Kolonialzeit

Lauenburg: aber nicht an der Elbe, sondern im Pazifik

Von 1885-1918 gab es im Pazifik eine Inselgruppe Neu-Lauenburg

Von 1885-1918 gab es im Pazifik eine Inselgruppe Neu-Lauenburg

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Eine Inselgruppe im Pazifik hieß eine Zeit lang Neu-Lauenburg. Schuld daran war die Kolonialzeit.

Dass es einen Ort namens Lauenburg nicht nur an der Elbe gibt, ist allgemein bekannt. Die polnische Stadt Lebork, ehemals Lauenburg, gehört seit 1945 zur Woiwodschaft Pommern und ist seit 1991 Lauenburgs Partnerstadt.

Deutsches Reich stellt Ansprüche an Kolonien

Weniger bekannt dürfte dagegen sein, dass eine kleine Inselgruppe im Pazifik zwischen 1885 und 1918 den Namen Neu-Lauenburg trug. Das ist keineswegs ein Zufall, sondern hat mit den deutschen Kolonialherren zu tun, die in jener Zeit ihren „Anspruch“ auf die kleinen Inselreiche geltend machten. Autor Andreas Lausen beschreibt in dem neuen Heft der Lauenburgischen Heimat, wie es zu dem „Kolonialen Kuriosum im Pazifik“ kam: „Auf der Berliner Kongo-Konferenz einigten sich 1885 die europäischen Mächte auf neue Grundsätze der Kolonialpolitik. Auch die relativ jungen Nationen Europas, das Deutsche Reich, Italien und Belgien, forderten ihr ,Recht’ ein, an der Aufteilung der Kolonien beteiligt zu werden“, hat er herausgefunden.

Allerdings gab es zu dieser Zeit nicht mehr viel zu verteilen. Zu den letzten weißen Flecken auf dem Globus gehörte eben die pazifische Inselwelt. Deutsche Händler und Missionare fassten schließlich auf den vorgelagerten Inseln von Neuguinea Fuß – errichteten hier eine deutsche Architektur, Polizei, Verwaltung und Handelskontore.

Missionare hinterlassen Spuren

Die Deutschen waren allerdings nicht die Ersten, die diese entlegene Weltgegend eroberten. Der britische Freibeuter William Dampier hatte die Insel-Gruppe bereits im Jahre 1700 entdeckt und ihr einen englischen Namen gegeben. Doch nachdem die Deutschen dort angekommen waren, sollte sich das auch im Namen widerspiegeln. Es war Regierungskommissar Gustav von Oerzen, der 1885 dem Kaiser vorschlug, die Duke-of-Yorg-Gruppe, künftig Neu-Lauenburg zu nennen. Das hatte einen einfachen Grund: Von Oerzen entstammte einer in Norddeutschland weit verbreiteten Adelsfamilie, deren Zweige auch ins Lauenburgische reichten.

Unter deutscher Regie wurden Kokospalmen angebaut und Missionsstationen errichtet. Lange konnten sich die neuen Herren aber nicht am Lauenburgischen Südseeparadies erfreuen – 1919 war es vorbei mit dem deutschen Kolonialreich. Und so verlor die Inselgruppe auch ihren deutschen Namen. Seitdem spricht man wieder von der Duke-of-Yorg-Gruppe.

Inselgruppe könnte im Meer versinken

Heute leben auf den insgesamt zwölf Inseln – die zusammen etwa 68 Quadratkilometer groß sind – rund 12.000 Menschen. Es könnte übrigens sein, dass von dem ehemaligen Neu-Lauenburg im Pazifik bald nichts mehr übrig ist. Geologen befürchten, dass Erdbeben und der steigende Meeresspiegel dafür sorgen, dass die Inselgruppe bald im Meer verschwindet.