Lauenburg.

2019 soll der Knoten platzen

Projekte Durchbruch für bekannte Großvorhaben – Neue Pläne in den Startlöchern

Lauenburg.  „Jetzt werden wir endlich ernten“ zitierten wir Lauenburgs Bürgermeister heute vor einem Jahr, als wir über die Pläne der Jahres 2018 berichteten. Seine Zuversicht bezog sich auf die großen, lange geplanten Bauvorhaben: Marktgalerie, Edeka-Neubau und Hotel am Fürstengarten.

Um beim Bild zu bleiben: Die Früchte hängen noch immer am Baum, bisher fehlte ihnen die nötige Reife. Darüber hinaus gibt es 2019 aber weitere Vorhaben, die Lauenburgs Entwicklung nachhaltig fördern könnten.

1. Marktgalerie

Auch 2018 warteten die Lauenburger vergeblich auf den Baubeginn. Stattdessen tat sich eine neue Hürde auf: Das ursprünglich für Stellflächen geplante Areal hinter dem Alten Posthof könne wider Erwarten nicht dafür genutzt werden, teilte Projektentwickler Frank Kiefaber Ende November mit, versicherte aber: An einer Lösung werde gearbeitet.

Für Bürgermeister Andreas Thiede steht fest, dass diese schon bis zum 30. Januar gefunden sein wird. Dann sollen die Stadtvertreter den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen und damit den Startschuss für die Baumaßnahme geben. „Für mich ist auch das Thema Tiefgarage noch nicht abgehakt“, sagt er. Die hatten die Planer unter den Tisch fallen lassen, weil die Marktgalerie deutlich kleiner ausfallen wird, als ursprünglich geplant.

2. Edeka-Neubau

Zum 30. Juli ist die Post aus dem alten Gebäude an der Berliner Straße ausgezogen, das dem Neubau weichen soll. Die Abrissbagger rollten bisher trotzdem nicht an. Grund: Die zufällige Entdeckung bis dahin unbekannter Versorgungsleitungen in das benachbarte Telekomgebäude, das derzeit als Ortsvermittlungsstelle genutzt wird, und in dem zeitweise jemand arbeitet.

„Derzeit werden neue Leitungen verlegt, um die Trennung von Post- und Telekomgebäude vornehmen zu können“, sagt Thiede. Er sei sich deshalb „absolut sicher“, dass der Baustart innerhalb dieses Jahres erfolgt. Laut Edeka wird die Erteilung der Baugenehmigung kurzfristig erwartet.

3. Hotel am Fürstengarten

In diesem Jahr wollte Hotelier Gert Prantner im Hotel am Fürstengarten seinen 80. Geburtstag feiern. Doch daraus dürfte nichts werden. Nach langem Hin und Her hatten die Politiker Ende September den Satzungsbeschluss des Bebauungsplanes gefasst, der dem Investor hinsichtlich der Gestaltung des Gebäudes noch einigen Spielraum gibt. „Im Genehmigungsverfahren müssen jetzt offene Fragen zum Lärmschutz und zu Stellplätzen geklärt werden“, sagt der Bürgermeister. Vor Einreichen des Bauantrages soll es eine öffentliche Präsentation der Gestaltungspläne geben. „Der Dialog darüber fängt gerade erst an“, hatte Thiede nach der Fassung des Satzungsbeschlusses versichert. Auch dieses Bauvorhaben werde in diesem Jahr starten.

4. Baugebiet Birnbaumskamp

Auf der etwa 14 Hektar großen Fläche am westlichen Stadtrand werden in den nächsten Jahren bis zu 200 Einfamilienhäuser entstehen. Eigentlich sollte im Juni vergangenen Jahres die Erschließung beginnen, doch die städtebaulichen Verträge zwischen der Stadt und dem Unternehmen Werretal als Investor benötigten längere Verhandlungen. Das Interesse der künftigen Bewohner ist groß. Von den bisher 76 ausgewiesenen Grundstücken sind vier bereits verkauft und 44 reserviert. „Im Sommer kann gebaut werden“, ist Thiede überzeugt.

