Eiscafé

Lauenburg: Heute gibt es zum letzten Mal Eis bei Jutta

Jutta La Prova (rechts) schließt nach 35 Jahren ihre Eisdiele. Gurpreet und Petra Singh übernehmen das Geschäft.

Jutta La Prova (rechts) schließt nach 35 Jahren ihre Eisdiele. Gurpreet und Petra Singh übernehmen das Geschäft.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

„Capri“ heißt das Eiscafé an der Alten Wache offiziell. Doch Eis essen geht man zu Jutta. Ende einer Tradition - und ein neuer Anfang.

Lauenburg. „Capri“ heißt das Eiscafé an der Alten Wache ganz offiziell. Doch so nennt es in Lauenburg niemand. „Komm, ich lade dich zu Jutta ein“, heißt es, wenn jemand Appetit auf original italienischen Eisgenuss hat und nicht allein gehen möchte. Wobei: Bei Jutta La Prova ist man nie allein. Hier gibt es immer einen Schnack gratis dazu. Und wer geht, weiß immer ein bisschen mehr, was sich in Lauenburg gerade so tut. Heute schließt Jutta ihren kleinen Laden zum letzten Mal auf. Nach fast 35 Jahren will sie ab sofort mit ihrem Mann den Ruhestand genießen.

Hätte man der damals 28-Jährigen gesagt, dass sie einmal ein Lauenburger Original und Liebling aller Kinder werden würde, sie hätte es wohl nicht geglaubt. „Wenn heute ein Papa seinen Sprössling hochhebt, damit er das Angebot überblicken kann, dann denke ich oft: Mensch, du warst doch gerade selbst noch een lütten Jung“, sagt die 63-Jährige.

Die Alte Wache war nicht immer die Adresse des Eiscafés Capri. Angefangen hat alles in einem kleinen Laden in der Nähe des Lauenburger Freibades. Von der Eisherstellung hatte die gelernte Einzelhandelskauffrau damals noch keine Ahnung. Und doch war sie irgendwie vorbelastet. „Meine Mutter hat im Restaurant Stappenbeck Eis verkauft. Und mein Mann ist schließlich ein waschechter Italiener“, sagt Jutta lachend. Deshalb musste sie ihn auch gar nicht lange überreden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Bereut hätten sie es keinen einzigen Tag, versichert sie.

Eis isst Jutta nur im Urlaub – und schaut den Machern auf die Finger

Hat man nach so vielen Jahren eigentlich noch ein Lieblingseis? „Ich esse nun im Urlaub Eis. Hier koste ich ja dauernd, ob die Qualität stimmt. Wenn ich mir dann noch ab und zu einen Eisbecher gönnen würde, wäre das ein bisschen des Guten zu viel“, sagt die zierliche Fra lachend. Urlaub macht das Ehepaar La Prova immer in den Wintermonaten und meist bei der Verwandtschaft in Italien. Aber so ganz kann Jutta, die übrigens fließend italienisch spricht, dann doch nicht abschalten. „Wir schauen uns dann schon mal an, was die italienischen Gelatiere so auf der Waffel haben. Ich sehe sofort, wer sein Handwerk beherrscht und wo das Eis nicht so frisch ist“, sagt sie.

Erdbeereis, Vanille und Schoko, sind bei Jutta immer noch der Renner. Kinder lieben vor allem das himmelblaue Eis mit bunten Streuseln drauf. Von schrillen Experimenten halten die Lauenburger Eismacher nichts. „Biereis soll ja jetzt der Renner sein. Ich habe sogar schon von Kartoffeleis oder der Sorte Ziegenmilch mit Meersalz gehört“, sagt Jutta und verzieht das Gesicht. Das verrückteste Eis, das sie mal ausprobiert hätten, sei Lakritzeis gewesen. „So richtig hat sich das aber nicht durchgesetzt“, räumt Jutta ein. Lauenburger seien eben bodenständig und liebten die Tradition. „Das sind hier alles grundanständige Menschen. Wenn einer mal nicht genug Kleingeld in der Tasche hat, kann ich mich darauf verlassen, dass er mir am nächsten Tag die fehlende Münze bringt. das muss ich nicht mal aufschreiben“, sagt Jutta La Prova.

Nachfolger stehen in Startlöchern und setzen auf bewährte Rezepte

Wenn Jutta heute abend die Tür des kleinen Eisladens zum letzten Mal abschließt, kann sie den Schlüssel gleich weitergeben. Das Geschäft übernehmen Petra und Gurpreet Singh aus Winsen. Das Ehepaar schaut den Lauenburger Eismachern bereits seit einer Woche über die Schulter. Viel ändern wollen die beiden nicht – schon gar nicht an den Eisrezepten. Gurpreet Singh hat in Indien Koch gelernt, seine Frau Petra bis vor Kurzem eine Reitschule für Kinder betrieben. „Die beiden machen das schon. Sie müssen ihre Erfahrungen sammeln, so wie wir damals“, ist Jutta überzeugt.

Große Pläne für den Ruhestand haben sie und ihr Mann nicht geschmiedet – erstmal abschalten. „Mein Mann muss sich gesundheitlich ein bisschen stabilisieren, da tut ihm erstmal die Ruhe gut“, sagt sie. So ganz vorstellbar ist es allerdings nicht, dass die quirlige Jutta La Prova jetzt nur noch die Hände in den Schoß legt. „Wenn was ist, bin ich da“, sagt sie. Und wenn es für einen Schnack bei einem großen Eisbecher ist.