Sozialraumanalyse

Der Stadt den Spiegel vorhalten

Wie wollen wir leben - wenn wir jung sind und im Alter? Und gibt es genug Möglichkeiten dafür in Lauenburg. Darum geht es unter anderem in der Sozialraumanalyse, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. Foto: Stephan Scheuer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wie wollen wir leben - wenn wir jung sind und im Alter? Und gibt es genug Möglichkeiten dafür in Lauenburg. Darum geht es unter anderem in der Sozialraumanalyse, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. Foto: Stephan Scheuer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Stephan Scheuer / dpa

Lauenburg. Die Stadt hat den Auftrag für eine Sozialraumanalyse für Lauenburg erteilt. Erste Ergebnisse soll es im Herbst geben.

Lauenburg.  Seit fünf Jahren in der politischen Diskussion und bereits vor zwei Jahren beschlossen: In diesen Jahr wird die Sozialraumanalyse für Lauenburg endlich in Angriff genommen. Das beauftragte Büro Gerz-Gutsche-Rümenapp nimmt im März die Arbeit auf. „Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst die ersten Ergebnisse haben“, stellt der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg, in Aussicht.

Dem Hamburger Büro sind die Verhältnisse in Lauenburg nicht fremd. Im Mai 2012 legte Mitgesellschafter Jens-Martin Gutsche den Schulentwicklungsplan für Lauenburg vor. Diese Prognose war unter anderem Grundlage dafür, dass das Land an der Albinus-Gemeinschaftsschule die gymnasiale Oberstufe genehmigte.

Bevöllkerung und Wohnbedarf im Fokus

„Der Schulentwicklungsplan bildet eine der Grundlagen für die Sozialraumanalyse“, sagt Nieberg. Ebenso würden die kürzlich veröffentlichte Bevölkerungsprognose und die Wohnbedarfsanalyse des Kreises in die Analyse einfließen. Darüber hinaus können die Stadtplaner auf eine Untersuchung der Lebensumständen von Senioren in der Stadt zurückgreifen. Studierende der Fachhochschule Lübeck legten 2017 ein Sozialraumkonzept vorwiegend für diese Generation vor. Ihr Fazit: Auch unter wissenschaftlicher Betrachtung hat die Stadt derzeit gravierende Mängel hinsichtlich der Lebensqualität aller Generationen. Allerdings seien auch viele Entwicklungspotenziale vorhanden.

Der Vorsitzende des Sozialausschusses, Uwe Frensel (SPD), drängt seit Jahren auf eine Sozialraumanalyse. „Wenn wir tragfähige Pläne für die Stadt entwickeln wollen, müssen wir uns doch erstmal darüber klar werden, was wir überhaupt brauchen“, hat er in der Vergangenheit immer wieder argumentiert. Seine Erwartung an die Sozialraumanalyse ist daher hoch. „Auf der Grundlage der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung müssen wir den Wohnungsbedarf planen. Das betrifft aber nicht nur die Anzahl. Wir müssen überlegen, ob wir mehr Einfamilienhäuser oder Geschosswohnungsbau brauchen und in welchem Preissegment“, sagt er.

Auch Aufschlüsse zur Infrastruktur erhofft

Ebenso solle die Kaufkraftentwicklung Aufschluss geben, welche Geschäfte sich künftig ansiedeln und welche Infrastruktur in Zukunft entwickelt werden müsse. „Ich erwarte eine tiefgehende Analyse der Lebensumstände in unserer Stadt sowie Entwicklungsprognosen und schlüssige Handlungsempfehlungen“, so Frensels Anspruch. Dies könnten auch dazu führen, bereits in die Wege geleitete Planungen zu korrigieren.

Das Hamburger Büro hat auf seiner Webseite seinen Leistungskatalog klar formuliert: Es bietet Prozessbegleitung und Moderation an und spricht Handlungsempfehlungen aus. Wenn es sein müsse, sehen sich die Planer aber auch als „Überbringer unschöner Wahrheiten“.