Elbvertiefung

Zu häufig fehlt die Handbreit Wasser

Foto: Timo Jann / Jann

Lauenburg. Sandbänke und Untiefen behindern in der Elbe östlich von Lauenburg immer stärker den Schiffsverkehr. Regelmäßig muss die Fahrrinne ausgebaggert werden. Umbauten an den Buhnen könnten helfen. Bundestagsabgeordnete von CDU und FDP kündigten jetzt für den Herbst 2012 ein Zukunftskonzept an.

Welche Perspektiven hat die Elbe östlich von Lauenburg als Wasserstraße in der Zukunft? Diese Frage beschäftigt jetzt Politiker auf Bundesebene, Experten des Bundesverkehrsministeriums und Fachplaner. Hintergrund: Zu oft hat die Elbe im Raum Hitzacker eine zu geringe Fahrrinnentiefe, die modernen Binnenschiffe können nicht mit ausreichender Beladung elbaufwärts Richtung Magdeburg fahren. Sie müssen den Weg über den Elbe-Seiten-Kanal wählen, für den teure Gebühren fällig werden.

Bundestagsabgeordnete von CDU und FDP, darunter die lauenburgischen Abgeordneten Norbert Brackmann (CDU, Lauenburg) und Christel Happach-Kasan (FDP, Bäk), kündigten jetzt an, dass es spätestens im Herbst 2012 ein Zukunftskonzept für die Elbe geben soll.

„Bei Hitzacker hat die Schifffahrt regelmäßig Probleme, weil die Elbe hier aufgrund kürzerer Buhnen langsamer fließt und sich dadurch am Grund Sandbänke bilden, die ausgebaggert werden müssen“, so Brackmann. Prompt fuhrten die Abgeordneten der Regierungskoalition bei einem Ortstermin an Bord eines Bootes auf eine Sandbank.

Ein nutzbarer Wasserstand der Elbe von 1,60 Metern an mindestens 345 Tagen im Jahr müsse möglich sein, so die Forderung. Nur bei extremer Trockenheit könnte dieser Pegelwert nicht garantiert werden, heißt es. Brackmann: „Wir fordern die Bundesregierung auf, die Hindernisse für die Elbschifffahrt nachhaltig zu beseitigen. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern spart langfristig viel Geld.“

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder extreme Situationen an der Elbe gegeben: Hochwasser im Winter und sogar im Sommer, aber im Sommer oftmals auch Niedrigwasser, sodass die Schifffahrt östlich von Lauenburg eingestellt werden musste. Durchschnittlich drei bis vier Monate im Jahr können Frachter auf der Elbe nur mit der halben Ladungsmenge fahren. Im Elbe-Seiten-Kanal, der über den Mittellandkanal ebenfalls nach Magdeburg führt, sind vier Meter als Fahrrinnentiefe ganzjährig sicher.

Damit der Frachtverkehr auf der Elbe weiter wachsen kann, fordert die Wirtschaft schon lange Maßnahmen zur Verbesserung der Befahrbarkeit des Flusses. Bisher ist das Aufkommen an Containern als Ladung von Binnenschiffen auf der Elbe oberhalb von Hamburg sehr gering. Einige Reedereien bieten über die Elbe und über den Elbe-Seiten-Kanal feste Liniendienste an, deren Containerschiffe sind zwar regelmäßig unterwegs, doch ihre Zahl ist überschaubar. 2011 wurden an Geesthachts Schleuse an Bord von Binnenschiffen nur 100.000 Container gezählt. Bei ausreichender Wassertiefe könne diese Zahl deutlich steigen, aber in der aktuellen Situation blieben Lkw konkurrenzlos.

Widerstand bei einem Ausbau der Oberelbe wird – wie bereits gegen die Elbvertiefung von der Nordsee zum Hamburger Hafen – vor allem von Naturschützern zu erwarten sein. In der Region Hitzacker und Dömitz sowie bei Coswig müsste die natürliche Räumkraft der Elbe durch großangelegten Buhnenbau verbessert werden. Für die Verlängerung von Buhnen werden Planfeststellungsverfahren notwendig sein.

„Das Elbkonzept muss schnell erarbeitet werden und auch Vorschläge für die Stärkung der Binnenschifffahrt auf der Elbe beinhalten“, macht Brackmann deutlich. „Nach dem Beschluss zur Vertiefung der Unter- und Außenelbe wächst nun der Druck aus Tschechien, endlich eine bessere Anbindung an ‚ihren’ Hafen Hamburg zu bekommen“, weiß der CDU-Politiker. Dafür müssten die Mittel- und Oberelbe ertüchtigt werden: „Das ist auch für die Wirtschaft unserer Region wichtig, deshalb brauchen wir endlich ein Gesamtkonzept für die Elbe, das ökonomische, ökologische und touristische Aspekte berücksichtigt.“