AG Inklusives Lauenburg

„Barrierefreiheit beginnt im Kopf“

Kathrin Ehbrecht, Susanne Salamon, Behindertenbeauftragter Siegfried Betge, Helga Peylo (hinten von links) und Nikolaus Noack (vorn) haben die Arbeitsgruppe Inklusives Lauenburg gegründet.

Kathrin Ehbrecht, Susanne Salamon, Behindertenbeauftragter Siegfried Betge, Helga Peylo (hinten von links) und Nikolaus Noack (vorn) haben die Arbeitsgruppe Inklusives Lauenburg gegründet.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ/Karin Lohmeier

Lauenburg. Die neue Arbeitsgruppe "Inklusives Lauenburg" will ein Bewusstsein für Barrierefreiheit schaffen.

Lauenburg.  Gleich an der Tür zeigt sich, dass Lauenburg noch lange nicht barrierefrei ist: Als sich die neue Arbeitsgruppe Inklusives Lauenburg im ehemaligen Haus der Begegnung trifft, muss Behindertenbeauftragter Siegfried Betge die zweiflügelige Tür für Nikolaus Noack öffnen – sonst kommt der Rollifahrer nicht ins Haus. „Da bin ich wieder mal auf Hilfe angewiesen“, sagt Noack. Dabei möchte er wie seine Mitstreiter ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen.

Siegfried Betge nutzt die Gelegenheit und lässt Noack ausprobieren, ob er an die Klingel herankommt. „Die wurde in 65 Zentimeter Höhe angebracht, laut Vorschrift müssten es aber eigentlich 85 Zentimeter sein“, so Betge. Doch er will da nicht allzu genau sein, immerhin hat die Stadtverwaltung sich bemüht – und Nikolaus Noack erreicht die Klingel.

„Wir sind nicht behindert, wir werden behindert“ , sagt der Lauenburger, der an Multipler Sklerose erkrankt ist. Barrierefreiheit müsse im Kopf anfangen, so Noack. Denn in der Gesellschaft fehle einfach immer noch das Bewusstsein dafür. Dies zu schaffen, ist ein Ziel der neuen AG Inklusives Lauenburg.

Seit 2017 hatLauenburg einen Behindertenbeauftragten

Auch Susanne Salamon ist dabei, die früher wie Noack in der Interessengemeinschaft Behinderte Menschen in Lauenburg aktiv war. Dessen Arbeit beschränkte sich weitgehend auf Beratungen von Betroffenen. 2016 löste sich der Verein auf, nachdem kein neuer Vorstand gefunden werden konnte. 2017 wurde endlich eine jahrelange Forderung der Vereinsmitglieder erfüllt: Lauenburg bekam einen Behindertenbeauftragten. Siegfried Betge hat seitdem viele Stolperfallen in der Stadt zum Thema gemacht. Er arbeitet – beispielsweise bei der behindertengerechten Umgestaltung der Bushaltestellen – eng mit der Verwaltung zusammen.

„Es ist gut, jetzt Mitstreiter zu haben, da können wir noch mehr erreichen“, sagt Betge. Was Barrierefreiheit eigentlich ist, werde häufig nicht richtig verstanden, weiß er. „Manchmal gibt es zwar einen Aufzug, aber ein Rollstuhlfahrer hat davor keinen Platz, um ihn zu ordern. Oder es wird davon ausgegangen, dass Behinderte im Rollstuhl sitzen.“ Dabei können Betroffene auch seh- oder hörgeschädigt sein. „Darum ist es wichtig, dass es auch optische und akustische Hilfen gibt“, sagt Kathrin Ehbrecht. Die Bezirksgruppenleiterin des Blinden- und Sehbehindertenverbandes findet es gut, dass sie nun Anregungen und Kritik gleich Siegfried Betge weitergeben kann.

Raus aus der Isolation, zeigen, dass man etwas erreichen kann

Anders als die IG Behinderte arbeitet die neue AG nicht als Verein. So spart man sich Formalitäten wie fristgerechte Einladungen, Wahlen, Protokolle. Raus aus der Isolation, zeigen, dass man etwas erreichen und das Leben trotz der Behinderung genießen kann. Darum geht es den Mitgliedern. „Behinderte leben oft isoliert. Viele haben resigniert und wollen sich nicht engagieren, weil der Alltag sehr anstrengend ist“, sagt Susanne Salamon.

Fast alle haben schon erlebt, dass sie selbst oder andere Behinderte beschimpft wurden. Oder nicht für voll genommen werden. „Man wird auch oft einfach weggedrängelt“, erzählt Helga Peylo. Sie ist trotzdem überzeugt, dass viel davon abhängt, wie man selbst mit der Behinderung umgeht: „Man braucht ein gutes Selbstbewusstsein.“

Wer in der AG Inklusives Lauenburg mitmachen möchte, kann sich unter Telefon (0 41 53) 5 90 91 04 bei Siegfried Betge melden.