Unbekannte legten dreimal Feuer

Bahnhof wegen Vandalismus geschlossen

Norbert Urbanowitz zeigt eine rußgeschwärzte Ecke in der Bahnhofshalle – hier haben Unbekannte einen Mülleimer angezündet.

Norbert Urbanowitz zeigt eine rußgeschwärzte Ecke in der Bahnhofshalle – hier haben Unbekannte einen Mülleimer angezündet.

Foto: Karin Lohmeier / BGZ/Karin Lohmeier

Lauenburg. Immer wieder wurden Toiletten zerstört - nun haben Unbekannte auch noch gezündelt. Die Stadt plant den Einbau von Stahltoiletten.

Lauenburg.  Vier Radler stehen vor dem Lauenburger Bahnhof und schütteln die Köpfe: Sie hatten erwartet, hier die öffentlichen Toiletten der Stadt zu nutzen – und kommen nicht hinein. Denn seit einigen Wochen sind nicht nur, wie schon seit Monaten, die Toiletten abgeschlossen, sondern gleich das ganze Gebäude. „Die Bahnhofshalle muss leider wegen Vandalismusschäden vorübergehend geschlossen bleiben. Wir bedauern das sehr und hoffen auf Ihr Verständnis“, steht an der Tür.

Norbert Urbanowitz, Pächter des Gebäudes, hat den Zettel aufgehängt. Immer wieder waren in der Vergangenheit, Toilettenpapierrollen in die WCs gestopft, Abflussrohre der Waschbecken gestohlen und Becken zerstört worden.

Urbanowitz hat die Toiletten an die Stadt Lauenburg vermietet. Laut Vertrag ist er für das Aufschließen und Reinigen zuständig. Diese Aufgaben hatte er jedoch an Kiosk-Betreiber delegiert – mehrere in Folge gaben auf. Jetzt ist er ein wenig ratlos. „In den vergangenen Wochen gab es drei Brandanschläge, anders kann ich das nicht nennen“, erzählt Urbanowitz, der auf dem weitläufigen Gelände auch seinen Bootsshop und -service „Dock 2“ betreibt.

Urbanowitz fürchtet um die Sicherheit seiner Mieter

Jugendliche hätten Mülleimer in der Halle angezündet, in einem Fall wurde sogar die bereits abgeschlossene Tür aufgebrochen, ein Eimer draußen in Brand gesetzt und dann hineingestellt. Eine rußgeschwärzte Fliesenecke ist noch zu sehen. Ein größerer Gebäudeschaden sei zum Glück nicht entstanden, so Urbanowitz. Doch er fürchtet um die Sicherheit seiner Mieter: Zehn Zimmer gibt es im ehemaligen Hotel über dem Bahnhof. „Nur weil Mieter das Feuer immer rechtzeitig bemerkt haben, ist überhaupt größerer Schaden verhindert worden“, sagt er. So sei eine Mieterin einmal vom Qualm alarmiert worden, der ins Obergeschoss zog. Sie habe den brennenden Mülleimer nach draußen gezogen und dort gelöscht.

Urbanowitz hat die Konsequenzen gezogen – und das Gebäude vorerst abgeschlossen. Anzeige wegen des Vandalismus zu erstatten – das bringe nichts, meint er. Und tatsächlich ist der Polizei bisher kein Fall von Brandstiftung im Inneren des Gebäudes und kein Einbruch bekannt. „Wir haben in der vergangenen Woche nur einmal aufgenommen, dass ein Mülleimer im Außenbereich abgefackelt wurde“, sagt Ulf Clasen, Leiter der Polizeistation Lauenburg. Aus seiner Sicht sei der Bahnhof auch kein Schwerpunkt für Vandalismus.

Stadt will neue Toiletten in rostfreiem Edelstahl einbauen

Norbert Urbanowitz sieht das anders. Einer seiner Mitarbeiter, der im Bahnhofsgebäude wohnt, sagt: „Es sind immer dieselben Täter, zwei Jugendgruppen, davon eine mit noch sehr jungen Mitgliedern“. Der Pächter wünscht sich, dass die Stadt Kameras installiert. Dazu Thomas Burmester, der als Kämmerer der Stadt auch für die Liegenschaften zuständig ist: „Das könnten wir nur mit Einverständnis des Eigentümers. Und aus Gründen des Datenschutzes ist das nicht einfach.“ Geplant seien Kameras nicht.

Aber mit einer anderen Maßnahme will die Stadt erreichen, dass zumindest in den Toiletten nicht mehr so viel Schaden angerichtet werden kann: Porzellan-Waschbecken und -Toiletten sollen in rostfreiem Edelstahl (V2A) erneuert werden. Rund 6000 Euro sind im Nachtragshaushalt dafür vorgesehen, weitere 6000 Euro für die Toilette am ZOB. „Das ist mittlerweile auf öffentlichen Toiletten Standard“, so Burmester. Sobald die Kommunalaufsicht den Nachtragshaushalt genehmigt habe, könne es losgehen, „vermutlich schon in den Sommerferien“.

Auch Pächter für Gastronomie oder Kiosk gesucht


Profitieren können Pendler und Touristen von der neuen Anlage allerdings nur, wenn der Pächter das Gebäude auch wieder öffnet. Das habe er vor, beteuert Urbanowitz. Und: „Ich wünsche mir sehr einen neuen Pächter für die Gastronomie oder den Kiosk. Vielleicht hat ja ein Lauenburger Wirt Interesse, hier eine Zweigstelle zu eröffnen.“

Der Standort gilt als schwierig, denn er liegt etwas abseits der Lauenburger Altstadt. So gab es wie beim Kiosk auch beim Restaurant schon mehrere Betreiber, die aufgaben. Zuletzt hatten Fritz Hock und Rita Hansen vom Café „Schokoflut“ im Jahr 2015 hier ihre „Zugspitze“ eröffnet, auch sie mussten schon bald wieder schließen.