Foodsharing

Zu schade für die Tonne – Essen mit anderen teilen

Dominik Siewert ist einer der Initiatoren von Foodsharing in Lauenburg.

Dominik Siewert ist einer der Initiatoren von Foodsharing in Lauenburg.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. 4,4 Millionen Kilo Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. „Foodsharing“ soll die Verschwendung stoppen.

Wer kennt das nicht: Die Feiertage sind vorbei und der Kühlschrank ist immer noch proppevoll – wieder einmal viel zu viel eingekauft. Doch wohin mit den übrig gebliebenen Käsewürfeln, Bratwürsten und Rollmöpsen von der Silvesterparty? Diese Frage haben sich Dominik Siewert und seine Lebensgefährtin Jana Alex auch gestellt. „Das ist viel zu schade für die Tonne“, waren sie sich einig und fassten einen Entschluss: Was an Lebensmitteln übrig bleibt und noch genießbar ist, soll künftig nur noch in Ausnahmefällen im Müll landen. Ihr Vorsatz für das neue Jahr: In Lauenburg eine Foodsharing-Gruppe gründen.

Idee entstand erstmals 2012

Die Idee, überschüssige Lebensmittel kostenlos abzugeben, entstand 2012 zeitgleich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mittlerweile hat sich in vielen Städten Deutschlands diese Bewegung etabliert. Anders als bei den Tafeln geht es dabei nicht vordergründig darum, Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. Hinter Foodsharing steckt die Idee, wertvolle Lebensmittel nicht zu verschwenden.

Über 100 Mitglieder innerhalb einer Woche

Während viele Vorsätze für das neue Jahr schon nach der Silvesternacht wieder vergessen sind, machten Dominik Siewert und Jana Alex Nägel mit Köpfen: Noch am Neujahrstag riefen sie die Facebookgruppe „Foodsharing – Wir retten Lebensmittel in Lauenburg und Umgebung“ ins Leben. „Wir hatten uns zuvor informiert, ob es so etwas im Kreis schon gibt. Aber wir sind offenbar die Ersten“, sagt der 22-Jährige. Womit er und seine Partnerin nicht gerechnet haben: Innerhalb von nicht einmal einer Woche ist die Gruppe auf über 100 Mitglieder angewachsen. Vor allem Obst und Gemüse, aber auch nicht mehr benötigte Babynahrung haben bereits den Besitzer gewechselt.

Manchmal posten Gruppenmitglieder, auch was sie aus den Lebensmitteln hergestellt haben. Jana Alex hat ein paar Gruppenregeln aufgestellt: Angeboten werden Lebensmittel die man nicht verbrauchen kann, aber selbst noch essen würde. Rohes Fleisch und andere Produkte, deren Kühlketten nicht unterbrochen werden dürfen, sollten nicht angeboten werden.

Nachhaltiger Konsum als Lebensgrundsatz

„Es ist unglaublich, wie groß die Resonanz ist. Die Gruppenmitglieder regeln die Abholung der Lebensmittel unter sich“, sagt Dominik Siewert. Für ihn und Jana Alex hat sich die Idee jetzt schon durchgesetzt. Ihre Überzeugung, nachhaltig zu konsumieren, wollen sie auch ihren drei Kindern mit auf den Weg geben. „Wenn sie groß sind, hat sich in den Köpfen der Menschen vielleicht einiges getan“, hofft der junge Familienvater.

In Lauenburg sehen die beiden Initiatoren gute Chancen dafür. Einen Wunsch haben sie aber dennoch: Vielleicht finden sich in der Stadt Akteure, die die Idee auch außerhalb von Facebook umsetzen.

Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahre 2017 , wirft jeder Deutsche pro Jahr mindestens 55 Kilo Lebensmittel weg. Insgesamt landen in Privathaushalten 4,4 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, das sind täglich 150 Gramm pro Person. Dabei handelt es sich nicht in erster Linie tatsächlich um Verdorbenes, sondern um Produkte, die nicht mehr gut und appetitlich genug erscheinen. Das betrifft vor allem Obst und Gemüse. Welker Salat, schrumpelige Möhren oder Äpfel mit Druckstellen – all das, was für eine gesunde Ernährung besonders wichtig ist, aber leider auch bei falscher Lagerung schnell unansehnlich wird, landet am häufigsten in der Tonne. Obst und Gemüse machen fast die Hälfte des Lebensmittelabfalls aus. Etwa 44 Prozent dieser Abfallmengen wären nach den Angaben der Studienteilnehmer prinzipiell vermeidbar gewesen. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung gefördert.