Defektes Stauwehr

Zu wenig Wasser: Skipper liegen in Lauenburg fest

Monika und Manfred Kemp nehmen die Sache mit Humor. Sie wollten längst wieder auf dem Weg nach Hause sein. Wegen Ausfalls des Schiffshebewerkes in Scharnebek sitzen sie aber in Lauenburg fest.

Monika und Manfred Kemp nehmen die Sache mit Humor. Sie wollten längst wieder auf dem Weg nach Hause sein. Wegen Ausfalls des Schiffshebewerkes in Scharnebek sitzen sie aber in Lauenburg fest.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Das defekte Stauwehr in Geesthacht ist für Binnenschiffer eine Katastrophe. Aber auch Freizeitkapitäne liegen fest.

Lauenburg.  Nur ein paar Sportboote liegen derzeit in der Lauenburger Marina. Und von den wenigen, die da sind, kommen einige nicht weg. Seit vier Tagen staut sich der Verkehr auf dem Elbe-Seitenkanal am Schiffshebewerk Scharnebeck. Das kann erst wieder in Betrieb gehen, wenn der Schaden am Stauwehr in Geesthacht behoben ist. Bei Hafenmeisterin Yildiz Frühauf klingelt das Telefon heiß. Immer wieder muss sie die Lage erklären. Ab einer Absenkung von mehr als 40 Zentimetern beziehungsweise auf unter vier Meter könne das Hebewerk eben nicht arbeiten.

Urlaub unfreiwillig verlängert

Manfred Kemp hat eine Kerbe in den Dalben neben seinem Boot geritzt – genau 40 Zentimeter über dem jetzigen Wasserstand. „Ist die Kerbe verschwunden, können wir los“, sagt er zu seiner Frau Monika. Als die beiden am Freitagmorgen in Lauenburg anlegten, wollten sie eigentlich nur einen Tag bleiben. Seit April ist das Ehepaar aus dem Ruhrgebiet unterwegs. Am Sonnabend wollten sie Richtung Holland aufbrechen, wo ihr Schiff normalerweise liegt. Dann hätten sie es rechtzeitig zum zweiten Geburtstag ihrer Enkeltochter nach Hause geschafft. Monika und Manfred Kemp nehmen die Zwangspause mit Humor. „Dann testen wir eben noch ein bisschen länger aus, wie lange unsere Ehe hält, auf engstem Raum zusammen gepfercht“, sagen sie lachend. Aber dann wird Manfred Kemp ernst. „Wir sind Rentner, da kommt es auf einen Tag mehr oder weniger nicht an. Aber ich weiß, dass unsere Nachbarn in ein paar Tagen wieder arbeiten müssten“, sagt er und zeigt auf ein Boot ganz in der Nähe. Das Berliner Ehepaar winkt nur ab. Mit ihrem Arbeitgeber hätten sie noch nicht gesprochen. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.

Manfred Kemp will von „höherer Gewalt“ nichts willen. „Seit Jahren ist die Rede davon, dass das Stauwehr modernisiert werden muss. Schließlich stammt es aus den 60er-Jahren. Solche Sachen dauern in Deutschland einfach zu lange“, findet er. Dies sei unverantwortlich, vor allem gegenüber der Berufsschifffahrt.

Das Beste daraus machen

Monika und Manfred Kemp wollen sich durch durch das gesperrte Hebewerk ihre gute Laune aber nicht vermiesen lassen. Schließlich sind beide seit 19 Jahren Skipper und einiges gewohnt. Einen Tiefgang von 1,20 Meter hat ihr Schiff „Monika“. Da seien sie normalerweise auf der sicheren Seite. Deshalb hatten sie sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass der Pegel der Elbe schon vor der Havarie am Stauwehr extrem niedrig war.

Auf den Wasserstraßen in Mecklenburg-Vorpommern seien sie besonders gern unterwegs. „Die ehemalige Grenze hat hier die Natur auf besondere Weise erhalten“, schwärmt Monika Kemp. Seit Beginn ihrer Tour hält die 70-Jährige ihre Eindrücke in einem Reisetagebuch fest. Weil ja jetzt genügend Zeit ist, will sich das Ehepaar noch intensiver mit der Lauenburger Altstadt beschäftigen, durch die sie bisher nur „durchgehuscht“ sind. Eines sei ihnen aber aufgefallen: Viele der historischen Häuser tragen noch deutliche Spuren des Hochwassers vor sechs Jahren. „Es ist unverständlich, dass es mit dem Hochwasserschutz nicht voran geht. In Holland legt man da ein ganz anderes Tempo vor. Heute haben wir einen extremen Niedrigwasserstand. Das kann in einem halben Jahr schon wieder ganz anders aussehen“, sagt Manfred Kemp.

Morgen wird er als erstes auf die Kerbe in der Dalbe schauen und dann mit seiner Frau den Tag planen. „Wir machen eben das Beste daraus“, sagt der Skipper.