Lauenburg.

Kinderschuhe der Demokratie

Verfassung von 1849 im Herzogtum

Lauenburg.  „Wählbar zum Abgeordneten ist jeder mündige Lauenburger, der nicht für seine Person unter Curatel steht, nicht fortlaufende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln erhält, und nicht wegen eines peinlichen Verbrechens verurtheilt oder wegen eines solchen in Untersuchung ist“ – was sich heute ziemlich gestelzt anhört, war im Jahre 1849 Teil einer der modernsten Verfassungen Deutschlands.

Das Grundgesetz für das Herzogtum Lauenburg wurde zum Vorbild für andere der damaligen Zeit. Es fällt in die Zeit unmittelbar nach der Revolution. In deren Vorfeld war der Ruf nach politischen Veränderungen und der Abschaffung von Privilegien in den Staaten des Deutschen Bundes laut geworden. Artikel 1 des Regelwerkes: „Das Herzogthum Lauenburg ist ein selbstständiges Staatsgebiet des deutschen Reiches“.

Aus heutiger Sicht, hat das vor 170 Jahren beschlossene Grundgesetz durchaus einige demokratische Schwächen. Wählen durfte damals nämlich nur, wer „nicht bei anderen in Kost und Lohn stünde, ohne einen eigenen Heerd zu haben.“ Also kein Wahlrecht für Dienstboten, Tagelöhner und Arbeiter in Gemeinschaftsunterkünften oder gar Frauen. Trotzdem wären diese im Herzogtum jener Zeit mit mehr Rechten ausgestattet gewesen, als anderswo, weiß Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein. „Wenn ein Geschäftsmann oder Handwerksmeister starb, musste seine Witwe anderswo den Gesellen heiraten, um den Besitzstand nicht zu verlieren. In Lauenburg hatten die Frauen das verbriefte Recht, nach dem Tode des Gatten die Geschäfte selbst weiterzuführen“, erzählt er. So sei zu jener Zeit die Witwe des Wirtes vom Hotel Möller zu beträchtlichem Wohlstand gekommen, weil sie das Haus nach ihren Vorstellungen weiterführen konnte. „Während meiner Stadtführungen erwähne ich immer, dass das Unglück der Lauenburger Männer zu dieser Zeit begann“, sagt er augenzwinkernd.

Verfassung galt nur zwei Jahre

Lange sollten die für die damalige Zeit fortschrittlichen Gesetze keinen Bestand haben. Am 6. März 1851 wurde das Grundgesetz unter König Friedrich VII. außer Kraft gesetzt und wenig später die alte Verfassung inklusive der alten Privilegien wieder eingeführt. Das galt nicht nur für das adlige Jagdrecht, sondern für den Stand des Adels überhaupt, der zwei Jahre lang im Lauenburgischen keine Vorrechte hatte. Hatte es in der Verfassung von 1849 noch geheißen „Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Vor dem Gesetz gilt kein Unterschied der Stände“, so zerfiel der demokratische Ansatz im Herzogtum Lauenburg zwei Jahre später schon wieder.