Herzenswünsche

Lauenburger Wunschbaum steht diesmal im Schloss

Renate Peters, Helga Peylo und Heike Bergmann hängen mit Bürgermeister Andreas Thiede (von links) die Papierherzen an den Wunschbaum

Renate Peters, Helga Peylo und Heike Bergmann hängen mit Bürgermeister Andreas Thiede (von links) die Papierherzen an den Wunschbaum

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

In Lauenburg beziehen 125 Senioren Grundsicherung. Die Dunkelziffer Bedürftiger ist viel höher. Ihnen ist die Aktion „Herzenswünsche“ gewidmet.

Lauenburg.  Ein Zeitungsbericht sorgte im vergangenen Jahr in einer Lauenburger Facebookgruppe für Entsetzen: Es ging darin um Altersarmut und um Beispiele, die man sich im reichen Deutschland eigentlich gar nicht vorstellen kann. Da müsse man doch etwas tun, wenigstens ein Zeichen setzen, war man sich schnell einig: Geboren war die Aktion Herzenswünsche.

Die Fäden der Organisation liefen bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) zusammen. Die Aktion war ein voller Erfolg: 60 ältere Lauenburger, die im Alltag den Euro dreimal umdrehen müssen, durften sich über ein Geschenk freuen und verlebten einen weihnachtlichen Nachmittag in Gesellschaft.

„Das müssen wir wiederholen“, waren sich die ASF-Akteurinnen Heike Bergmann, Helga Peylo und Renate Peters einig. In diesem Jahr steht der Wunschbaum allerdings nicht im Sozialkaufhaus, sondern im Schlossgebäude. Für die Organisatorinnen hat das einen entscheidenden Vorteil: „Hier gehen viele Menschen ein und aus, die ein Anliegen bei der Stadt vorbringen möchten. Es wäre schön, wenn sie sich ein Herz aussuchen und den Wunsch erfüllen würden“, sagt Heike Bergmann.

Herzenswünsche erfüllen

Das Prinzip ist dasselbe wie im vergangenen Jahr: Seniorinnen und Senioren, die im Alltag über wenig Geld verfügen, können sich ein Herz vom Baum „pflücken“. Im Wert von 20 Euro haben sie einen Wunsch frei, den sie auf das nummerierte Papierherz schreiben und wieder an den Baum hängen. Ein kleines Herz mit der gleichen Nummer dient später dazu, das richtige Geschenk abzuholen.

„Damit die Wünsche in Erfüllung gehen, setzen wir auf unsere Lauenburger, die sich ein Herz abholen und das Gewünschte in ein Päckchen packen“, sagt Helga Peylo. Die Frauen wissen, was bei solchen Aktionen oft auf den Zetteln steht: Lebensmittel, Gebäck, Kosmetikartikel oder Tierfutter. Dies sei alles legitim, nur von Zigaretten und Alkohol mögen die Spender bitte Abstand nehmen.

Die Aktion Herzenswünsche läuft noch bis Mittwoch, 18. Dezember, bis dahin können die nummerierten Päckchen im Bürgerbüro (Amtsplatz 6) abgegeben werden. Die Bescherung erfolgt am Donnerstag, 19. Dezember, ab 15 Uhr im Haus der Begegnung, Fürstengarten 29.

„Das ist eine tolle Aktion, vor allem, weil die Senioren anonym bleiben können. Das ist für ältere Bedürftige das größte Problem“, sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Er hätte deshalb auch nicht lange überlegen müssen, den Wunschbaum in diesem Jahr im Schloss aufzustellen.

Immer mehr arme Rentner

Wer in Deutschland arm ist, hat weniger als 917 Euro im Monat. Laut Statistischem Bundesamt waren im vergangenen Jahr 15,6 Prozent der über 65-Jährigen arm. 2006 waren 10,3 Prozent der Rentner von Armut betroffen. Das ist eine Steigerung von 51 Prozent innerhalb von 12 Jahren.

In Lauenburg erhielten im vergangenen Jahr 125 Senioren Grundsicherung, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Nach einer gestern veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) scheuen sich 62 Prozent aller Bundesbürger mit Anspruch auf Grundsicherung im Alter, diese Hilfe zu beantragen. Als Grund gaben die Befragten an, sich für ihre Armut zu schämen.