wurde viel genutzt – nicht nur zur Information: Bläser konnten virtuell ihre Stücke von zu Hause einspielen, die dann zum gemeinsamen Konzert zusammengemixt wurden. Dennoch hätten die Bläser, so Klein, die Proben vermisst und vor allem den Wert des Gemeinschaftsgefühls neu schätzen gelernt.

Das „Elbgebläse“ am Sonnabend ist aber nur einer von vielen Höhepunkten des Proben- und Konzertwochenendes. Start ist am Sonnabend, 19. September, in Schwarzenbek: Von 10 bis 12 Uhr proben die erfahrenen Bläser in der Schützenhalle (Schützenallee) und der Bläsernachwuchs auf dem Schulhof des Gymnasiums (Buschkoppel). Nach der Mittagspause versammeln sich die Musiker aus beiden Ländern unter der Brücke im Stadtpark. Wo sonst bei den Aral Open gerockt wird, erklingt von 14 bis 15 Uhr Blasmusik bei einer Open-Air-Matinée.

Für die erwachsenen Bläser geht es danach zum Kaffeetrinken in den Lütauer Pastoratsgarten, während die Jugendlichen direkt nach Lauenburg weiterfahren, wo eine Bootsfahrt auf der Elbe auf sie wartet, bevor alle um 16.30 Uhr ihre Plätze beidseits des Flusses zum „Elbgebläse“ einnehmen.

Abschlusskonzert zum 40-jährigen Bestehen der Gülzower Bläser

Damit ist das Konzertwochenende aber noch nicht zu Ende: Am Sonntag, 20. September, treffen sich die Bläser in Gülzow. Um 9.30 Uhr beginnt auf dem Platz vor der St.-Petri-Kirche an der Hauptstraße das Einspielen für das nächste Konzert: Zum 40-jährigen Bestehen der Gülzower Bläsergruppe spielen die Musiker von 11 bis 12 Uhr auf dem Platz vor der St.-Petri-Kirche. Die Initiative war 1980 vom damaligen Pastor Lothar Weihmann ausgegangen: „Wir haben die Gruppe damals ganz bewusst Bläser- und nicht Posaunenchor genannt, um allzu viel kirchlichen Touch zu vermeiden“, erinnert sich Weihmann. Bis zu 20 Bläser spielten im Chor, der mittlerweile mit dem Lauenburger Posaunenchor unter Leitung von Katja Bauke eine Spielgemeinschaft bildet. Dieses dritte Konzert bildet zugleich den Abschluss des diesjährigen Bezirksevents.

„Wir wollen an diesen beiden Tagen nicht nur etwas dazulernen, sondern auch zeigen, dass wir in den vergangenen Monaten nichts verlernt haben“, sagt Klein. Wem zuhören nicht ausreicht und wer künftig selbst gern aktiv mitmachen möchte, der kann sich an einen der Posaunenchöre in seiner Nähe wenden und zu einer Schnupperstunde vorbeikommen. „Auch im fortgeschrittenen Alter ein Instrument zu erlernen, ist kein Problem, wenn genug Motivation vorhanden ist“, sagt Klein. Posaunenchöre gibt es in Börnsen, Büchen, Gülzow-Lauenburg, Wentorf, Schwarzenbek, Lütau, Breitenfelde, Mölln, Ratzeburg, Krummesse und Mustin.