Coronakrise

Gottesdienste ja – Aber Lauenburger Kirchentor bleibt zu

Auch wenn es erlaubt ist: Lauenburg öffnet die Kirche nicht für den Gottesdienst. Pastor Philipp Graffam predigt vor der Kamera.

Auch wenn es erlaubt ist: Lauenburg öffnet die Kirche nicht für den Gottesdienst. Pastor Philipp Graffam predigt vor der Kamera.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Gotteshäuser dürfen unter Auflagen ihre Tore wieder öffnen. Die Lauenburger Kirchengemeinde hat sich dagegen entschieden.

Lauenburg. Auch wer mit Religion Glauben normalerweise nicht viel anfangen kann, kam in den vergangenen Wochen an an den Aktionen der Lauenburger Kirchengemeinde nicht vorbei. Ob Lieferdienst für die Lauenburger Tafel, Einkaufsdienst für Kranke und Menschen in Quarantäne, Hoffnungsbriefe für Senioren, ein Stand auf dem Lauenburger Wochenmarkt oder Wortmeldungen in den sozialen Netzwerken – nie sind Lauenburger Pastoren so präsent gewesen wie jetzt. Trotz der coronabedingten Zwangspause für klassische Gottesdienste.

Kirchen und andere Gebetshäuser dürfen inzwischen ihre Tore für die Gläubigen wieder öffnen – allerdings unter strengen Auflagen. Abstandsregelungen, Teilnehmerlisten, Gesangsverbot und gründliche Desinfektion soll die Ansteckungsgefahr beim gemeinsamen Beten reduzieren. Über die Frage, ob unter diesen Bedingungen Gottesdienste veranstaltet werden sollen, hat der Kirchengemeinderat in der vergangenen Woche abgestimmt – und sich dagegen entschieden.

Pastoren wollen Risikogruppen nicht ausgrenzen

Die Lauenburger Pastorin Sara Burghoff äußert sich auf ihrer Facebookseite zu den Gründen des vorläufigen Verzichts und zu dem Wirrwarr der Auflagen, die von Landeskirche zu Landeskirche variieren. „Wir haben uns vorerst dagegen entschieden. Nicht, weil wir Gottesdienste nicht mögen, sondern weil wir keine halben Sachen wollen“, postet sie.

Statt des klassischen Gottesdienstes am Sonntagmorgen möchte sie mit ihren beiden Pastorenkollegen Ulrich Billet und Philip Graffam weiter an den neuen Formaten feilen. Dies soll verhindern, dass sogenannte Risikogruppen von vornherein beim Gottesdienst ausgegrenzt werden. „Wir betrachten uns als eine Gemeinde von Vielen, Schwache und Kranke eingeschlossen“, schreibt die Pastorin.

Gottesdienst kommt per Youtube ins Haus

Die virtuellen Andachten und Gottesdienste können auf dem Youtube-Kanal „Kirche Lauenburg“ jederzeit abgerufen werden. Wer keinen Zugriff auf das Internet hat, kann sich die Predigten auch per Post ins Haus schicken lassen. Dafür genügt ein Anruf unter der Telefonnummer 04153/33 55.

„Wir glauben, dass diese Krise für unsere Kirche eine Chance ist und freuen uns, wenn wir bald wieder alle Menschen guten Gewissens in unsere Gotteshäuser einladen können. Bis dahin nutzen und entwickeln wir weiter neue Ideen und wünschen uns, davon auch manches nach Corona noch weiterführen zu können“, heißt es in der am Wochenende veröffentlichten Erklärung der Lauenburger Pastoren.

Kirchen haben bereits Ende April Konzept vorgelegt

Bereits Ende April hatten die Kirchen in Deutschland ein Konzept für „sichere Gottesdienste in Zeiten der Corona-Krise“ vorgelegt. Je nach Kirchengröße soll danach eine Höchstzahl von Teilnehmern festgelegt werden, um genügend Abstand zwischen den Besuchern zu gewährleisten. Dafür soll es markierte Plätze geben. Familien, die zusammenleben, dürfen aber auch zusammen in der Kirche sitzen.

Das Betreten und Verlassen der Kirche soll „geordnet organisiert werden“, nach Möglichkeit mit der Hilfe von Ordnern. Nach Möglichkeit sollen Ein- und Ausgang getrennt und Laufwege als Einbahnwege markiert sein. Zudem wird empfohlen, Mund-Nasen-Schutz während des Gottesdienstes zu tragen und liturgische Berührungen etwa zum Friedensgruß zu vermeiden. Kollekten sollen nur am Kirchenausgang stattfinden. Die Gläubigen sollen zudem eigene Gesangbücher mitbringen und auf lauten Gesang verzichten.

Eine Altersgrenze wird von den Kirchen nicht genannt. Im Vorfeld hieß es, man wolle keinen Ausschluss bestimmter Personengruppen von der Teilnahme an Gottesdiensten – etwa von Älteren über 60 Jahre. Zugleich empfehlen die Kirchen, die gegenwärtig genutzten Wege der medialen Teilnahme an Gottesdiensten, etwa durch Live-Streaming-Angebote, nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten. Damit soll insbesondere alten, kranken und behinderten Menschen die Teilnahme besser möglich gemacht werden. Auch der Zentralrat der Juden und andere Religionsgemeinschaften haben im Vorfeld der jetzigen Lockerungen Hygiene- und Gesundheitskonzepte vorgelegt.