5. Hochwasserschutz

Die Projektsteuerung des Hochwasserschutzes liegt seit Ende 2018 offiziell bei der Stadt, die Kostenübernahme ist durch das Land gesichert. Sichtbare Schutzanlagen, insbesondere im Kernbereich der Altstadt wird es in diesem Jahr allerdings nicht geben. Hinter den Kulissen soll es hier aber trotzdem deutlich voran gehen: 2019 vorgesehen ist die Ausschreibung der Planung dieses Bereiches und die Auftragserteilung. Auch für die anderen Abschnitte der geplanten Schutzlinie sollen in diesem Jahr Planfortschritte erreicht oder Anpassungen vorgenommen werden. „In Sachen Hochwasserschutz werden wir aber noch viel Geduld haben müssen“, sagt der Bürgermeister.

6. Gewerbegebiet an der Juliusburger Landstraße

Rund 21 Hektar Fläche stehen zwischen Juliusburger Landstraße und Lütauer Chaussee zur Verfügung. Bisher hat sich hier nur die Firma Endomedical auf 5800 Quadratmetern angesiedelt. 2016 hatten Lauenburgs Politiker den Bebauungsplan noch einmal geändert. Kleinere Flächen entsprächen nicht mehr den heutigen Vorstellungen von Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, hieß es damals. Anfang 2018 dann doch die wieder die Strategie, mit der Erschließung des Areals kleinteiliger zu beginnen. Doch auch das hat die Nachfrage offenbar nicht deutlich angekurbelt. Thiede gibt sich optimistisch und hält sich dennoch bedeckt: Mit großen Firmen auf lange Sicht zu verhandeln, sei sinnvoll und von Vorteil für die Stadt.

7. Neubau Lidl-Markt

Discounter Lidl hatte bereits 2016 angekündigt, am jetzigen Standort Glüsinger Weg einen modernen Neubau errichten zu wollen. Dieser soll 1449 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Der alte Markt hatte rund 900 Quadratmeter. Zunächst hatte die Landesplanungsbehörde Bedenken angemeldet: Das Einzelhandelskonzept aus dem Jahre 2012 stufe den Standort von Lidl nur als Ergänzung zum zentralen Versorgungsgebiet der Stadt ein. Priorität solle der geplante Edeka-Neubau haben. Nachdem jedoch Lidl das Vorhaben mit einem Verträglichkeitsgutachten untermauert hatte, gab es grünes Licht. Der neue Markt soll Ende des Monats eröffnet werden.

8. Neubau Rewe-Markt

Der der Rewe-Konzern will in diesem Jahr in Lauenburg einen Markt nach dem sogenannten Green-Building-Konzept eröffnen. Die Baukonstruktion besteht im Wesentlichen aus Leimholzrahmenbindern, die den Innenraum weiträumig umspannen. Durch ein umlaufendes Fensterband sowie Lichtkuppeln im Dach fällt Tageslicht in den Verkaufsraum. Wesentliche Merkmale des nachhaltigen Konzeptes sollen auch in Lauenburg zum Einsatz kommen. Mit 1800 Quadratmetern wird der neue Markt nur 100 Quadratmeter größer sein als der alte. Die Eröffnung ist
für Ostern diesen Jahres geplant.

9. Albinus-Gemeinschaftsschule

2017 erhielt Lauenburg für die geplante neue Sporthalle der Albinus-Gemeinschaftsschule drei Millionen Euro Bundesfördermittel. Aus dem Stadthaushalt müssen die restlichen 1,5 Millionen Euro finanziert werden. Die Planungen haben begonnen, Baubeginn ist für 2019 vorgesehen.

