Nabu Büchen

Immer weniger Schmetterlinge – Was tun?

Vor einem Jahr wurde auf einer Ackerfläche in Siebeneichen eine Blühwiese für Insekten angelegt. Nabu-Büchen Vorsitzender Karl-Heinz Weber (76) und FÖJlerin Pauline Grimmer (18) beobachten hier häufig Schmetterlinge und andere Tiere.

Vor einem Jahr wurde auf einer Ackerfläche in Siebeneichen eine Blühwiese für Insekten angelegt. Nabu-Büchen Vorsitzender Karl-Heinz Weber (76) und FÖJlerin Pauline Grimmer (18) beobachten hier häufig Schmetterlinge und andere Tiere.

Foto: Isabella Sauer

Die geflügelten Insekten werden immer seltener. Dabei kann jeder Einzelne den Tieren helfen. Zumindest ein bisschen.

Siebeneichen/Lauenburg.  Trotz vieler Appelle sehen Naturschützer die Lage der geflügelten Insekten immer noch mit Sorge. So schreibt das Bundesamt für Naturschutz, dass in Deutschland bereits mindestens 60 Schmetterlingsarten ausgestorben seien. Karl-Heinz Weber (76), Vorsitzender des Nabu-Büchen, ist ebenfalls besorgt. Dabei kann jeder Einzelne den Tieren helfen – zumindest ein bisschen.

Wenn Karl-Heinz Weber einmal besonders viele Schmetterlinge und Bienen sehen will, fährt er zur extra angelegten Blühwiese an der Kanalstraße Richtung Wiesenweg in Roseburg. Dort summt und brummt es, sobald man einen Fuß auf die Fläche setzt. Pflanzen – soweit das Auge reicht: Kornblume, Moschus-Malve, Margerite, Buchweizen, Schafgarbe, schwarze Königskerze und viele Arten mehr. Vor einem Jahr wurde die Blühwiese von einem Landwirt angelegt, die Mischung ist für eine Standzeit von etwa fünf Jahren konzipiert. Weber: „Die Blühfläche ist Teil des deutschlandweiten Projekts Bienen-Blüten-Reich.“ Weitere Infos dazu gibt es unter www.mellifera.de/bienenbluetenreich.

Gründe für Rückgang der Schmetterlinge sind vielfältig

Die Gründe für den Rückgang der Schmetterlinge sind nach Einschätzung des Experten vielfältig. So trage zum einen der Klimawandel mit seinen langen Dürreperioden und Hitze dazu bei, ebenso die intensive Landwirtschaft. „Es werden zu viele Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Und Wiesen werden immer häufiger gemäht“, sagt Weber. Der Verlust artenreicher Wiesen und Weiden sei dramatisch, sagt der 76-Jährige, der 1984 den Nabu-Ortsverein Büchen mit seinem mittlerweile mehr als 600 Mitgliedern gründete. Der Einsatz von Mährobotern tue sein Übriges dazu.

Schmetterlinge brauchen nährstoffarme, offene und blütenreiche Landschaften. Ebenso lichte und naturnahe Wälder. Solche Biotope gibt es fast nur noch in Schutzgebieten. „Beispielsweise in Büchen der Büchener Sander“, sagt Weber und lässt seinen Blick über die bunte Wiese schweifen. Der „Büchener Sander“ ist ein mehr als 100 Hektar großes Naturschutzgebiet, das eine große Bedeutung als Magerrasen hat. Dort gibt es sehr viele an Trockenheit und Nährstoffarmut angepasste seltene Pflanzenarten, an die wiederum seltene Tiere gebunden sind. Auch Schmetterlinge.

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Ein weiterer Grund für die immer weniger werdenden Falter sind die immer häufiger angelegten Schottergärten. „Da geht wirklich wichtiger Lebensraum verloren“, ärgert sich Weber, der selbst einen naturbelassenen Garten hat. Eine mögliche Lösung gegen das Schmetterlingssterben ist das gezielte Anlegen von Blühwiesen. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Gemeinden und Firmen, die solche Flächen anlegen.

