Stadtzentrum

Lauenburger SPD gegen Abriss der Brandruine

Mehrere Gastronomen hatten vergeblich versucht, das Gebäude zu nutzen, zuletzt der Betreiber eines kroatischen Spezialitätenrestaurants.

Mehrere Gastronomen hatten vergeblich versucht, das Gebäude zu nutzen, zuletzt der Betreiber eines kroatischen Spezialitätenrestaurants.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Nach Rückzug der Denkmalschützer sieht die Fraktion eine Chance, die historische Fassade zu retten

Lauenburg. Ein verkohlter, eingefallener Dachstuhl, zugenagelte Fenster und Türen, eine beschmierte Fassade – es ist ein trauriger Anblick, der sich seit eineinhalb Jahren mitten im Stadtzentrum bietet. In der Nacht zum 8. Januar vergangenen Jahres stand das historische Vorwerkhaus an der Hamburger Straße lichterloh in Flammen. Man muss schon eine ganze Menge Fantasie haben, um sich vorzustellen, dass hier noch was zu retten ist. Dennoch bringt die SPD-Fraktion jetzt eine Idee ins Spiel, um wenigstens die historische Fassade zu erhalten.

„Dem Eichenfachwerk können ein bis zwei Jahre Regen nicht viel anhaben“, sagt André Peylo, Mitglied im Bau- und Planungsausschuss. Peylo ist nicht nur Politiker, sondern auch diplomierter Holzgutachter. Von Anfang an hatte er dafür plädiert, das im Jahre 1730 erbaute Gebäude nicht einfach so aufzugeben. Doch selbst die sonst so wachsamen Denkmalschützer legen keinen Wert mehr auf die Brandruine. Wie berichtet, wollte das Landesamt die Zuständigkeit für die Ruine am liebsten an die untere Denkmalschutzbehörde des Kreises abgeben, doch die lehnte ab. Das Ergebnis des Streites um Zuständigkeiten: Das Gebäude steht jetzt nicht mehr auf der Liste der Kulturdenkmäler des Landes. Für Peylo nicht nachvollziehbar: „Da fragt man sich doch, was die Kriterien eines Denkmals sind. Die baufällige Treppe am Postgebäude sollte lange erhalten bleiben, aber ein Gebäude, das an prominenter Stelle das Stadtbild prägt, wird ohne große Diskussion abgemeldet“, wundert er sich.

Alternative aus SPD-Sicht: Gebäude erhalten und sinnvoll nutzen

Der Status als Denkmal war bis vor Kurzem einer der Knackpunkte, die das Schicksal der Ruine prägten. Ein Abriss durch die Eigentümerfamilie war damit nämlich unmöglich. Genau das befürchtet Peylo jetzt. „Wir möchten das Gebäude erhalten und sanieren. Es ist für Lauenburg wichtig und eine sinnvolle Nutzung auch möglich“, ist er überzeugt. In diesem Falle wäre es sogar von Vorteil, dass der Denkmalschutz kein Interesse mehr an dem Gebäude hat. „Man könnte unter Erhaltung der historischen Hülle ein modernes Gebäude zum Beispiel als Bürgerhaus errichten. Und das ohne Zwänge durch den Denkmalschutz“, schwebt ihm vor.

Gespräche zwischen Stadt und Eigentümerfamilie festgefahren

Doch bevor solche Pläne aber überhaupt die Chance auf Verwirklichung haben, muss die Stadt in Besitz der Schrottimmobilie kommen. Im Juni vergangenen Jahres hatte sich die Stadt von der Politik grünes Licht geholt, die Ruine eventuell zu kaufen. Doch offenbar stecken die Gespräche derzeit in einer Sackgasse. Knackpunkt dürften wohl die Kaufpreisvorstellungen der Eigentümer sein. Da sich das Gebäude aber in einem festgesetzten Sanierungsgebiet befindet, gibt es dafür keinen Spielraum. Das ist im Baugesetzbuch so festgelegt, um spekulativen Bodenhandel und einen wachsenden Aufwertungsdruck zu vermeiden. Damit steht fest: Im Falle eines Verkaufes – egal an wen – darf der Verkaufspreis nicht den Verkehrswert übersteigen. „Der dürfte sich aus dem Preis für das Grundstück und den Abrisskosten zusammensetzen. Der Eigentümer meint aber, ein blühendes Lokal verkaufen zu können“, meint Peylo.

Auch ihm sei die verfahrene Situation bewusst. „Wir können eigentlich nicht viel tun“, räumt er ein. Allerdings will die SPD zumindest verhindern, dass nach dem Abriss der Ruine ein Ersatzbau entsteht, der so gar nicht in das Stadtbild passt. „Das kann nur durch eine Gestaltungssatzung für die Innenstadt verhindert werden“, regt er an. Einen entsprechenden Antrag will die SPD-Fraktion noch vor der Sommerpause einbringen.