Mit einem weiteren Zuschuss aus Berlin soll ein neuer Ganztagsbereich an der Schule entstehen. Die zwei würfelartigen Gebäude, die jetzt noch an dieser Stelle stehen, sollen abgerissen werden. Die Stadt hofft, für das „Begegnungszentrum Hasenberg“ auf eine 90-prozentige Förderung, ein bis vier Millionen Euro könnte es geben.

10. Weingartenschule

Eine Raumbedarfsplanung hatte ergeben, dass der Schule 2000 Quadratmeter fehlen. Ursprünglich wollte die Stadt das Problem mit einem viergeschossigen Anbau lösen. Doch die Förderung des Landes platzte. Danach war ein politischer Streit darüber ausgebrochen, wie die Mängel der einzigen Grundschule der Stadt dennoch behoben werden könnten. Im Oktober vergangenen Jahres schließlich die Einigung: Der Standort der Schule wird beibehalten, das Hauptgebäude in die Planung einbezogen, sodass dort Klassenräume in ausreichender Größe entstehen. Mit Ausnahme des Hauptgebäudes sollen alle Nebengebäude durch Neubauten ersetzt werden. „Die Weingartenschule hat in diesem Jahr höchste Priorität“, versichert der Bürgermeister.

11. Industriegebiet Söllerwiesen

2017 hatte das Unternehmen Worlée 4,1 Millionen Euro in ein neues Verwaltungsgebäude investiert und damit 50 neue Arbeitsplätze am Standort Lauenburg geschaffen. Das Unternehmen will weiter expandieren und hat dafür weitere Flächen angekauft, um die Kosmetik-Sparte auszuweiten. Den geplanten Bau eines Logistikzentrums hat Worlée aufgrund der derzeit hohen Baupreise vorerst zu den Akten gelegt. Allerdings hat das Unternehmen Ende 2018 bereits einen alten Siloturm abgerissen, der dem Logistik-Neubau weichen muss.

12. Wohnbauprojekt der
Raiffeisenbank

Bereits 2016 hatte die Raiba ein 2500 Quadratmeter großes Gelände am Weingarten erworben. Hier werden insgesamt 26 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Der Bauantrag soll in Kürze eingereicht werden und die Bauarbeiten in diesem Jahr beginnen. Außerdem hat die Raiffeisenbank das Polizeigebäude an der Alten Wache erworben. An dessen Stelle soll für 2,5 Millionen Euro ein Neubau entstehen, der an das benachbarte Ärztehaus anschließt.


13. Wohnungsbau an der Berliner Straße

Bereits nach dem Flächennutzungsplan 1980 ist das ehemalige Kleingartengelände für Wohnungsbau vorgesehen. „Wir sind daran interessiert, dass auf dem Gelände auch geförderter Wohnraum entsteht“, sagte Thiede vor einem Jahr. Die schwierige Topographie des Geländes würde den Bau von Sozialwohnungen unwirtschaftlich machen, meint er heute. Der Verkauf für den freien Wohnungsmarkt scheiterte kurz vor Jahresende vor allem an der Forderung der SPD, bei künftigen Bauprojekten mit mehr als acht Einheiten, 25 Prozent als geförderten Wohnraum zu errichten. Die Politik kam als Kompromiss überein, ein Konzept für sozialen Wohnungsbau „zeitnah“ zu beschließen. Es ist deshalb zu erwarten, dass dieses Thema in diesem Jahr weit oben auf der politischen Agenda steht.

14. Maritimes Zentrum

Noch in den Kinderschuhen steckt ein anderes Projekt: Die nahezu leerstehenden Gebäude der Hitzler-Werft an der Bahnhofstraße könnten als ein „Maritimes Zentrum“ entwickelt werden. Die Idee dahinter: Wohnen, arbeiten und kreativ sein in alten Industriegebäuden, dazu Ausstellungsräume und Begegnungsstätten.

Die Stadt hat die Projektskizze für das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ angemeldet. Ob sie damit die Jury überzeugen konnte, steht im März dieses Jahres fest. Nur in diesem Fall könnte die eigentliche Antragstellung erfolgen.