Lauenburg.

Viele Vorhaben kamen nur auf dem Schreibtisch voran

Silvester 1978 Bürgermeister Wollenberg bittet um Geduld

Lauenburg.  Ein Jahr lang haben wir in den Ausgaben der Lauenburgischen Landeszeitung des Jahres 1978 geblättert. Wir haben uns in die Zeit zurückversetzt, als die Wirtschaftswunderzeit endgültig vorbei war, Umweltschutz und Mitbestimmung an Bedeutung gewannen. Das eine oder andere mal waren wir erstaunt, wie sehr sich die Themen doch ähneln, über die die Lauenburger Lokalredakteure damals, und wir heute berichten.

Wir danken ihnen auch für so manche Erinnerung, mit der sie unsere Serie „Lauenburg vor 40 Jahren ergänzten. Zum Abschluss wollen wir heute den damaligen Bürgermeister Dieter Wollenberg zu Wort kommen lassen. In der Silvesterausgabe des Jahres wendet er sich an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Arbeitsplätze und Wohnungen im Mittelpunkt

1978 war kein leichtes Jahr für die Stadt. Gesicherte Arbeitsplätze, jahrzehntelang eine Selbstverständlichkeit, waren plötzlich in Gefahr. Die Zeitung schreibt: Die Atlantik-Zündholzfabrik schloß im Mai ihren Betrieb. Stärker noch greift der Rückgang im Schiffsbau in das Wirtschaftsleben und Arbeitsgefüge der Stadt ein. Trotz aller sozialen Sicherungen erkennen wir neuerdings wieder, daß ,Arbeit und Brot’ Voraussetzung aller kommunalen Entwicklung ist. Doch Dieter Wollenberg appellierte an die Zuversicht der Bürger: „Vor Jahren wurde unsere Stadt von Pessimisten als ,sterbende Stadt’ bezeichnet. Daß sie das nicht war und ist, weist auch unsere Bevölkerungsentwicklung aus. Im vergangenen Jahr wuchs die Einwohnerzahl leicht “, wird der Bürgermeister zitiert. Für den Zuzug von weiteren Menschen würden neue Wohngebiete sorgen. „Die Planungen für das Wohngebiet im Grünen in der Dornhorst gehen stetig voran. Am Fuß des Hasenbergs entsteht das Wohngebiet Sonnental und im Stadtmoor können Familieneigenheime entstehen“, zählt Wollenberg auf. Doch er weiß, dass viele Lauenburger mittlerweile ungeduldig sind, weil sich die Vorhaben hinziehen. Dafür bittet der Bürgermeister um Verständnis: „Was immer sich die Stadt einfallen lässt, um ihren Wohnwert zu erhöhen, muss erst durch ein Dickicht von bürokratischen Prüfungen und Genehmigungen“, erklärt er. So komme es, dass viele Vorhaben im vergangenen Jahr nur auf Schreibtischen weitergekommen seien. „Sie werden für den Bürger aber im kommenden Jahr sichtbar werden“, versichert der Bürgermeister.

Ähnlich kompliziert würde es sich mit anderen Vorhaben verhalten. „Der Fürstengarten, als ein Ort der Ruhe und Erholung für unsere Bürger gedacht, ebenso als ein Fremdenverkehrsanreiz für auswärtige Besucher gedacht, musste ein umständliches Genehmigungsverfahren durchlaufen“, erklärt Wollenberg. Der Artikel endet mit einer Bemerkung des Redakteurs: „Wie schön wäre es, wenn alle Vorhaben so schnell und reibungslos liefen, wie der Bau eines Kinos. Wenn keinen Hindernisse auftreten, läuft im neuen Lichtspieltheater um die Jahresmitte der erste Film über die Leinwand. Aber er bringt eben nur – Illusionen!“