Heimatgeschichte

Einst stand ein Brunnen vorm Lauenburger Schloss

Versteckt hinter den Lilien befand sich bis in die 1960er-Jahre vor dem Schlossgebäude ein Brunnen mit Goldfischen.

Versteckt hinter den Lilien befand sich bis in die 1960er-Jahre vor dem Schlossgebäude ein Brunnen mit Goldfischen.

Foto: Heimatbund- und Geschichtsverein / Heimatbund und Geschichtsverein

Lauenburg. Weil die Baum vor dem Schloss gefällt werden musste, will die Stadt einen neuen pflanzen. Doch der Denkmalschutz redet mit.

Die Rotbuche vor dem Schloss war einer der ortsprägenden Bäume in Lauenburg. Jahrelang hatte die Stadt versucht, den Baum zu erhalten. So waren Ringe in das umgebende Pflaster eingesetzt worden, um die Wurzeln zu belüften. Baumchirurgen rückten mehrfach an, schnitten die Krone zurück, spezieller Dünger sollte die Wurzeln revitalisieren. Doch gebessert hat sich ihr Zustand nicht: Die Krone war stark ausgelichtet, die Blätter welken vorzeitig. Doch die Untere Naturschutzbehörde hatte die Fällung zunächst untersagt. In diesem Jahr fällte ein Gutachter schließlich das Urteil: Der Baum war nicht mehr zu retten. Im Oktober wurde die Rotbuche gefällt, weil die Standsicherheit des Baumes nicht mehr gegeben war (wir berichteten).

Nun gibt es vor dem Schlossgebäude eine leere kreisrunde Stelle. „Wir möchten hier einen neuen Baum pflanzen“, sagt Christian Asboe, stellvertretender Leiter des Stadtentwicklungsamtes. Doch zuvor müssen das Landesamt für Archäologie und der Denkmalschutz dazu Stellung nehmen. Denn das Rondell, auf dem der Baum stand, sah ursprünglich ganz anders aus. „Es gab hier nicht nur den Baum, sondern auch mal einen Brunnen“, weiß Asboe.

Erinnerung an einen Dumme-Jungen-Streich

Daran kann sich Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein noch gut erinnern. „Es war ein Goldfischbrunnen, um den herum Tag-lilien wuchsen“, erzählt er. Die Lauenburger Kinder seien oft um ihn herumgelaufen und hätten eine Lücke in den dichten Pflanzen gesucht. „Wir wollten die Goldfische füttern, aber das wollte Herr Simoneit nicht, der war damals Hausmeister im Schloss“, so Eggert.

Das Rondell mit der Rotbuche sei in seinen Kindertagen auch größer als der jetzige Steinkreis gewesen, erinnert er sich. „Daneben befanden sich kleine bunte Blumenbeete und große Granitkugeln im Rasen. “ Und weil es der heute 83-Jährige früher offensichtlich faustdick hinter den Ohren hatte, erinnert er sich an diese Schmuckelemente besonders. „Ein paar Freunde und ich kamen plötzlich auf einen Einfall: Wir schnappten uns die schweren Kugeln und rollten sie den Wallweg herunter“, erzählt er. Ein Heidenspaß! Dumm nur, dass die Jungen bei ihrem Streich beobachtet wurden. Und so lernte der kleine Horst schon damals, wie beschwerlich der Aufstieg über den Wallweg aus der Unterstadt ist – besonders wenn man dabei eine große, schwere Steinkugel vor sich herrollen muss.

Schloss ist eigentlich ein Amtshaus

So romantisch die Vorstellung auch ist – von einem Schlossbrunnen kann aber eigentlich nicht die Rede sein. „Das Haus ist 1708 als Amtshaus errichtet worden“, weiß Historiker Dr. Wichmann von Meding. Ein Amtshaus ist es immer geblieben: „Unter dem Vordach der Tür wurde früher ausgehängt, wer heiraten wollte“, erzählt Horst Eggert. Noch bis 1998 mussten Brautleute ein Aufgebot bestellen. Wer Einwände gegen die Ehe hatte, konnte sich während der festgelegten Frist melden.

Der Brunnen vor dem Schloss ist schon viel früher verschwunden. „Das könnte in den 1960er-Jahren gewesen sein“, vermutet Eggert.