Lauenburg

„Hosenträger, Gartenschläuche, alles dient dem Vaterland“

Kriegsalltag  Lebensmittelengpässe, Belustigungen und Durchhalteparolen

Lauenburg.  Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges waren auch in Lauenburg deutlich spürbar. Es gab Lebensmittelengpässe, und viele Familien verloren Angehörige auf dem Schlachtfeld. Doch von den Nöten der Daheimgebliebenen sollten die Söhne und Väter an der Front möglichst nichts erfahren. Auch die Lauenburgische Landeszeitung übte sich in Durchhalteparolen. „Die Nahrungsversorgung läuft noch nicht so, wie es für spätere Zeiten erwartet werden kann“, schrieb der Redakteur in einer Ausgaben vom März 1915. Da war der Krieg erst wenige Monate alt, es sollte noch viel schlimmer in Lauenburg kommen.

Bald sind Ausgaben der Lauenburgischen Landeszeitung voll von Todesanzeigen für junge Lauenburger, die „für Kaiser und Vaterland“ auf dem Feld gefallen sind. Eingerahmt von diesen traurigen Botschaften wirbt am 28. Oktober 1915 das Hotel Stappenbek in großer Aufmachung für Scheuers Liliputaner-Gesellschaft, die am 1. November in Lauenburg zur Schau gestellt werde.

Das Wichtigste, so schien es, war es, die Menschen bei Laune zu halten. Das galt auch für die Kinder: So gab es schulfrei für denjenigen, der bei Lauenburger Familien das meiste Gummi sammeln konnte, denn das war knapp an der Front. Um den Gummibedarf zu decken, wurden sogar die Schläuche privater Fahrräder beschlagnahmt. Als diese Quelle auch versiegte, fuhren viele Lastwagen im Feld mit Stahlreifen. Der Redakteur der Lauenburgischen Landeszeitung hatte bereits vor einigen Tagen appelliert: „Wir richten im Vaterländischen Interesse an die Lauenburger die Bitte, alte Gummisachen herauszugeben. Das Gummi ist für die Radbereifung unserer Militärfahrzeuge erforderlich. Hosenträger, Gartenschläuche, alles dient dem Vaterland.“

Die Zeiten wurden härter, besonders für die Hausfrauen. Wurden sie zu Beginn des Krieges vom Redakteur der Lauenburgischen Landeszeitung noch gelobt, wenn sie „mit Umsicht einen beachtlichen Vorrat an allerlei Lebensmitteln“ anlegten, gab es nun Schelte dafür. Kein Wunder, denn in Lauenburg wurde die Versorgungslage immer schlimmer. Es durfte nur noch „Kriegsbrot“ gebacken werden. Der Anteil des Getreides war genau vorgeschrieben, der Rest des klebrigen Backwerks bestand in erster Linie aus Kartoffeln. Eine großformatige Anzeige des Magistrats in der Lauenburgischen Landeszeitung lässt keine Zweifel zu: Die Lage ist ernst. „Heute findet im Hotel Stappenbeck ein Vortrag des Professors Benseler über Volksernährung im Krieg statt. Jedermann wird dringend dazu eingeladen.“

Doch von diesen Nöten durften die Väter und Söhne an der Front nichts erfahren. Von Mängeln zu schreiben, sei Landesverrat. „Der Feind liest mit und schlachtet solche Nachrichten aus“, schreibt die Zeitung im August 1916.

Glücklich war, wer Post von der Front erhielt. Doch auch diese Briefe ließen nur zwischen den Zeilen ahnen, wie es tatsächlich auf dem Schlachtfeld aussah. „Liebe Eltern, da heute Ruhe im Schützengraben, kann ich Euch ausführlicher über unser Ergehen berichten“, schreibt der 21-jährige Lauenburger Ludwig Freystatzky am 26. Oktober 1914 nach Hause. Er erzählt von einem Gelage in einem ausgebrannten Schloss, in dem die Soldaten 5000 Flaschen kostbaren Weines fanden. „Unter dem wütenden Gebrüll der Artillerie schmeckte der ganz wunderbar“, schrieb er und wird dann ernst: „Die Verwüstungen des Krieges sind ganz schrecklich. Dankt eurem Schöpfer, dass es uns gelungen ist, das Operationsfeld auf feindliches Gebiet zu drängen.“ Ludwig Freystatzky fiel am 27. März 1916 in Belgien.