Zwist

Rettungswachen: Ärger über Standort-Gutachten

Die Rettungswache in Basedow wäre zu klein, um die heute in der Region eingesetzten Fahrzeuge aufzunehmen.

Die Rettungswache in Basedow wäre zu klein, um die heute in der Region eingesetzten Fahrzeuge aufzunehmen.

Foto: Timo Jann

Lauenburg. Bürgermeister Andreas Thiede ist sauer über das Gutachten zu den Rettungswachen: „Will man uns die Hilfe streitig machen?“

Lauenburg/Büchen.  . Drei Garagen, baulich längst aus der Norm gefallen, im Umfeld nicht viele zu rettende Menschen: Die Rettungswache am Sandberg in Basedow – im Außenbereich der Gemeinde mit Sondergenehmigung errichtet – soll nach dem neuen Rettungswachen-Gutachten der zentrale Ort für Retter zwischen Lauenburg, Büchen und der A 24 sein. Wie berichtet, hat das der Diplom-Geograf Dr. Emil Betzler empfohlen. Dass, wie mittlerweile praktiziert, drei Rettungswagen (RTW) von Lauenburg und Büchen aus zusätzlich zu dem RTW aus Basedow im Einsatz sind, hält Betzler nicht für nötig. Obwohl die RTW ausgelastet sind, will er die vorhandenen Standorte in Lauenburg und Büchen nicht berücksichtigen.

Büchens Bürgermeister Uwe Möller ist über das Gutachten höchst verärgert. „Mich hat irritiert, dass der Gutachter nicht mal aktuelle Einwohnerzahlen berücksichtigt hat. Von Lauenburg als ländlichem Raum zu sprechen, halte ich für fahrlässig“, so Möller. Die Gemeinde Büchen baut zurzeit die Rettungswache an der Möllner Straße auf eigenes finanzielles Risiko.

2,4 Millionen Euro hat Büchen schon investiert

Nur wenn die Krankenkassen den Standort akzeptieren, kann die Gemeinde auf eine Refinanzierung durch Mieteinnahmen hoffen. 2,4 Millionen Euro kostet das Bauwerk, das auch Räume für den Sportverein enthält und langfristig sogar zwei RTW aufnehmen könnte.

Doch Gutachter Betzler sieht den Bedarf nicht. Trotzdem habe man weiterhin Hoffnung, die neue Rettungswache mit Leben füllen zu können, sagt Möller. „Der Beschluss des Innenausschusses stimmt mich da zuversichtlich.“

In Lauenburg hofft die DRLG auf Geld für einen Neubau an der Lütauer Chaussee. „Unsere Stadt wächst und dann will man den Menschen hier die Hilfe streitig machen? Das geht gar nicht“, sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Unterstützung hat er durch die in Lauenburg lebenden Fraktionschefs im Kreistag, Norbert Brackmann (CDU) und Jens Meyer (SPD). Beide machten im Kreis-Innenausschuss bereits deutlich, dass sie die Vorschläge von Betzler für die Region ablehnen.

„Man muss auch mal wirtschaftlich denken“

Die Kreisverwaltung wurde vom Fachausschuss nun beauftragt, Lösungen zu entwickeln. „Man muss auch mal wirtschaftlich denken. Wenn in Büchen und Lauenburg normgerechte Neubauten stehen, dann kann ich doch nicht die viel zu kleine und veraltete Wache in Basedow ausbauen wollen“, meint Möller. Er hofft, dass dieses Argument auch bei den Krankenkassen ziehen wird.

Betzler hält es für völlig ausreichend, rund um die Uhr einen RTW in Basedow zu stationieren und tagsüber, wenn mehr Einsätze anfallen, einen zweiten RTW stundenweise zu besetzen – ebenfalls in Basedow. Aktuell werden jedoch bereits so genannte Vorhaltestunden Lauenburg und Büchen zugeteilt, um von dort ausrücken zu können. „So ist schnelle Hilfe für möglichst viele Menschen gewährleistet. Darum muss es uns doch gehen, und darum haben wir in Büchen ja auch einstimmig unsere Rettungswache beschlossen“, sagt Möller.