Lauenburg

Gottes Wort sollte nicht teuer sein

Verleger Johann Christoph Berenberg gab im 18. Jahrhundert günstige Bibeln heraus

Lauenburg.  Eine Bibel zu drucken, das war im 18. Jahrhundert ein Mammutprojekt. Schließlich mussten alle Buchstaben des umfangreichen Textes einzeln mit Bleilettern gesetzt werden. Der Lauenburger Johann Christoph Berenberg und sein Sohn haben diese Herausforderung bewältigt: Gleich acht Auflagen erschienen in den Jahren 1743 bis 1774. Nur wenige der historischen Ausgaben sind heute noch erhalten. Hans Rudolph besitzt eine davon. Der Sammler, der in Bad Wimpfen (Baden-Württemberg) lebt, hat die Bibel bei einer Internet-Auktion erworben. Es ist eine echte Rarität aus der fünften Auflage der Berenberg-Bibeln, erschienen im Jahr 1760.

„Die Bibel ist über den Karlsruher Virtueller Katalog in keiner deutschen Bibliothek nachgewiesen“, sagt Rudolph. In diesem Verzeichnis (abgekürzt mit KVK) sind mehr als 500 Millionen Bücher und Zeitschriften in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen weltweit erfasst. „Der Druck und die schmucklose Ausführung der Bibel lassen vermuten, dass ein geringer Preis eines der Ziele des Druckers war“, vermutet der Sammler. Mit der kleinen Schrift auf etwa 1400 Seiten erinnere es an die Canstein-Bibeln, die ab 1710 in Halle/Saale in großen Stückzahlen produziert wurden. „Ziel war es, dem Bibelmangel in Deutschland – besonders in der ärmeren Bevölkerung – zu begegnen und Bibeln schnell, in hohen Auflagen und zu einem niedrigen Preis zu drucken“, so Rudolph. Bei den in Lauenburg hergestellten Bibeln dagegen scheine es sich um relativ kleine Auflagen für den lokalen und regionalen Bedarf zu handeln.

In seinem Vorwort an den „Gott und sein heiliges Wort liebenden Leser“ unterstreicht Berenberg, dass seine Bibel vollständig aus neu gegossenen Typen „ohne Druckfehler“ gesetzt und auf reinem und festem Papier gedruckt worden sei, nachdem die vorigen Auflagen ausverkauft waren. „Eine Überarbeitung erfolgte durch Carl Ludewig Harding, der als Pastor primarius, also Hauptpastor, von Lauenburg bezeichnet wird“, so Rudolph.

Und Berenberg ließ sich auch einen Hinweis auf den günstigen Preis seiner Bibel nicht nehmen: „Was den Preis dieser Bibel anbetrifft, so wird derselbe sowohl von mir, dem Verleger, so leidlich eingerichtet sein, dass niemand Ursach finden wird zu klagen: Das Wort Gottes sei teuer im Lauenburger Lande.“

Johann Christoph Berenberg hatte Druckerei und Verlag in Lauenburg um 1740 gegründet. Doch in dem Doppelhaus am Hohler Weg 15, das heute leer steht, erschienen nicht nur Bibeln. Um seinem Betrieb eine sichere Grundlage zu geben, sicherte Berenberg sich das königliche Privileg, einen für das ganze Kurfürstentum Hannover geltenden Kalender herauszugeben. Daneben erschienen viele weitere Schriften bei Berenberg: Verordnungen, Gedichte, ein Gartenbuch und Gesangbücher.

Später übernahm Berenbergs Sohn das Geschäft. Horst Eggert, früherer Vorsitzender des Heimatbund und Geschichtsvereins, besitzt ein „Kirchen-Gesang-Buch für das Herzogthum Lauenburg“, das 1780 in der Druckerei erschienen ist. Es war zuvor – wie die Bibel von Hans Rudolph – durch Pastor Harding überarbeitet worden. Auch persönlich ist Eggert den Berenbergs verbunden: „Ein Urahn von mir hat als Buchdrucker von 1733 bis 1816 dort gearbeitet“, erzählt der 82-Jährige.

Sammler Hans Rudolph hat übrigens noch eine weitere Berenberg-Bibel in seinem Besitz. Sie stammt aus der zweiten Auflage von 1748 – auch hier ist über den KVK kein Exemplar nachgewiesen. „Wie viel solche Raritäten tatsächlich wert sind, ist schwer zu beantworten“, so Rudolph. Da Kupferstiche oder interessante Ausstattungen fehlen, seien die Drucke relativ uninteressant. Die Bibel von 1760 hat ihn weniger als 500 Euro gekostet. Rudolph: Man muss schon einen Sinn für die Seltenheit entwickeln, um bei Angeboten zu reagieren.“