Wasser- und Schifffahrtsamt

Viele Fragen und keine Antworten

Foto: Timo Jann / Jann

Lauenburg. Das größte Wasser und Schifffahrtsamt (WSA) der Republik soll nach 2020 keine Zukunft mehr haben. In den Reformplänen des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer ist eine Erhaltung der Behörde in Lauenburg ausgeschlossen. Angestellte der WSA versuchen weiterhin Druck auf die Politik auszuüben, um diese Reform aufzuhalten.

Montag um 10 Uhr wurde es ernst im Wasser und Schifffahrtsamt (WSA) am Dornhorster Weg: Bettina Kalytta, die Leiterin der Behörde, hatte die Mitarbeiter zur Betriebsversammlung einberufen. Sie verkündete eine Hiobsbotschaft. „Nach 2020 wird unser WSA keine Zukunft mehr haben“, fasste Helmut Kiehn vom Betriebsrat ihre Worte zusammen. „Die Außenstellen, zu denen Lauenburg im Rahmen der aktuellen Reformpläne degradiert werden soll, sollen nur temporär sein. Das heißt im Klartext, man sieht für uns keine Zukunft mehr“, so Kiehn.

Wie berichtet sorgen die Reformpläne von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schon seit Monaten für Unmut bei den Beschäftigten des Lauenburger WSA. „Es gibt eine große Verunsicherung und es herrschen Ängste“, beschreibt Bettina Kalytta die Stimmung in ihrer Behörde. Insgesamt hat das WSA Lauenburg an verschiedenen Standorten 380 Beschäftigte und gilt damit als eines der größten Wasser- und Schifffahrtsämter der Republik. Dennoch will Ramsauer die Behörde dichtmachen. Die Aufgaben sollen unter anderem von Uelzen, Magdeburg und Eberswalde aus verrichtet werden.

„Die Kollegen haben jetzt viele Fragen, aber es gibt kaum Antworten“, berichtet Kiehn. Als er vor 20 Jahren als Verwaltungsfachangestellter beim WSA angefangen hatte, bot die Behörde noch 16 mehr Jobs als heute. Kiehn: „Wir haben schon nicht nur Personal, sondern auch Know-how verloren. Das wird, wenn die Reform nicht gestoppt wird, zu Lasten der Sicherheit der Menschen gehen.“

Kiehn kündigte an, dass man erneut einen Versuch unternehmen werde, über die Bundestagsabgeordneten aus der Region Druck zu machen. Erst vergangene Woche hatte es ein Gespräch mit Norbert Brackmann (CDU) und Christel Happach-Kasan (FDP) gegeben. Die Lauenburger SPD will eine Resolution verabschieden, so Kiehn. Ob diese Gespräche noch etwas bewirken, ist fraglich. Ramsauer steht unter enormem Druck, muss – vor allem durch die FDP getrieben – eine umfassende Reform der Wasserschifffahrtsverwaltung des Bundes durchsetzen. Wie die Details aussehen könnten, hatte Bettina Kalytta von den zuständigen Staatssekretären des Ministeriums in der vergangenen Woche in Magdeburg erfahren. „Es gibt die Zusage, dass niemandem gekündigt wird und es keine unzumutbaren Versetzungen geben soll“, sagte sie gestern.

Mit dem erst 2001 bezogenen Dienstgebäude steht dem WSA eines der modernsten Gebäude der Verwaltung zur Verfügung. „Aber das scheint bei den Überlegungen wohl bisher keine Rolle zu spielen“, so Kiehn. Er hofft, dass die Haushälter des Bundes der Reform noch Einhalt gebieten können. Weil sie nach Einschätzung des Personalrats keine Einsparungen bringt.