Kümmerernetzwerk

Einsamkeit: Manche Tage ziehen sich wie Gummi

Einsamkeit im Alter:  Kümmerernetzwerk will dagegen etwas tun

Einsamkeit im Alter: Kümmerernetzwerk will dagegen etwas tun

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Immer mehr Senioren leben allein und viele von ihnen leiden unter der Einsamkeit. Das Kümmerer-Netzwerk will helfen.

Lauenburg.  Die Wohnung ist aufgeräumt, im Fernsehen läuft immer das Gleiche und die Kinder haben zuletzt am Wochenende angerufen. Für viele Senioren zieht sich der Tag wie Gummi. „Früher hatten die Alten ihren Platz in der Großfamilie. Heutzutage sind viele Familien in alle Welt
verstreut“, weiß Simone Kroll-Schilke.

15 ehrenamtliche Helfer betreuen Senioren

Sie koordiniert das sogenannte Kümmerer-Netzwerk des diakonischen Werkes Herzogtum Lauenburg – gestartet im Juli vergangenen Jahres. Angelegt für drei Jahre soll es vor allem dazu dienen, bereits vorhandene Angebote für Senioren zu vermitteln. Außerdem sorgen mittlerweile 15 ehrenamtlich tätige Helfer dafür, dass so mancher ältere Mensch überhaupt mal wieder vor die Tür geht. Bisher sind die Kümmerer vor allem in Schwarzenbek und Geesthacht aktiv, jetzt soll das Projekt auf Lauenburg ausgeweitet werden.

Erika Kruse ist eine der freiwilligen Helferinnen des Netzwerkes. „Manche Menschen, die ich betreue, sind jünger als ich“, sagt die 79-Jährige. Meist geht es bei ihren Besuchen um Anliegen, die auf den ersten Blick banal erscheinen. „Mal mache ich einen Friseurtermin, mal gehen wir zusammen einkaufen. Manchmal genügt es schon, einfach nur zuzuhören“, erzählt sie. Warum genießt sie nicht selbst ihren Ruhestand? Über die Antwort muss Erika Kruse nicht lange nachdenken. „Mir ging es gesundheitlich mal sehr schlecht. Jetzt bin ich gesund und habe Spaß am Leben. Ich möchte, dass andere Menschen ihre Lebensfreude auch wiederfinden.“

Einsamkeit macht krank

Tatsächlich ist erwiesen, dass Einsamkeit gerade für Senioren ein großes Gesundheitsrisiko darstellt. Wie eine Untersuchung des Vereins Silbernetz aus dem vergangenen Jahr zeigt, fühlt sich jeder zehnte Deutsche über 60 Jahre einsam. Das Risiko an Demenz zu erkranken, ist bei den Betroffenen doppelt so hoch wie bei Menschen, die nicht isoliert leben. „Oft sind es die Kinder, die weit weg wohnen und sich bei uns melden. Manchmal sind es auch Nachbarn, die uns darauf aufmerksam machen, dass jemand ohne Kontakt nach außen lebt“, berichtet Simone Kroll-Schilke.

Vorhandene Aktivitäten bündeln

In Lauenburg gibt es bereits einige Aktivitäten für die ehrenamtliche Betreuung von Senioren. Quartiermanagerin Claudia Löding veranstaltet regelmäßig ein Nachbarschaftsfrühstück, es gibt Vorlesepaten für Senioren sowie gemeinsame Beschäftigungsprojekte mit der Albinusgemeinschaftsschule. „Ich würde mich freuen, wenn diese Aktivitäten durch die Arbeit des Kümmerer-Netzwerkes ergänzt werden würden“, sagt Simone Kroll-Schilke.

Wer sich vorstellen kann, ehrenamtlich Senioren zu unterstützen, sollte sich Freitag, den 24. Mai, frei halten. Ab 15 Uhr stellt sich das Kümmerer-Netzwerk in der Awo-
Begegnungsstätte (Büchener Weg 8 a) vor.