Autonomer Bus

Bus ohne Fahrer „zickt“ – Gäste dürfen nicht an Bord

Autonomer Bus fährt augenblicklich ohne Gäste.

Autonomer Bus fährt augenblicklich ohne Gäste.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Seit einigen Wochen rollt der autonome Bus durch Lauenburg. Jetzt allerdings ohne Fahrgäste, da er bei einer Pannenfahrt ohne Grund stehen blieb.

Lauenburg.  Eigentlich sollte der blau-weiße Kleinbus ohne Fahrer von heute an in Lauenburg wieder seine Runden drehen. In den ersten beiden Wochen des Testbetriebes hatten Alparslan Barcin, Ferenc Farcas und Arndt Basel immer wieder geduldig die Fragen der neugierigen Fahrgäste beantworten. Die drei Mitarbeiter der VHH begleiteten bisher über 800 Fahrgäste in dem automatisiert fahrenden Bus. Wenn der einmal „zickte“, konnten sie bisher per Joystick eingreifen und ihn wieder in die Spur bringen. In der planmäßigen Wartungspause haben die Projektbetreuer ein Software-Update aufgespielt und weitere Einmessfahren vorgenommen. Auf einer dieser Touren ist es dann passiert: Der Bus fuhr einfach nicht mehr weiter – und tut es bis heute nicht.

TÜV gibt grünes Licht

„Die erneute TÜV-Abnahme nach dem Update wurde ohne Mängel bestanden. Trotzdem wollte der Bus plötzlich nach einem planmäßigen Halt an einer Ampel nicht mehr weiterfahren“, sagt Projektkoordinator Matthias Grothe von der Technischen Hochschule Hamburg.

Doch solche Probleme haben die Wissenschaftler einkalkuliert. Schließlich ist das Ganze ein Forschungsprojekt, das noch in den Kinderschuhen steckt. Das Projekt der Technischen Universität Hamburg heißt „Testzentrum für automatisiert fahrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“ (TaBuLa). Nun wird intensiv nach der Ursache für den Ausfall des Busses gesucht, Mitarbeiter des französische Herstellers NAVYA sind vor Ort.

Bus hat eine Menge gelernt

Wenn der Bus wieder Fahrgäste an Bord nimmt, hat er eine Menge „gelernt“: So funktioniert jetzt die Kommunikation mit den Ampelanlagen über Funk und auch die Wegfindung bei schlechtem Satelliten-Empfang wurde erheblich verbessert. Ein Signalverlust führte bisher stets zu einem Notbremsmanöver des Shuttles, nun kann das Shuttle zwischen verschiedenen Sensoren umschalten und sich weiter orientieren. An den Ampeln, an denen die Busse vorbeifahren, sind sogenannte Road Side Units (RSU) installiert. Mit deren Hilfe wird eine drahtlose Kommunikation mit dem Bus hergestellt. So „weiß“ dieser, wann er anhalten muss. Auch die verbleibende Zeit der Grün- und Rotphase wird dabei übertragen. Diese RSU-Module sind in der Lage, auch weitergehende Informationen zu liefern, etwa über Lichtverhältnisse, Gefahrensituationen, Sperrungen oder Stauwarnungen.

Kopfsteinpflaster für Probebetrieb

Wie berichtet, eignet sich Lauenburg mit seinen engen Gassen in der Altstadt, Kopfsteinpflaster und dem steilen Elbhang ideal, um Potenziale und Hindernisse eines autonomen Fahrzeugs zu erproben. Das Projekt wird von der Technischen Universität Hamburg und dem Kreis Herzogtum Lauenburg unter Mitwirkung der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und der Stadt Lauenburg getragen und durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit 1,9 Millionen Euro gefördert.

„Wir bedauern es natürlich sehr, dass wir nach der Pause nicht gleich wieder mit dem Fahrgastbetrieb weitermachen können. Das Interesse in Lauenburg ist erfreulich groß, und wir hoffen natürlich, dass der Hersteller schnell mit der Reparatur fertig ist“, sagt Projektkoordinator Grothe. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich jederzeit über den Arbeitsstand auf der Seite www.tabulashuttle.de informieren.