Neue Wege in der Grünpflege

Lauenburgs Wildblumen wachsen und gedeihen

Färberkamille leuchtet an der Lütauer Chaussee, dazwischen blühen weiße Schafgarbe, rosa Malven und blauer Natternkopf.

Färberkamille leuchtet an der Lütauer Chaussee, dazwischen blühen weiße Schafgarbe, rosa Malven und blauer Natternkopf.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ/Karin Lohmeier

Lauenburg. Das Konzept ist aufgegangen: Lauenburgs Blühflächen geht es gut. Eine Ausweitung ist geplant.

Lauenburg.  Gelbe Färberkamille leuchtet auf der Verkehrsinsel, dazwischen sorgen weiße Schafgarbe, rosa Malven und blauer Natternkopf für Kontraste. Und alles wird umsummt von Bienen, Hummeln, Schwebwespen. Lauenburgs Blühflächen gedeihen – die Stadt geht damit neue Wege in der Gestaltung ihrer Grünanlagen. Es ist zunächst einmal ein Experiment, betont Reinhard Nieberg, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Möglicherweise kann damit langfristig Geld für die Grünpflege gespart werden – und auch die Umwelt profitiert von den insektenfreundlichen Pflanzen.

Fünf Blühflächen im Stadtgebiet, weitere in Planung

An fünf Standorten hatte die Stadt im Frühjahr 2018 Flächen mit der Samenmischung „Wärmeliebender Saum“ eingesät: an der Ecke Murjahnstraße/Graf-Bernhard-Ring (510 Quadratmeter), der Einmündung Dresdener Straße/Glüsinger Weg und an der Hamburger Straße neben der Aral-Waschanlage (beide 60 Quadratmeter), auf der großen Verkehrsinsel an der Lütauer Chaussee (130 Quadratmeter) sowie zwischen Hafenstraße und Horster-Damm-Brücke (260 Quadratmeter). Die Saatgutmischung soll sich besonders gut auf mageren Böden entwickeln und über einen Zeitraum von zehn Jahren stabil bleiben. Rund 60 Arten enthält sie, viele davon sind heute selten geworden.

„Mittlerweile haben wir weitere Blühflächen im Industriegebiet sowie am Moorring angelegt, die sich auch schon gut entwickelt haben“, so Nieberg. Verschwunden ist allerdings die Fläche an der Hamburger Straße. Dort habe es Bauarbeiten gegeben, nun solle dort ein Staudenbeet angelegt werden. Denn auch damit experimentiert die Stadt: Pflegeintensive Rabatten mit einjährigen Blumen oder Rosen werden stellenweise durch mehrjährige, ausdauernde Stauden ersetzt. Denn auch Margeriten oder Fetthennen sind schließlich ökologisch wertvoll, bieten Nahrung für Insekten. Und diese wiederum locken viele Vogelarten an.

Flächen bleiben sich selbst überlassen

„Geplant ist auf jeden Fall, die Blühflächen weiter auszubauen“, sagt Reinhard Nieberg. Dabei geht es auch darum, wie die Lauenburger die Wildblumen akzeptieren. Denn die Flächen soll komplett sich selbst überlassen werden. Und besonders im Winterhalbjahr können sie auch mal braun und vertrocknet aussehen – das stört manche Bürger. Wichtig sei darum auch, die Öffentlichkeit immer wieder über den Wert zu informieren, hatte Rita Schütt betont, als sie 2017 auf Einladung der Grünen über ihr privates Projekt in Breitenfelde berichtete.

Die oberschwäbische Stadt Bad Saulgau (17.500 Einwohner) hat gezeigt, dass mit Wildblumenwiesen viel Geld gespart werden kann. Vor mehr als 20 Jahren hat die Kommune ihre Grünflächen umgewandelt – und bewirtschaftet heute das Doppelte an Flächen mit dem gleichen Personalbestand.