Flohmarkt

Beliebte Schätze zwischen Kram und Trödel

Familie Schönfeld aus Geesthacht verkauft zum ersten auf einem Flohmarkt.

Familie Schönfeld aus Geesthacht verkauft zum ersten auf einem Flohmarkt.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Lauenburg. Der Flohmarkt in der Albinus-Gemeinschaftsschule lockte Händler und Käufer aus ganz Norddeutschland an.

Ecken abgeplatzt, die Schrift verblasst – was andere in den Müll werfen würden, ist für Thomas Leonhardt ein Schatz. „Nach diesem Reklameschild suche ich seit Jahren“, flüstert er leise, sodass es der Verkäufer nicht hören kann. „Du musst immer ein bisschen mäkeln, das senkt den Preis“, erklärt er augenzwinkernd.

Der 47-jährige Rostocker kennt sich eben aus. Wenn in Norddeutschland Flohmärkte veranstaltet werden, holt er seinen alten Wartburg aus der Garage und stellt ein paar Körbe auf die Rücksitze. Sein Beuteschema ist klar umrissen: Reklameschilder, Indianerfiguren aus DDR-Produktion, Blechspielzeug und Raritäten, deren eigentlichen Wert der Verkäufer nicht kennt. Wie immer dreht er auch auf dem Flohmarkt in der Albinus-Gemeinschaftsschule zuerst seine Runde. „Könnte sich heute lohnen“, meint er vielsagend.

Lauenburger Flohmarkt soll Tradition werden

Nicht alle sind hier alte Hasen. Ilona und Olaf Schönfeld haben zum erstem Mal einen Flohmarktstand aufgebaut. „Wir haben den Keller aufgeräumt und waren erstaunt, was sich alles angefunden hat. Das machen wir jetzt zu Geld“, sagt die Geesthachterin zuversichtlich. Ihre Tochter Lilli hat sich von ein paar pinkfarbenen Plastikpferden getrennt. „Ich bin doch schon sieben“, sagt sie und freut sich auf das zusätzliche Taschengeld, das sie natürlich behalten darf.

Man muss wohl einen kleinen Spleen haben, seine Wochenenden danach zu planen, ob Flohmärkte in der Gegend sind oder nicht. Karsten Legeler betreibt dieses Hobby seit 15 Jahren. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte Jörg Sönksen sein Herz für Schätze, die zuvor manchmal jahrzehntelang auf Dachböden verstaubten. „Wenn man regelmäßig auf Märkten unterwegs ist, trifft man immer wieder die gleichen Gesichter. So war es auch mit Jörg und mir“, erzählt Karsten Legeler. Im Mai organisierten die beiden den ersten Flohmarkt in der Altstadt. Mit der Neuauflage in der Schulmensa sind sie zufrieden. 25 Euro Standgebühren mussten Händler berappen, den Überschuss will das Organisationsteam einem sozialen Zweck in der Stadt spenden. „Die Flohmärkte werden in Lauenburg zur festen Tradition“, ist Karsten Legeler überzeugt.

Schätze finden, ohne danach zu suchen

Haben denn Flohmärkte in Zeiten von Ebay und anderen Verkaufsportalen überhaupt eine Zukunft? Jörg Sönksen hat da keine Zweifel: „Ein Flohmarktbesuch ist etwas anderes, als wenn ich mich auf dem Tablet durch die Angebote scrolle. Hier entdeckt man manchmal einen Schatz, nachdem man überhaupt nicht gesucht hat“, sagt er. Ihm war es kürzlich selbst so gegangen: Für fünf Euro erstand er eine Schallplatte von Milva in einem unscheinbaren Rahmen. Später stellte sich heraus: Es war eine der Platin-Platten der italienischen Sängerin.

Trödel dürfte in Deutschland jedenfalls so bald nicht knapp werden: Im Schnitt liegen in den Haushalten ungenutzte Gegenstände im Wert von 1040 Euro herum. Das fand das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Flohmarkt-App „Shpock“ heraus. Seinen Namen verdankt der Flohmarkt übrigens mittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Stücken gehandelt. Dabei wechselte auch der eine oder andere Floh den Wirt.