Lauenburg

Mit Musik und Gesang gegen Angst und Einsamkeit

Resi Sakar und Kristina Bastian (r.) beschallen die Elbstraße mit italienischer Musik.

Resi Sakar und Kristina Bastian (r.) beschallen die Elbstraße mit italienischer Musik.

Foto: Tomaszewski

Um dem Virus die Stirn zu bieten, startet in Lauenburg eine neue Aktion. Vom Balkon aus wird täglich gegen den „Virus-Blues“ musiziert.

Lauenburg. „Wir öffnen unsere Fenster und lassen Musik und Gesang in die Straße“ stand in der Rundmail, die Ulrike Mechau-Krasemann an Anwohner und Freunde der Altstadt gesendet hatte. Die Idee ist nicht neu und stammt eigentlich aus Italien. Jeder zu Hause, aber alle zusammen – so lautet dort das Motto in Italien, um dem Coronavirus die Stirn zu bieten. Vom Balkon aus wird täglich gegen den „Virus-Blues“ musiziert.

Nun ist Lauenburg nicht Neapel, es gibt nicht mal Balkone, auf denen man singen und musizieren kann. Trotzdem öffneten sich am späten Nachmittag ein paar Türen und Fenster, um mit Musik der gebotenen sozialen Isolation Paroli zu bieten. „Dat Du mien Leewsten büst“ klang es zweistimmig aus dem Eingang des Hauses Mechau-Krasemann und in luftiger Höhe im zweiten Stock saß Stefan Tomaszewski, Sänger und Gitarrist der „Musiküsse“ auf dem Fensterbrett. „Nun gilt es, Seit’ an Seit’ fest zu stehen. Reich Deinem Freund und Nachbarn Deine Hand. So wird auch dieser Sturm vorübergehen. Gott schütze uns und unser Heimatland“, heißt es in einem Lied über einen historisch verbürgten Wirbelsturm, der im Jahre 1857 Tomaszewskis Heimatdorf Barförde auf der anderen Elbseite verwüstete.

Reaktion in der Altstadt zunächst verhalten

Einige Passanten blieben stehen und lauschten, andere hasteten vorbei. Etwas später klangen italienische Töne aus den geöffneten Fenstern nur wenige Häuser weiter: Die Künstlerin Kristina Bastian beschallte ihre Nachbarschaft mit stimmungsvoller Musik. Ein paar Leute sind stehen geblieben und haben getanzt, einige Nachbarn haben ihre Fenster geschlossen, als Adriano Celentanos Hit „Azzuro“ durch die Elbstraße schallte.

Auch wenn in der Altstadt die Reaktion zunächst noch verhaltener als in den Straßen Italiens ist, der Anfang ist gemacht. „Vielen Dank für die Musik, sie ist gut gegen die trübe Stimmung“, bedankte sich eine Passantin freundlich. „Es wäre schön, wenn die Aktion jetzt Tradition wird. Wir können alle ein bisschen Bestärkung gebrauchen“, meint Stefan Tomaszewski.

Video erster Session bereits 2000 Mal angeklickt

In den sozialen Netzwerken wurde die Aktion der Altstadtbewohner begeistert angenommen. Mittlerweile wurde das Video der ersten Aktion in einer Lauenburger Facebook-Gruppe fast 2000 Mal angeklickt. „Mega Aktion, weiter so“, schrieb eine Lauenburgerin. „Topp! So macht man das Beste aus der Situation“, meinte ein anderer.