Forschungsprojekt TaBuLa

„Legosteine“ zeigen Bus ohne Fahrer den Weg

Projektkoordinator Tyll Diebold lehnt an einem der „Legosteine“ am Großen Sandberg. An denen soll sich der Bus bei der Fahrt in die Altstadt orientieren.

Projektkoordinator Tyll Diebold lehnt an einem der „Legosteine“ am Großen Sandberg. An denen soll sich der Bus bei der Fahrt in die Altstadt orientieren.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Der Bus ohne Fahrer bewährt sich derzeit nur in der Oberstadt. Jetzt wird er auf die Strecke in die Lauenburger Altstadt vorbereitet.

Lauenburg.  Es sieht aus, als ob jemand überdimensionale Legosteine an den Straßenrand gelegt hat. Erst waren es sechs, gestern kamen sechs weitere dazu. Was man den grauen Klötzen nicht ansieht: Der blauweiße Kleinbus ohne Fahrer soll durch sie den Weg über den Großen Sandberg in die Altstadt finden. Im Fachjargon werden die Objekte Landmarker genannt, denn die Fahrbahn liegt hier unter hohen Bäumen, deren Blätterdach den automatisierten Bus stellenweise von seiner Verbindung zum satellitengestützten Navigationssystem GPS trennt. „Dem Bus wird einprogrammiert, wo die Steine liegen. Später wird sich das Fahrzeug daran Richtung Altstadt sozusagen entlanghangeln können“, erklärt Projektkoordinator Tyll Diebold von der Technischen Universität Hamburg. Um die Orientierung nicht zu verlieren scannt der Bus die Fahrbahn permanent ab. Als Orientierung dienen ihm unbewegliche Objekte links und rechts der Strecke.

Fahrt in die Altstadt ist die Königsdisziplin des Busses

Auch wenn der Bus in der Oberstadt bereits zwei Teilstrecken mit Fahrgästen bedient, wird die Fahrt zwischen Unter- und Oberstadt die Königsdisziplin. Schließlich wurde Lauenburg deshalb als Versuchsfeld für die Entwicklung des autonomen Fahrens ausgewählt, weil die Strecke zwischen Ober- und Unterstadt eine große Herausforderung ist: enge Gassen in der Altstadt, Kopfsteinpflaster und dazu der steile Elbhang. Das Projekt heißt Testzentrum für automatisiert fahrende Busse in Kreis Herzogtum Lauenburg (TaBuLa). Viele Lauenburger setzen darauf, dass sie irgendwann die beschwerliche Wegstrecke zwischen Altstadt und Stadtzentrum in dem bequemen Shuttle zurücklegen können. Dies ergab eine Umfrage, die die Projektbetreuer im Vorfeld des Testbetriebes angestellt hatten. Ehe es jedoch soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen. In Kürze werden Mitarbeiter des französische Herstellers NAVYA wieder vor Ort sein. Dann gibt es erneute Einmessfahrten – der Bus muss wieder „lernen“. „Die neue Strecke wird in das System einprogrammiert. Dabei werden Bäume und Sträucher wegretuschiert, weil die beweglich sind und damit den Betrieb stören würden“, erklärt Tyll Diebold.

Shuttle fährt derzeit nur freitags und sonnabends

Ab wann auf dieser Strecke Fahrgäste mit an Bord dürfen, sei derzeit noch nicht klar. „Wir stimmen uns mit dem Hersteller, dem Kreis und den VHH dazu ab“, sagt der Projektkoordinator. Derzeit ist der Kleinbus nur am Freitag und Sonnabend in Lauenburg unterwegs. Der Grund dafür sind allerdings keine technischen Probleme, sondern die durch hohen Krankenstand verursachte Personalsituation bei den VHH. So ganz ohne Begleitperson kommt der automatisiert fahrende Bus nämlich nicht aus. „Die Sicherung des Linienverkehrs hat für uns höchste Priorität“, sagte VHH-Geschäftsführer Toralf Müller zum Jahresende.

Die Mitfahrt ist nach wie vor kostenfrei. Die aktuellen Fahrzeiten des Shuttles sind auf der Seite www.tabulashuttle.de einsehbar.