Kulturangebot

Lauenburger Theater bereitet Neustart nach Corona vor

Andreas Püst ist Chef vom Lauenburger Theater an der Elbstraße.

Andreas Püst ist Chef vom Lauenburger Theater an der Elbstraße.

Foto: Isabella Sauer

Die alte Osterwold-Halle ist auf Hochglanz poliert. Denn in der Zwangspause gab es keine Kultur. Jetzt soll das Programm wieder losgehen.

Lauenburg.  Nach der knapp drei monatigen Zwangspause kehrt so langsam wieder Leben in die Heinrich-Osterwold-Halle (Elbstraße 145 a) ein. Das gemeinnützige Theater Lauenburg, offizieller Pächter der Halle, plant wieder erste Veranstaltungen. Doch auch die Zeit des Lockdowns wurde genutzt: für einem gründlichen „Hausputz“ – bei dem auch der neue „Theater-Bufdi“ Leon-Alexander Jean-Pierre Hegenbarth (18) kräftig half.

Die Rücklage ist aufgebraucht

Trotz Corona-Krise hat Theaterchef Andreas Püst bisher keine Fördermittel beantragt, erzählt er und geht zum Tresen, um sich eine Apfelschorle zu holen. „Finanziell konnten wir uns zum Glück über Wasser halten. Allerdings ist das Geld aus der gebildeten Rücklage futsch.“ Dabei hatten Püst und sein ehrenamtliches Team auf etwas anderes gespart: Die Licht- und Tontechnik wollten sie aufrüsten und modernisieren. „Und beides sollte nicht weiter am Seitenschiff seinen Platz haben, sondern über den Eingängen der Toiletten“, sagt er. Dafür sollte eine Decke eingezogen werden. Etwa 10.000 Euro hatte Püst dafür eingeplant. „Wir wollten Fördergeld beantragen und einen Eigenanteil dazu geben. Jetzt wird das Projekt nach hinten gestellt.“

Hygienekonzept mit Einbahnstraße im Theater

Um wieder Publikum in die 2009 sanierte, ehemalige Turnhalle holen zu können, hat Andreas Püst ein Hygienekonzept geschrieben. „Das liegt fertig in der Schublade.“ Allerdings fehlen derzeit beispielsweise noch mehrere Desinfektionsmittelspender und Plexiglasscheiben für das Bistro. Püst: „Wir wollen für die Mitarbeiter auch Mund-Nasen-Bedeckungen mit unserem Logo anschaffen.“ Allerdings sei all das mit Kosten verbunden. Deswegen will der Theaterchef einen Förderantrag für das Sofortprogramm „Neustart“ für coronabedingte Investitionen in Kultureinrichtungen stellen. Hinweistafeln auf ausreichenden Abstand und ein „Einbahnstraßen-System“ sind bereits angebracht.

Unter normalen Umständen können im unteren Bereich der Halle bis zu 60 Menschen Platz nehmen, in der Galerie gibt es 65 Stühle. „Nun werden wir unten deutlich weniger Tische aufbauen und oben nur etwa 30 Gäste unterbringen“, sagt Püst und lässt seinen Blick durch die Halle schweifen.

Zuerst soll es in der Halle wieder Kinovorstellungen geben

Ein Neustart im Juli wird vermutlich noch nicht möglich sein. Man wolle aber so schnell wie möglich mit dem Kinoprogramm starten. Und auch eine Lesung sei schon geplant. „Ich darf aber noch nicht verraten welche, da es da noch um das Thema Rechte geht“, sagt Püst, der schon weitere Ideen hat. So soll es in diesem Jahr auch noch ein Hörspiel und ein Solostück geben, eine Schauspielerin hatte angefragt. „Alle Aufführungen, die nun kommen werden, sollen im weitesten Sinne etwas mit der Corona-Pandemie zutun haben“, erklärt der Theaterchef. Er freue sich darauf, dass endlich wieder etwas im Theater Lauenburg passiere. So gab es am Dienstagabend auch wieder ein erstes Treffen des Theaterjugendclubs.

Mitglied im Jugendclub ist auch Leon-Alexander Jean-Pierre Hegenbarth (18), der seit dem 1. Februar neuer Bufdi am Theater Lauenburg ist. „Das Theaterspielen macht mir richtig viel Spaß“, sagt der Lauenburger, der sich ebenso auf den Neustart freut. Doch wie hat der Bufdi die vergangenen Monate verbracht, welche Aufgaben hat er übernommen? „Puh, ich habe ganz viel aufgeräumt und geputzt“, sagt er lachend. Dafür erstrahle die Halle wieder im neuen Glanz. Auch habe Hegenbarth die Künstlergarderobe gestrichen und beispielsweise vor dem Eingang Unkraut gejätet. „Man macht Sachen, für die man sonst nur bedingt Zeit hätte“, sagt er und schaut zu Theaterchef Püst.

Bufdi darf Erfahrungen im Bereich Ton- und Lichttechnik sammeln

Einige Wochen vor dem Lockdown konnte der neue Bufdi aber auch schon ein wenig Alltagsluft im Theaterbetrieb schnuppern. „Da habe ich mich um den Um- und Aufbau der Bühne gekümmert, aber zum Beispiel auch um die Bestuhlung“, so Hegenbarth. In den nächsten Monaten darf er auch bei neuen Produktionen mithelfen und Erfahrungen im Bereich Ton- und Lichttechnik sammeln.

Sein Bundesfreiwilligendienst geht bis Ende Januar 2021. Danach will sich der 18-Jährige, der einen Abschluss an der Albinus-Gemeinschaftsschule gemacht hat, auf Ausbildungsstellen bewerben. „Eine mögliche Option wäre die Lehre zum Veranstaltungstechniker. Oder ich gehe in den IT-Bereich. Mal sehen“, sagt der Bufdi und steigt die Galerie empor. Ersteinmal freuen sich Theaterchef Andreas Püst und Bufdi Leon-Alexander Jean-Pierre Hegenbarth darauf, wieder Publikum zu empfangen.