Abgeordneter

Norbert Brackmann (CDU) kündigt Rückzug aus Bundespolitik an

Norbert Brackmann (CDU) sitzt seit 2009 im Bundestag.

Norbert Brackmann (CDU) sitzt seit 2009 im Bundestag.

Foto: Benjamin Zibner / SPC

Zur nächsten Bundestagswahl will der Lauenburger Abgeordnete nicht mehr antreten. Ein neuer Kandidat hat bereits Interesse geäußert.

Lauenburg.  Paukenschlag bei den Christdemokraten in Stormarn-Süd und dem Kreis Herzogtum Lauenburg: Der derzeitige Bundestagsabgeordnete der CDU, Norbert Brackmann, hat angekündigt, nicht noch einmal zu kandidieren. Nach zwölf Jahren im Berliner Reichstag soll Schluss sein, so der 65-Jährige.

„Er hat mich am Donnerstagabend darüber informiert. Die Entscheidung kam überraschend, fordert aber großen Respekt ab“, sagt der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes, Rasmus Vöge. Brackmanns Entscheidung war offenbar längere Zeit gereift: „Ich habe meinen Rückzug aus der Bundespolitik in den vergangenen Wochen intensiv mit meiner Ehefrau Gritta und meinen beiden erwachsenen Söhnen besprochen“, sagt er.

Andreas Thiede: „Norbert Brackmann ist und bleibt Lauenburger“

Auch in seiner Heimatstadt Lauenburg sorgt Brackmanns Entscheidung für eine Überraschung: „Damit habe ich nicht gerechnet. Als Bundestagsabgeordneter hat sich Norbert Brackmann um vieles in unserer Stadt verdient gemacht“, sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Seiner Meinung nach wären weder die Fördermittel für den Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, noch die Mittel für die Sanierung des Schlosses oder den Neubau der Sporthalle ohne den Einsatz Brackmanns nach Lauenburg geflossen. „Ob Bundestagsabgeordneter oder nicht – Norbert Brackmann ist und bleibt Lauenburger und wird sich immer für die Stadt einsetzen“, ist Thiede überzeugt.

Seit 2009 vertritt Brackmann als direkt gewählter Abgeordneter seinen Wahlkreis. „Die Tatsache, diesen dreimal in Folge gewonnen zu haben, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit“, sagt er. „Ich empfinde das Mandat als Privileg, etwas für die Menschen in meinem Wahlkreis auf Bundesebene bewegen zu dürfen.“ Brackmann war acht Jahre im Haushaltsausschuss des Bundestags tätig, zuletzt seit 2015 als Obmann und Berichterstatter für das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur sowie als stellvertretender haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.

Kanzlerin Merkel berief in persönlich zum maritimen Koordinator

Im April 2018 berief ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich zum Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Zu seinen Erfolgen zählt er unter anderem die Modernisierung der Ruderakademie Ratzeburg mit 4,3 Millionen Euro vom Bund sowie die Gründung eines neuen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) für maritime Energiesysteme in Geesthacht. Dieses Projekt fördert der Bund mit 15 Millionen Euro jährlich.

„Wenn ich an den Beginn meiner Abgeordnetentätigkeit zurückdenke, dann war dieser von den Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise geprägt“, sagt Brackmann. Dies sei eine herausfordernde Zeit gewesen, die aber auch viele politische Möglichkeiten eröffnete. „Und genau diese Ansätze lassen sich auf die aktuellen Geschehnisse übertragen.“ Die Folgen der Corona-Pandemie seien so vielschichtig auf nationaler und internationaler Ebene, dass sich auch politische Handlungsfelder ganz neu ordnen werden.

Der Lauenburger Kreisvorsitzende Rasmus Vöge kündigt Kandidatur an

Bis zum Ende der Legislaturperiode wolle er mit ganzer Kraft weiterarbeiten: „Von Abschiedsstimmung bin ich noch weit entfernt.“ Gerade erst habe er den Zusammenschluss der Lürssen Werft und der Kieler Werft German Naval Yards für den Marineschiffbau erfolgreich moderiert. Der studierte Jurist Norbert Brackmann arbeitete seit 1982 beim NDR. Dort leitete er seit 2000 den Bereich Neue Medien. Mit der Wahl in den Bundestag wurde er beurlaubt.

Über Brackmanns Nachfolge entscheidet eine Wahlkreismitgliederversammlung der CDU im August. Einer wirft aber schon jetzt den Hut in den Ring: „Ich habe eine Nacht darüber geschlafen. Jetzt habe ich mich entschieden, bei der nächsten Bundestagswahl anzutreten“, sagt Rasmus Vöge. Der 40-Jährige hatte sich im September vergangenen Jahres beim Kreisparteitag mit knapper Mehrheit gegen Thomas Peters als neuer Vorsitzender der Kreis-CDU durchgesetzt.

Der genaue Termin für die Bundestagswahl 2021 steht noch nicht fest. Der mögliche Zeitraum liegt zwischen Ende August und Ende Oktober.