Bewährungsstrafe

Ohne Zulassung Physiotherapie-Praxis geführt

44-Jähriger gibt sich als Osteopath aus. Sein Zertifikat hatte er gefälscht.

44-Jähriger gibt sich als Osteopath aus. Sein Zertifikat hatte er gefälscht.

Foto: Picasa / Fontanis - stock.adobe.com

Lauenburg. Ein 44-Jähriger betrieb in Lauenburg eine Praxis, ohne die Voraussetzungen zu erfüllen. Jetzt stand er vor dem Richter.

Lauenburg.  Es ist nicht wirklich alles rund gelaufen im Leben von Olaf U. (Name von der Redaktion geändert) aus einem Dorf im Lauenburgischen. Seine Firma ging pleite, die Frau wurde schwer krank. In seiner Verzweiflung wurde er zum Betrüger und gestern vom Schwarzenbeker Schöffengericht unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Suntke Aden zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe sowie der Ableistung von 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Haft muss der 44-Jährige nicht antreten, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Der Angeklagte hatte sich als Osteopath ausgegeben und dafür auf seinem Computer ein Zertifikat von einer frei erfundenen Ausbildungsstätte erstellt. Außerdem hat er Sozialversicherungsbeiträge für zwei bei ihm angestellte Physiotherapeutinnen nicht abgeführt. Bei 37 Krankenkassen hatte er 594 Rezepte eingereicht, die er nicht hätte abrechnen dürfen, da seiner Praxis rückwirkend die Zulassung entzogen wurde.

Prüfung als Heilpraktiker nicht abgelegt

„Es tut mir alles sehr leid. Ich befand mich in einer schwierigen Situation“, räumte der 44-Jährige reumütig ein. Eine Ausbildung zum Heilpraktiker war zwar ein Berufswunsch des gebürtigen Mazedoniers, aber bis zur Prüfung kam er nicht. Der Angeklagte hatte eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert. Danach übernahm er einen Gewerbebetrieb. Dieser ging allerdings wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und einem Streit mit dem früheren Inhaber über 60.000 Euro Beratungshonorare in die Insolvenz.

Dann kam das Angebot, Praxisräume in Lauenburg zu übernehmen. Olaf U. schlug zu, wollte die Prüfung als Heilpraktiker machen und stellte eine Physiotherapeutin als fachliche Leitung ein. Das meldete er auch bei den Krankenkassen an und bekam eine Zulassung. Als er die Räume in Lauenburg renoviert hatte und die Praxis eröffnen wollte, sprang die Physiotherapeutin ab.

Der 44-Jährige stellte zwei andere Physiotherapeutinnen ein, er meldete aber keine von ihnen als fachliche Leitung an. Trotzdem eröffnete er die Praxis. Dann wurde seine Frau schwer krank. Er verbrachte nach eigenen Angaben viele Stunden im Krankenhaus und später mit der Pflege seiner Frau und der Versorgung der Kinder.

Verurteilter soll 67.000 Euro zahlen

Währenddessen ließ er die beiden Physiotherapeutinnen Hunderte Patienten behandeln und rechnete die Leistungen ab.

Als es die ersten kritischen Nachfragen von Krankenkassen hinsichtlich der aktuellen Leitung der Praxis gab, fälschte U. das Zertifikat und gab sich als Osteopath aus. Der Schwindel flog auf, ihm wurde die Zulassung rückwirkend entzogen. Es blieben mehr als 49.000 Euro an Behandlungskosten, die er unrechtmäßig erhalten hatte. Außerdem schuldet er der Sozialversicherung mehr als 18.000 Euro.

Die Gesamtsumme in Höhe von 67.000 Euro soll jetzt von ihm eingezogen werden. Ob er die Schulden bezahlen kann, ist fraglich. Die Familie lebt mittlerweile von Hartz IV, der Angeklagte hat die Pflege seiner Frau übernommen. Der Bewährungshelfer soll ihn bei der Suche nach Arbeit unterstützen.