Lütau/Dassendorf

Angehende Landwirte starten ihre Ausbildung

Der Lütauer Landwirt Markus Buhr (33) sucht noch einen Auszubildenden für dieses Jahr. Er betreibt einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Junge Rinder weiden auf der Wiese hinter dem Hof.

Der Lütauer Landwirt Markus Buhr (33) sucht noch einen Auszubildenden für dieses Jahr. Er betreibt einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Junge Rinder weiden auf der Wiese hinter dem Hof.

Foto: Isabella Sauer

Laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden 287 neue Verträge geschlossen. Doch einige Betriebe haben noch freie Plätze.

Lütau/Dassendorf.  Während für die meisten jungen Menschen die Ausbildung am 1. August beginnt, starten die Landwirte bereits am 16. Juli. Der Grund: die Ernte. So stehen die neuen Lehrlinge den Betrieben schon während der Getreideernte zur Verfügung. Laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wurden bisher 287 (Stand 30. Juni) neue Verträge im Beruf Landwirt für das neue Ausbildungsjahr 2020/2021 abgeschlossen. Doch im Verlauf der nächsten Monate könnten noch weitere hinzukommen, denn nicht alle freien Stellen der 900 Ausbildungsbetriebe in Schleswig-Holstein sind besetzt.

So hat beispielsweise Landwirt Markus Buhr (33) aus Lütau noch keinen passenden Kandidaten gefunden. „Das ist sehr schade, aber nicht verwunderlich“, sagt der Lütauer. Er habe den Eindruck, dass die Landwirtschaft derzeit eher negativ in den Medien dargestellt werde und der Beruf des Landwirts somit an Attraktivität verloren habe. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass der Beruf nicht besonders viel Privatleben zulässt. So gebe es beispielsweise keine geregelten Arbeitszeiten. „Wenn eine Kuh kalbt, kalbt sie eben. Das lässt sich nicht ganz genau planen. Ist beim Menschen ja nicht anders“, sagt Markus Buhr, der 2015 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. „Somit ist es eher eine Berufung anstatt ein einfacher Beruf“, sagt der Familienvater.

Auf dem Hof Buhr wird seit mehr als 36 Jahren ausgebildet

Dass Buhr für dieses Jahr noch keinen passenden Azubi für den Getreidebau- und Milchviehbetrieb gefunden hat, bedauert er. Schließlich wird auf dem Bauernhof in Lütau seit mehr als 36 Jahren ausgebildet. Und das, obwohl der Hof mit seinen 120 Kühen und 110 Hektar Land eher klein ist. 2014 gab es sogar eine Auszeichnung zum Ausbildungsbetrieb des Jahres. „Ich habe auch von vielen anderen Kollegen gehört, dass es immer weniger Bewerber gibt“, erzählt der 33-Jährige. Einen weiteren Grund dafür sieht er auch darin, dass immer mehr Schulabgänger studieren wollen. Ebenso sei die Voraussetzung eines Trecker-Führerscheins für viele Bewerber eine Hürde. „Das ist für uns aber total wichtig, da wir nicht alle Felder in unmittelbarer Nähe haben und somit mobil sein müssen“, erklärt der junge Landwirt, der seit 2011 staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt ist und somit Lehrlinge ausbilden darf.

Die Hoffnung, noch einen Auszubildenden zu finden, hat Buhr aber nicht aufgegeben. „Wer weiß, vielleicht meldet sich ja doch noch jemand“, meint er. Und für das Ausbildungsjahr 2021 habe sich vor wenigen Tagen eine junge Frau beworben. „Die kommt nächste Woche mal zum Probearbeiten vorbei. Vielleicht passt es ja“, sagt er und scheint zuversichtlich zu sein.

Zwei neue Lehrlinge auf dem Hof Stahmer in Dassendorf

Bisher keine Schwierigkeiten passenden Nachwuchs zu finden, hat Jan-Hendrik Stahmer aus Dassendorf. Der Dassendorfer betreibt einen Ackerbau-Betrieb und konnte am 16. Juli gleich zwei neue Lehrlinge begrüßen, die bereits im dritten Lehrjahr sind: Henke Plüschau (19) und Niklas Koch (18). In der Landwirtschaft ist es üblich, dass die Schüler jedes Jahr einen neuen Betrieb kennenlernen. So war Henke Plüschau im vergangenen Jahr auf einem Milchviehbetrieb und Niklas Koch beim Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen tätig. Für beide ist das Ende ihrer Ausbildungszeit absehbar. Wie es danach weitergehen sollen, wissen sie schon jetzt: „Wir wollen im Anschluss ein praktisches Jahr auf unseren elterlichen Höfen absolvieren und anschließend die Meisterprüfung bestehen.“

Und was gefällt ihnen am Beruf des Landwirts besonders? „Wir haben einen Beruf mit viel Abwechslung. Wir machen kaum jeden Tag die gleiche Arbeit“, sagt Henke Plüschau. „Und das Fahren von den großen Maschinen macht uns natürlich auch viel Spaß“, ergänzt sein Kollege Koch. Auch Ausbilder Dirk Radtke (44) gefällt das Arbeiten mit den jungen Menschen. „Man hat richtig Lust, ihnen das Wissen weiterzugeben“, sagt er und schaut zu Jan-Hendrik Stahmer hinüber, der ebenfalls ausbilden darf und vor vier Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen ist.

Landwirtschaftskammer ist mit Ausbildungszahlen zufrieden

Mit den aktuellen Ausbildungszahlen zufrieden ist auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Pressesprecherin Daniela Rixen sagt: „Die Zahl bewegt sich schon jetzt auf erfreulich stabilem Niveau gegenüber den vergangenen beiden Jahren. Das ist in Zeiten von Fachkräftemangel nicht selbstverständlich.“ Und trotzdem, die Landwirtschaftskammer wisse um die Schwierigkeit vieler Landwirte, passende Lehrlinge zu finden. „Es ist leichter für die Azubis und schwerer für die Betriebe geworden“, sagt sie. Das habe folgende Gründe: Zum einen gibt es weniger junge Menschen und zum anderen haben diese oft den Wunsch, ein Studium aufzunehmen. Dabei seien die Jobchancen nach der Ausbildung sehr gut.