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Lauenburg: Corona verzögert Hochwasserschutz weiter

Helfer des Technischen Hilfswerks gehen am 12. Juni 2013 durch die überflutete Unterstadt. Während und unmittelbar nach der Katastrophe hatten Politiker Bund und Land unbürokratische Hilfe und einen wirksamen Hochwasserschutz für Lauenburg versprochen.

Helfer des Technischen Hilfswerks gehen am 12. Juni 2013 durch die überflutete Unterstadt. Während und unmittelbar nach der Katastrophe hatten Politiker Bund und Land unbürokratische Hilfe und einen wirksamen Hochwasserschutz für Lauenburg versprochen.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Eigentlich sollte jetzt die Planung für den Kernbereich Altstadt beginnen. Bisher ist noch nicht einmal eine Ausschreibung erfolgt.

Lauenburg. Offiziell will es niemand bestätigen, aber dass die Hochwasserschutzlinie 2028 in Lauenburg geschlossen ist, wird immer unwahrscheinlicher. „Das wäre überaus sportlich“, räumt Christian Asboe ein. Er ist in der Lauenburger Verwaltung für die Koordination der Planung zuständig. Selbst wenn es gelänge, den immer wieder nach hinten geschobenen Fertigstellungstermin doch zu halten – das sind 15 Jahre nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2013. „Warum es mit dem Hochwasserschutz solange dauert, kann man den Leuten nicht erklären“, sagt Wolfgang Genczik, Chef des Wasser- und Bodenverbandes Delvenau-Stecknitzniederung. Er war wie Asboe bei der Sitzung der kleinen Lenkungsgruppe dabei, die sich nach der coronabedingten Zwangspause kürzlich erstmals wieder traf. In dieser Gruppe stimmen sich normalerweise Vertreter des Landes und der Stadt regelmäßig über die nächsten Schritte in Sachen Hochwasserschutz ab.

Ausschreibung der Planung für Abschnitt A nach der Sommerpause

Der sogenannte Kernbereich des Hochwasserschutzes betrifft den Bereich vom Rufer-Platz bis zum Kuhgrund und damit die meisten Bewohner der historischen Häuser. Dieser Bereich gilt als der komplizierteste bezüglich des Hochwasserschutzes. Lange Zeit ging es hier überhaupt nicht voran. Ende vergangenen Jahres begann die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) endlich, die Ausschreibungsunterlagen für die Planung dieses Bereiches zu erstellen. Die Ausschreibung selbst sollte im März 2020 erfolgen, im Sommer die Vergabe der Planungsleistungen.

Dieser Zeitplan ist nun auch vom Tisch, bisher ist noch nicht mal die Ausschreibung erfolgt „Meine letzte E-Mail an die GMSH habe ich im März geschrieben. Dann kam die Corona-Pandemie“, sagt Asboe. Die Mitarbeiter der GMSH arbeiteten von da an im Homeoffice, einige seien bis heute noch nicht an ihrem Schreibtisch im Büro zurückgekehrt. Asboe geht jetzt davon aus, dass die Ausschreibung nach der Sommerpause erfolgt, die Auftragsvergabe dann im Februar nächsten Jahres – also mit einer Verzögerung von weiteren sechs Monaten.

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Wer zahlt für Hochwasserschutz in Lauenburg?

Die Zusammenarbeit zwischen GMSH und der Stadt Lauenburg hatte sich in der vergangenen Zeit nicht immer einfach gestaltet. Die Betroffenenengemeinschaft Hochwasser warf der landeseigenen Gesellschaft immer wieder vor, mit „angezogener Handbremse“ für den Hochwasserschutz in Lauenburg zu arbeiten. Ein neuer zuständiger Mitarbeiter soll aber mit mehr Einsatz an die Sache herangehen.

Andere Planungsbereiche des Hochwasserschutzes sind deutlich weiter

Die Abschnitte B (Ruferplatz bis Hitzlerwerft) und C (entlang der Hafenstraße) sind in der Planung deutlich weiter. Der Planbereich D (Industriegebiet bis Schleuse) war eigentlich so gut wie fertig. Der Deich ist bereits angehoben, das Pumpwerk erneuert. „Wir haben uns mit dem Land verständigt, die Schutzhöhe auch in diesem Bereich von geplant 10,60 auf 11 Meter zu erhöhen. Das macht ja auch Sinn, auf die gleiche Höhe zu gehen, wie in den anderen Bereichen“, sagt Asboe. Hier muss allerdings die Bahn ein Wort mitreden und auch das könnte dauern. „Die Bahn hat angekündigt, eine Vorlaufzeit von zwei Jahren zu brauchen“, sagt Genczik. Für diesen Planungsbereich ist das Büro Böger & Jäckle aus zuständig. Die Ingenieure aus Henstedt-Ulzburg haben unter anderen das Hochwasserschutzkonzept entlang der Zwickauer Mulde entwickelt.

Angesichts der neuerlichen Verzögerungen glaubt Jörg Sönksen von der Betroffenengemeinschaft Hochwasser nicht mehr an den Fertigstellungstermin 2028. „Ich gehe auch nicht davon aus, dass es nur eine unwesentliche Zeitverschiebung nach hinten geben wird. Nach unseren bisherigen Erfahrungen müssen wir wohl leider davon ausgehen, dass wir vor 2032 keinen Hochwasserschutz haben werden“, stellt er fest. Christian Asboe ist da optimistischer, er gehe höchstens von einem Jahr weiterer Verzögerung aus.