Parkgebühren

Mit einem Schuhkarton voller Tickets zum Steuerberater

Nur selten stellt Karsten Neugebauer seinen Kleintransporter auf dem Lösch- und Ladeplatz ab.  

Nur selten stellt Karsten Neugebauer seinen Kleintransporter auf dem Lösch- und Ladeplatz ab.  

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Seit 2018 müssen auch die Gewerbetreibenden in der Altstadt Parkgebühren zahlen. Jetzt sollen sie organisatorisch entlasten werden.

Lauenburg.  Um die Einführung von Parkgebühren haben sich Politik und Verwaltung lange gedrückt. Aber schließlich führte kein Weg dran vorbei, der Konsolidierungsvertrag mit dem Land ließ keine weitere Verzögerung zu. Seit dem 1. November 2018 müssen Besucher der Altstadt auf dem Lösch-und Ladeplatz sowie auf dem Borkeplatz für 4 Euro pro Tag eine Parkmarke ziehen. Anwohner sind von dieser Regelung ausgenommen, Gewerbetreibende und deren Mitarbeiter aber nicht. Das hatte von Anfang an für Unmut gesorgt.

Jahresausweise für Gewerbetreibende

Die Wählergemeinschaft Unser Lauenburg (UL) will es den Gewerbetreibenden zumindest leichter machen, die ungeliebte Ausgabe von der Steuer abzusetzen. „Um die Betriebsausgaben geltend machen zu können, muss jede einzelne Marke aufgehoben werden. Die Zettelwirtschaft geht dann schuhkartonweise an den Steuerberater“, weiß Fraktionsvorsitzender Ralf Storjohann. Sein Vorschlag: Dauerparkausweise für Gewerbetreibende und deren Mitarbeiter. Über die Kosten dafür hat sich die UL auch schon Gedanken gemacht: Eine Ausweis für das Quartal sollte 300 Euro kosten, für einen Jahresausweis würden 1200 Euro fällig. „Diese Preise berücksichtigen Urlaub, Krankheit und freie Tage, deshalb wäre dieser Nachlass gegenüber einer täglichen Zahlung der Parkgebühren gerechtfertigt“, sagt Storjohann. Sollte sich an der Gebührenschraube weiter stellen lassen, würde es die Wählergemeinschaft begrüßen, die Gewerbetreibenden weiter zu entlasten. Der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg, hält den Vorschlag der UL für praktikabel. „Wenn die Politik der Beschlussvorlage zustimmt, können wir das relativ kurzfristig umsetzen“, stellt ihr in Aussicht.

Einen Kilometer laufen, statt Ticket ziehen

Einer der betroffenen Gewerbetreibenden ist Gastronom Karsten Neugebauer. Der Chef der „Schifferbörse“ hält eine Parkgebühr von über 1000 Euro im Jahr für nicht gerechtfertigt. Er stellt seinen Kleintransporter jetzt immer in der Nähe des Bahnhofes ab und geht die rund einen Kilometer lange Strecke zu Fuß – mehrmals am Tag. Auch seine Mitarbeiter vermeiden es, täglich ein Ticket zu ziehen und lassen ihr Auto deshalb meist gleich zu Hause. Wenn immer es passt, fährt sie der Chef nach Feierabend nach Hause. Da er kein Hotel betreibt, kann er ihnen auch nicht die wenigen freien Parkausweise überlassen, die Übernachtungsbetriebe von der Stadt erhalten haben – und die eigentlich für die Gäste gedacht sind.

Neugebauer hält die Gebührensatzung für ungerecht: Es sind die Gewerbetreibenden, die dafür sorgen, dass sich Touristen in der Altstadt wohlfühlen und für die Zeit ihres Aufenthaltes ein Parkticket ziehen“, sagt er.