Lauenburg

Anrüchiges Mittel soll Bambi vertreibenWas auch helfen soll

Rehe im Garten Ehepaar wehrt sich gegen die ungebetenen Gäste auf seine Art

Lauenburg.  65 Stiefmütterchen hatte Helga Grospiz-Linn gerade erst gepflanzt. Am nächsten Tag: alle Knospen und Blätter weg. Rehe hatten den Weg in den Garten gefunden – die Stiefmütterchen waren für sie wohl ein Leckerbissen. Den einmaligen Verlust hätte Helga Grospiz-Linn ja noch verschmerzen können, doch die Tiere hatten sich die ergiebige Futterquelle offenbar gemerkt und kamen wieder. „Eine Woche lang jede Nacht“, erzählt die Lauenburgerin. Ihre Rosen, der Apfelbaum, Phlox – alles in Reh-höhe abgenagt. „Ich wollte schon sämtliche Beete in Rasen umwandeln“, sagt Helga Grospiz-Linn.

Jetzt haben sie und ihr Mann eine Lösung gefunden: Mit Urin getränkte Lappen werden an Stöcke gewickelt, diese an der Grenze des Grundstücks aufgestellt. „Das war der Tipp eines Freundes, der Jäger ist“, erzählt Hubert Johannes Linn. Jeden Tag muss der „Duft“ erneuert werden, das geschieht dann mit einer Sprühflasche. In ihre Rosen hat Helga Grospiz-Linn außerdem parfümgetränkte Wattebäusche gehängt – auch sie sollen die unerwünschten Besucher fernhalten. „Rehe sind sehr geruchsempfindlich“, hat sich die Lauenburgerin kundig gemacht.

Das bestätigt Förster Wolfgang Kruckow. Doch uringetränkte Lappen hält er für eine etwas unappetitliche Lösung. Zudem könnten sich die Tiere irgendwann an die Gerüche gewöhnen. „Das Einzige, was langfristig hilft, ist ein Zaun, der mindesten 1,50 Meter hoch ist“, so Kruckow. Er bekommt häufig Anrufe von Gartenbesitzern, die sich über Rehe beschweren. „Unsere Kulturlandschaft mit Wiesen und Feldern bietet ihnen eben gute Voraussetzungen, sich zu vermehren. Und sie trauen sich was, finden jede Lücke im Zaun“, so Kruckow. Die Tiere würden bereits scharf bejagt: Die Abschussplanung, die früher bei der Jagdbehörde eingereicht werden musste, können Förster und Jäger nun selbst bestimmen. Zu viele Rehe sind auch nicht gut für den Wald, sagt der Förster: „Sie verbeißen besonders die jungen Eichen, die wir gerne im Wald haben wollen, weil sie wertvolle Bäume sind.“

Das Grundstück der Grospiz-Linns liegt nahe der westlichen Lauenburger Stadtgrenze. Über einen Grünzug wandern die Rehe in die Gärten, die teilweise nicht eingezäunt sind. „Hier sind sicher viele Gartenbesitzer von Kahlfraß betroffen“, meint Hubert Johannes Linn.

Seine Frau freut sich deshalb über die von ihnen gefundene Lösung: „Chemie im Garten wollten wir nicht. Und bisher hilft unser natürliches Mittel. Seit zehn Tagen haben wir keinen Rehbesuch mehr!“

Dornenhecke

Hilfreich sind große Hecken mit Dornen, zum Beispiel Weißdorn oder Berberitze.

Haushund

Wenige Probleme mit Rehen gibt es meist, wenn der Hund im Garten frei herum läuft. Es sollte aber sichergestellt werden, dass der Hund den ungebetenen Gästen nicht nachjagen kann.

Schafwolle

Schafwolle ist ein bewährter Tipp aus dem Bauernwissen. Es muss jedoch ungewaschene, naturbelassene Wolle sein, die an Hecken befestigt werden sollte.

Ausgediente CDs

Es können auch alte CDs in Büsche oder Pflanzen gehängt werden. Bei klarem Himmel werden Rehe durch den Mond geblendet und kommen nicht auf das Grundstück.