Reform

WSA aufs Abstellgleis geschoben?

Foto: Timo Jann / Jann

Lauenburg. Das Bundesverkehrsministerium will das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg zu einer Außenstelle des WSA Magdeburg degradieren. Auch soll es die Betreuung des Elbe-Lübeck-Kanals abgeben. Der Betriebsrat hofft auf eine Änderung bei den Beratungen des Bundestags.

49 Seiten lang ist der Bericht des Bundesverkehrsministeriums, den am Mittwoch der Haushaltsausschuss des Bundestags berät. Dabei geht es auch um die Aufgaben, die künftig von den 400 Mitarbeitern des Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) und ihrer Außenbezirke, etwa in Geesthacht, Mölln und Bleckede, geleistet werden. Wem ist die in Geesthacht stationierte Eisbrecherflotte unterstellt? Wer betreut Wehre und Schleusen?

„Viele Ideen, die in dem Bericht enthalten sind, machen einfach keinen Sinn“, sagt Helmut Kiehn, der stellvertretende Personalratsvorsitzende des WSA Lauenburg. So soll das WSA Uelzen künftig neben dem Elbe-Seitenkanal auch den Elbe-Lübeck-Kanal betreuen – und das WSA Lauenburg mit der Zuständigkeit für die Elbe für die Verbindung dazwischen verantwortlich sein. Für Montag hatte Bettina Kalytta, die Leiterin des WSA am Dornhorster Weg, zu einer Personalversammlung in der Behörde einberufen, nachdem das Papier am Freitag ins Haus gekommen war. „Wir sind sehr betroffen“, nennt Kiehn die Stimmung in der Belegschaft. Bettina Kalytta wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Zumindest sie dürfte ihren Chefposten verlieren, wenn das WSA Lauenburg wie geplant zu einer Außenstelle des WSA Magdeburg degradiert wird.

Welche Auswirkungen die Reform auf die Aufgaben der anderen Beschäftigten hat, ist indes noch unklar. So düster wie Kiehn, der für die Zeit nach dem Jahr 2020 keine Perspektive für den Standort am Dornhorster Weg mehr sieht, malt der Lauenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann nicht. „Der fünfte Bericht des Ministeriums ist für unsere Region super“, ist er überzeugt. Die Sorgen des Personalrates, die bisher nicht offiziell belegt sind, weil die detaillierten Zuständigkeiten innerhalb der künftigen WSV-Strukturen für Bau und Unterhaltung noch nicht geregelt sind, teilt er nicht. Brackmann wollte Dienstag in einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) versuchen, dem WSA Lauenburg zumindest die Zuständigkeit für den Elbe-Lübeck-Kanal zu bewahren und war guter Dinge, das zu schaffen: „Eine Fernsteuerung über das WSA Uelzen, wie in dem fünften Bericht vorgeschlagen, wäre nicht zumutbar, Lauenburg liegt immerhin direkt am Kanal.“

Kiehn setzt alle Hoffnungen in die am Mittwoch anstehende Beratung des Haushaltsausschusses in Berlin. „Ich hoffe, dass die von uns eingeschalteten Politiker noch Einflussmöglichkeiten haben. Schon jetzt ist uns in Lauenburg qualifiziertes Personal verloren gegangen, weil jeder, der eine Alternative hat, sich etwas anderes sucht. Die Reform schwebt ja schon eineinhalb Jahre über uns“, sagt er. Bisher sind die rund 13.300 Stellen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) auf bundesweit sieben Direktionen und 39 Ämter verteilt. In Schleswig-Holstein arbeiten 2100 Beschäftigte für die WSV, unter anderem in Lauenburg, Geesthacht und Mölln. Sie verteilen sich auf die Direktion Nord in Kiel sowie fünf Ämter mit sechs Bauhöfen und 16 Außenbezirken. Ziel der Reform: Bis 2023 soll die Zahl der Beschäftigten auf unter 10.000 sinken. In den vergangenen 15 Jahren hat die WSV bereits etwa 5000 Stellen abgebaut.