Künstlerhaus Lauenburg

Künstler und Bürger gestalten Brachfläche in Lauenburg

Freuen sich auf die Projektwoche: Sara Opitz (Koordinatorin des Bundesprogramms im Kreis Herzogtum Lauenburg), Bendt Jaspers (Baltic Raw), Benjamin Stumpf (Leiter Offenes Atelier), Móka Farkas (Baltic Raw) und Marita Landgraf (Künstlerische Leiterin Künstlerhaus).

Freuen sich auf die Projektwoche: Sara Opitz (Koordinatorin des Bundesprogramms im Kreis Herzogtum Lauenburg), Bendt Jaspers (Baltic Raw), Benjamin Stumpf (Leiter Offenes Atelier), Móka Farkas (Baltic Raw) und Marita Landgraf (Künstlerische Leiterin Künstlerhaus).

Foto: Isabella Sauer

Künstlerhaus Lauenburg bietet vom 30. Juni bis 5. Juli Workshop-Woche. Bürger sollen eine Klangskulptur entwerfen. Anmeldung möglich.

Lauenburg. Mitten im Zentrum von Lauenburg gibt es eine riesige Brachfläche. Immerhin, es ragen nicht mehr nur Stromkabel aus der Erde, ein schäbiger Bauzaun dient nicht länger als alleiniger Blickfang. Seit einigen Wochen zieren kleine Nussbäumchen und Holzbänke den Platz. Doch das soll noch nicht alles sein. Das Künstlerhaus Lauenburg startet am Dienstag, 30. Juni, eine Aktionswoche. Künstler wollen gemeinsam mit Bürgern die Brachfläche umgestalten.

Doch warum gibt es an der Berliner Straße überhaupt solch eine ungenutzte Fläche? Ein Rückblick: Über Jahre bestand der Plan, an dieser Stelle die Marktgalerie zu bauen. Doch Anfang des Jahres stand fest, dass Projektentwickler Frank Kiefaber die seit 2012 angekündigte Marktgalerie nicht realisieren wird.

Die Verwaltung hält seitdem an einem „gesteuerten Investorenauswahlverfahren“ fest. Demnach soll die im Eigentum der Stadt befindliche Brachfläche zu einem vorher festgelegten Preis an denjenigen verkauft werden, der das überzeugendste Konzept für ein „kleinstädtisches Zentrum“ vorlegt.

Bereits im Februar zweite Podiumsdiskussion

Doch Lauenburgs Bau- und Planungsausschuss folgte diesem Vorschlag nicht. Die Fraktionen meldeten noch Beratungsbedarf an – das Thema wurde vertagt. Dann ging die Politik in die coronabedingte Zwangspause.

Das Künstlerhaus nutzt seit längerem die Chance, gemeinsam mit den Bürgern etwas Schönes aus der Brachfläche zu machen. Bereits im Februar kamen mehr als 60 Besucher zur zweiten Podiumsdiskussion „Lauenburg im Wandel“. Seither hält das Künstlerkollektiv Baltic Raw aus Hamburg die Fäden für die Gestaltung in der Hand. Der Ansatz von Móka Farkas und Berndt Jasper ist die Einbeziehung der Menschen, die im Umfeld der Aktionen leben.

Bürger sollen eine Klangskulptur während des Workshops bauen

Vom 30. Juni bis zum 5. Juli wird täglich von 11 bis 16 Uhr eine erste Aktionswoche geboten. Marita Landgraf, künstlerische Leiterin des Künstlerhauses, sagt: „Uns allen ist diese Brachfläche immer sehr präsent. Wir wollen sie gemeinsam künstlerisch umgestalten.“ Los geht es mit einem Klangkunst-Workshop des Offenen Ateliers. Kunstvermittler Benjamin Stumpft, der das Offene Atelier leitet, nennt Details: „Wir wollen herausfinden, wie unsere Stadt klingt. Wir wollen hören, wo eigentlich die Mitte Lauenburgs ist.“ In der Aktionswoche sind Bewohner dazu aufgerufen, an dem Bau einer gemeinschaftlichen Klangskulptur mitzuwirken.

Die temporäre Installation soll auf der neu begrünten Baubrache an der Berliner Straße in einem generationsübergreifenden Ansatz entstehen. „Wir wollen gemeinschaftlich die Klänge, Geräuschwelten und Resonanz der Stadt erforschen, um daraus verschiedenartige Formen für eine schwingende Architektur zu entwickeln“, so Stumpf weiter. Die Workshop-Woche wird in Kooperation mit dem derzeitigen Stipendiaten des Künstlerhauses, dem Klangkünstler Fritjof Mangerich durchgeführt.

Nutzpflanzen-Karte soll erstellt werden

Parallel zum Klang-Workshop installiert Baltic Raw auf der Brachfläche eine Nutzpflanzen-Karte mit Begleittexten zum Thema „Essbare Stadt“. Die Projektvorstellung durch die Künstler ist für Sonntag, 5. Juli, 16 Uhr geplant. Unter diesem Titel gibt es schon in einigen deutschen Städten Projekte, die die Produktion von Nahrungsmitteln in der Stadt fördern. In Deutschland beteiligen sich mittlerweile 90 Städte an diesem Konzept. Eine Karte für Lauenburg soll Auskunft darüber geben: Wo wachsen Obstbäume oder andere Früchte, wo Gemüse, wo Kräuter? Wann sind sie reif und darf man sie ernten? Wer hat sie gepflanzt und was ist ihre Geschichte? Neben einer digitalen Erfassung können sich die Künstler vorstellen, dafür auch den Bauzaun zu nutzen.

„Es könnte eine große Karte entstehen, Flächen eingezeichnet werden“, sagt Móka Farkas, die sich freut, dass mittlerweile eine aktive Bürgerbeteiligung wieder möglich ist. Die Klangskulptur- und Nutzbaumkarten-Projekte werden mit 6300 Euro aus dem vom Bund aufgelegten Förderprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt.

Klangkunst-Workshop 30. Juni bis 5. Juli täglich 11 bis 16 Uhr. Maximal 15 Personen. Treffpunkt: Brachfläche an der Berliner Straße. Anmeldung per E-Mail an stumpf@kuenstlerhaus-lauenburg.de. Präsentation am 5. Juli um 15 Uhr im Rahmen des Kultur-Sommers. ​