Lauenburg

Ungewohnte Klangwelten entdecken

Neue Musik klingt ungewohnt in den Ohren, weiß Professor Dr. Dieter Mack. Aber sich darauf einzulassen, lohne sich.

Neue Musik klingt ungewohnt in den Ohren, weiß Professor Dr. Dieter Mack. Aber sich darauf einzulassen, lohne sich.

Foto: Tomaszewski

Im Künstlerhaus Lauenburg bricht Professor Dr. Dieter Mack eine Lanze für zeitgenössische Musik. Man müsse allerdings neugierig sein.

Lauenburg.  „Musik wird oft nicht schön gefunden,weil sie stets mit Geräusch verbunden“, wusste schon Wilhelm Busch. Dies gilt für viele Menschen heute noch, insbesondere bei der sogenannten zeitgenössischen Musik. Schräg, schrill, unverständlich, das sind gängige Vorurteile gegen Neue Musik. Sie führt immer noch ein Schattendasein, auf den Konzertbühnen und in den Schulen beim Musikunterricht.

„Auch mein Musikunterricht fing bei Bach an“, erzählte Professor Dieter Mack. Der Komponist und Dozent der Musikhochschule Lübeck brachte die Besucher im Künstlerhaus mit Tonbeispielen und gezielten Fragen unterhaltsam ins Grübeln: „Ist das moderne Musik oder klassisch?“, fragte er ab und zu.

Während der Veranstaltung „Galerie am Abend“ war war er angetreten, um eine Lanze für die moderne Musik zu brechen, mit der sich viele Menschen schwer tun. Seiner Meinung nach hat das einen Grund: Unsere moderne Alltagsmusik basiere auf der Musik des 19. Jahrhunderts; wir seien durch die ständige Berieselung darauf konditioniert.

„Uns fehlen etwa 80 Jahre Musikentwicklung“, ist er überzeugt. Er erzählte, wie er mit einem befreundeten Gastronomen ein Experiment gestartet hat: In dessen Restaurant ließ er zunächst einen Pop-Song in einer Endlosschleife laufen. Erst nach zweieinhalb Stunden fragte ein Gast nach, warum man denn immer dasselbe spiele. Am folgenden Tag wiederholte er das Experiment: Diesmal spielte er ein Stück des neuzeitlichen Komponisten Eric Satie immer wieder. Das fiel den Gästen nach wenigen Augenblicken unangenehm auf.

„In der Musikgeschichte gab es schon immer Stücke, die aus der Rolle fielen“, weiß Dieter Mack. So klinge eine fulminante Komposition mit laut peitschenden Tönen nach zeitgenössischer Musik, ist aber tatsächlich ein Barockstück aus dem 17. Jahrhundert. Und selbst Beethoven habe in seiner sechsten Sinfonie Piccoloflöten eingesetzt, die laut und fast schmerzhaft klängen.

„Auch ich musste bestimmte Musikcodes zeitgenössischer Musik erst erlernen“, räumte der Musikwissenschaftler ein. Aber es lohne sich. Wer sich diese neue Erlebniswelt erschließen möchte, müsse allerdings neugierig sein, und vor allem bereit, sich überraschen zu lassen.