Jubiläumsreise

„Kaiser Wilhelm“ kehrt in seine alte Heimat zurück

Der historische Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist ein schwimmendes Wahrzeichen von Lauenburg.

Der historische Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist ein schwimmendes Wahrzeichen von Lauenburg.

Foto: Timo Jann

Lauenburg. 2020 ist der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ 50 Jahre in Lauenburg. und kehrt noch einmal dorthin zurück, woher er kam – an die Weser.

„Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben“, zitiert vor ein paar Tagen Tagen das Westfalen-Blatt aus einem altem Lied. Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint und bezieht sich schon gar nicht auf den längst verstorbenen Monarchen. Gemeint ist Lauenburgs schwimmendes Wahrzeichen, der historische Raddampfer „Kaiser Wilhelm“. Der Wunsch der Kollegen aus Westfalen wird im nächsten Jahr wahr – wenn auch nur für kurze Zeit. Schließlich gibt es dann ein rundes Jubiläum: Die Museumsdampferlinie für Lauenburg und Hamburg feiert ihr 50. Jahr der historischen Elbfahrten.

Der im Jahre 1900 gebaute „Kaiser Wilhelm“ fuhr bis 1970 auf der Weser und sollte eigentlich verschrottet werden. Bis dahin war das Dampfschiff zwischen Beverungen, Höxter und Holzminden eingesetzt. Gerettet wurde der „Kaiser“ vom Lauenburger Förderverein des Elbschifffahrtsmuseums, der das Schiff schließlich nach Lauenburg holte und „aufmöbelte“.

Doch zunächst lag der Raddampfer immer wieder auf dem Trockenen, so auch 1978. Die Ausstattung des Schiffsveteranen und die Vorschriften passten nicht mehr zusammen. So fehlten an Bord nicht nur die 1978 neuerdings vorgeschriebenen Rettungswesten. Auch der technische Zustand des Dampfers trieb dem damaligen Geschäftsführer des Fördervereins, Gerhard Groth, Sorgenfalten auf die Stirn.

Enger Kontakt zu Schifffahrtsfreunden

Weil die Finanzierung der notwendigen Arbeiten nicht geklärt war, drohte die Saison auszufallen. Statt bald die ersten Gäste an Bord zu nehmen, lag der „Kaiser“ auf der Slipanlage der ehemaligen Werft Schiffer und Goern fest. Doch dann kam aus Kiel die erlösende Nachricht: Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg hatte persönlich entschieden, 8000 Mark für die notwendigen Arbeiten und Anschaffungen locker zu machen. Es sollte nicht die letzte „Kohle“ aus von Bund und Land sein, die seitdem den „Kaiser“ am Leben erhält. Inzwischen haben mehrere großzügige Förderungen des Bundes dafür gesorgt, dass der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ noch heute als schwimmendes Denkmal unterwegs ist.

Den Plan, mit dem Raddampfer für ein paar Wochen wieder auf der Weser durchs Wasser zu pflügen, gibt es schon eine ganze Weile. „Wir haben engen Kontakt zu zahlreichen Freunden der historischen Schifffahrt an der Weser. Manche besuchen uns schon seit Jahren auf unseren Fahrten“, sagt der Geschäftsführer des Fördervereins, Holger Böttcher. Was immer wieder von der Weser zu hören sei: „Wie konnten wir so ein schönes Schiff nur weggeben?“

Einzelne Abschnitte der Reise stehen fest

Schon jetzt gebe es Kartenwünsche aus Westfalen für die einzelnen Rundfahrten. „Dabei hat der offizielle Ticketverkauf noch gar nicht begonnen“, freut sich Böttcher. Die einzelnen Abschnitte der Jubiläumsfahrt stehen aber schon fest: Der „Kaiser Wilhelm“ startet am 17. Juli 2020 von Lauenburg nach Bad Bodenteich, von dort am 18. Juli über Kanäle nach Hannover/Vahrenwald und dann am 19. Juli nach Minden.

Danach verlässt er den Mittellandkanal und setzt die Fahrt auf der Weser nach Hameln am 20. Juli fort. Dienstag, 21. Juli, startet das Schiff dort um 9 Uhr und wird um 19 Uhr in Höxter am Anleger erwartet. Am 22. Juli schließlich geht die Fahrt flussaufwärts, vorbei an Beverungen und Bad Karlshafen nach Hannoversch Münden. Mehrfach schippert der „Kaiser Wilhelm“ dann bis zum 29. Juli immer von Höxter nach Karlshafen oder Hannoversch Münden.

Das Westfalen-Blatt schreibt: „Für Schiffsliebhaber ist es eine kleine Sensation, für Weser-Fotografen der Höhepunkt des Jahres: Der historische Raddampfer kommt dorthin zurück, wo er Jahrzehnte – bis er in Richtung Elbe abgedampft ist – Tausende Passagiere befördert hat.“