Infrastruktur

Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals bleibt umstritten

Haben unterschiedliche Ansichten zur Bedeutung des Kanalausbaus: der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (li.) und der Lauenburger Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann (beide CDU)

Haben unterschiedliche Ansichten zur Bedeutung des Kanalausbaus: der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (li.) und der Lauenburger Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann (beide CDU)

Foto: BGZ

Lauenburg. Bei einem IHK-Treffen bezeichnet Staatssekretär Ferlemann das Projekt als unwichtig. CDU-Parteifreund Norbert Brackmann kontert.

Lauenburg/Lüneburg. Kann die Oberelbe der Schifffahrt in Zukunft noch genügend Chancen bieten? Diese Frage beschäftigt unter anderem das Bundesverkehrsministerium. „Wir sollten die Elbe nicht aufgeben, denn sie ist eine wunderbare Wasserstraße“, sagte Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, am Freitag bei der Infrastrukturkonferenz der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Lüneburg.

Lob für Instandsetzung am Geesthachter Stauwehr

Auf der Elbe wäre sogar dreilagiger Containerverkehr möglich, so Ferlemann – das könne kein Kanal bieten. Die Schifffahrtsbranche fordert unterdessen verlässliche Transportwege, zuletzt hatte es wegen Personalmangel an der Geesthachter Schleuse und damit verbundenen Sperrzeiten, sowie dem Niedrigwasser aufgrund des abgerutschten Dammes am Stauwehr Stillstand in der Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens gegeben.

Ferlemann lobte ausdrücklich die schnellen Instandsetzungsarbeiten am Geesthachter Stauwehr. „Wir müssen aufpassen, dass so etwas im Tagesgeschäft nicht wieder passiert. Die langfristige Sanierung wird ja geplant, aber die Schiffer hätten immer alles gern sofort und gleich, aber das geht nicht immer“, so Ferlemann.

Der Staatssekretär sieht in Bezug auf die Schiffbarkeit der Oberelbe aber auch mit Sorge in die Zukunft. Denn das Wasser, mit dem aufgegebene Tagebauflächen gefüllt und zu Badeparadiesen werden sollen, müsse aus der Elbe abgezapft werden – und das über Jahrzehnte.

„Wenn man Exportweltmeister ist, dann braucht man eine exzellente Logistik“, sagte Ferlemann. Die gerät aber mitunter an ihre Grenzen. Nach der Zwangspause für die Binnenschifffahrt wegen Schäden am Stauwehr regte sich Unmut in der Branche und den Verbänden. Wegen des niedrigen Wasserstandes musste nämlich auch das Schiffshebewerk in Scharnebeck seinen Betrieb einstellen. 90 Binnenschiffe lagen fest. Der Staatssekretär versprach: Wenn der vorgezogene Ersatzneubau des Scharnebecker Schiffshebewerks fertig sei, dann werde man auch die Schleuse in Uelzen modernisiert haben und so eine vernünftige Anbindung in Richtung Mitteldeutschland schaffen.

„Andere Projekte wichtiger als Elbe-Lübeck-Kanal“

Vom Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals hält Ferlemann nichts. „Da haben wir andere Projekte, die wichtiger sind“, sagte er. Damit steht er in Widerspruch zur Auffassung des Lauenburger CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Brackmann, Ansprechpartner für die Schifffahrt bei der Bundesregierung. „Es gibt einen vom Parlament verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan. In diesem steht der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals im ,vordringlichen Bedarf’. Das ist geltendes Recht und kann nicht infrage gestellt werden“, sagte Brackmann am Freitag auf Nachfrage.

Er können sich aber vorstellen, die Überlegungen zur Kanalvertiefung derzeit nach hinten zu verschieben. Ziel beim Ausbau des Kanals ist es bisher, eine schiffbare Tiefe von 2,50 Metern durchgängig herzustellen. werden. Derzeit ist der Kanal an einigen Stellen aber nur 2,10 Meter tief.

„Weil wir mit immer mehr Niedrigwasserereignissen rechnen müssen, gehen die Bestrebungen dahin, Schiffe mit einem geringeren Tiefgang zu bauen. Das muss abgewartet werden. Allerdings dauern die Planungen für die Vertiefung ja ohnehin noch längere Zeit“, sagte er. Was allerdings unbedingt kurzfristiger geschehen müsste, sei Anpassung der Brücken an Durchfahrtshöhen, die für die Schifffahrt auf dem Elbe-Lübeck-Kanal erforderlich sind.