Stadtwerke Schwarzenbek schaffen Blühwiese für Insekten

So beispielsweise der Versorgungsbetrieb SH Netz. Seit 2019 wurden bislang landesweit an 30 Standorten auf 27.000 Quadratmetern Wildblumen ausgesät. Jetzt sollen weitere Flächen für den Bienen- und Insektenschutz genutzt werden. Geplant sind weitere 13.000 Quadratmeter Wildblumen – davon 2000 im Herzogtum Lauenburg. Und auch andere Versorgungsbetriebe nutzen ihre Freiflächen für solche Zwecke. So haben etwa die Stadtwerke Schwarzenbek im Vorjahr eine 3000 Quadratmeter große Blühwiese für Insekten geschaffen.

Geesthachts Schulen haben mehrere insektenfreundliche Flächen

Auch in Geesthacht gibt es positive Beispiele für den Insektenschutz zu entdecken. So gibt es seit 2018 die Aktion „Geesthacht summt“, unter anderem wurde am Otto-Hahn-Gymnasium jetzt ein neuer Blühstreifen angelegt. Die Stadt Geesthacht tauschte auf der Fläche Steine gegen Erde, gelbe Schildchen zwischen den Pflanzen erläutern, was hier wächst. Die Saatmischung hat die Stadt Geesthacht beigesteuert, die Arbeit übernahmen die Schüler der Corona-Notbetreuung. Auch an anderen Schulen und Kitas tut sich etwas, so hat die benachbarte Alfred-Nobel-Schule ebenfalls eine Blühfläche. Ebenfalls positiv: Auch in der Feldmark oberhalb von Finkenweg-Ost wurden jetzt Blühstreifen angelegt. Auf insgesamt 1,2 Kilometer Länge ist eine etwa ein Meter breite Fläche für die Aussaat entstanden. So soll der Artenreichtum der Wegränder verbessert werden.

Doch bei solchen Flächen komme es nicht nur auf bunte Blumen an, merkt der pensionierte Lehrer an. „Wichtig ist auch, dass es ausreichend Futterpflanzen für die Raupen gibt.“ Gebe es nur Blühpflanzen, könnten die Raupen gar nicht zu Schmetterlingen werden. Dabei habe jede Art ihre Vorlieben. „Beim Tagpfauenauge und beim Kleinen Fuchs sind es die Brennnesseln. Andere brauchen etwa Klee oder Gräser“, so Weber. Dementsprechend wäre es zu begrüßen, wenn manche Gartenbesitzer ihr „Unkraut“ im Garten stehen ließen. „Mut zur Wildnis“, rät der Nabu-Vorsitzende.

Stadt Lauenburg sucht ständig nach neuen Flächen

Neue Wege in der Gestaltung der Grünanlagen geht auch die Stadt Lauenburg. Zum einen aus Kostengründen, um langfristig Geld bei der Grünpflege einzusparen. Zum anderen soll auch die Umwelt profitieren. Vor zwei Jahren hat die Stadt an fünf Standorten Flächen mit der Samenmischung „Wärmeliebender Saum“ eingesät: an der Ecke Murjahnstraße/Graf-Bernhard-Ring, der Einmündung Dresdener Straße/Glüsinger Weg und an der Hamburger Straße neben der Aral-Waschanlage, auf der großen Verkehrsinsel an der Lütauer Chaussee sowie zwischen Hafenstraße und Horster-Damm-Brücke. Auch gibt es Blühflächen im Industriegebiet sowie am Moorring.

Der Leiter des Stadtentwicklungsamtes, Reinhard Nieberg, sagt dazu: „Wir suchen ständig weitere passende Flächen. Doch nicht jede eignet sich.“

App „Schmetterlinge Deutschlands“: Das Online-Portal „Schmetterlinge Deutschlands“ dient als Grundlage für die Analyse der Gefährdung der Schmetterlinge in Deutschland für die Rote Liste. Interessierte können entweder über die App selbst oder auf der Webseite www.schmetterlinge-d.de einen neuen Fund melden und Angaben zum Fundort (Lebensraum, Anzahl der Exemplare, Stadium, Nachweismethode usw.) machen. Wer will, kann auch ein Foto oder ein Video hinzufügen. Alle Eintragungen werden gesammelt und werden auf einer interaktiven Karte sichtbar gemacht. Bisher gibt es 169.072 Online-Meldungen. isa