SEK-Zugriff

"Zündler" im Schlaf überrascht

Lauenburg. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei war in der Nacht zum Mittwoch in Lauenburg im Einsatz. In der Straße "Büchsenschinken" nahmen sie einen Mann fest. Der hatte wiederholt Drohungen ausgesprochen und Brände gelegt.

Aufatmen bei den Nachbarn von Jörg K. in der Straße „Büchsenschinken“: Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat den 44-Jährigen in der Nacht zum Mittwoch in seinem Einfamilienhaus vorläufig festgenommen. Jetzt wurde der Mann in die psychiatrische Station des Johanniter-Krankenhauses gebracht. Dort war er in der Vergangenheit bereits zwei Mal Patient.

Geholfen hatte dem 44-Jährigen die Behandlung offenbar nicht. Vor dem Einsatz des SEK hatte K. am Dienstagabend gegenüber der Polizei damit gedroht, sich das Leben zu nehmen. Weil die Polizisten der Lauenburger Polizeizentralstation vermuteten, der Mann könnte über scharfe Schusswaffen verfügen, wurde das für solche Situationen ausgebildete und trainierte SEK aus Kiel zu Hilfe gerufen.

Deren Zugriff erfolgte dann blitzschnell, die Polizisten trafen den Mann im ersten Stock seines Hauses an – er schlief friedlich. Nachdem das SEK den 44-Jährigen überwältigt hatte, der von dem Zugriff völlig überrascht war, führten zivile Polizisten den Mann ab. „Was jetzt weiter mit ihm passiert, ist Sache der psychologischen Begutachtung unter Regie des Gesundheitsamtes. Den Krisendienst des Kreises hatten wir noch in der Nacht eingeschaltet“, sagte Ulf Clasen, der stellvertretende Polizeichef von Lauenburg, gestern.

Erleichterung verbreitete sich gestern auch bei Feuerwehrchef Thomas Burmester und seinen Kameraden. „Erstmal haben wir jetzt wohl Ruhe vor dem Mann“, sagt Burmester. Hintergrund: Seit dem 8. Dezember 2011 war die Lauenburger Feuerwehr 13 Mal auf dem Grundstück des 44-Jährigen im Einsatz. Immer wieder zündelte der Mann, unter anderem gingen seine Gartenhecke, die Mülltonnen und das Gartenhäuschen in Flammen auf. Zuletzt am Ostersonnabend. „Was muss denn noch passieren, ehe so jemand nicht mehr frei herumlaufen kann und eine Gefahr für sich und seine Mitbürger ist“, fragte ein Feuerwehrmann nach dem vorerst letzten Brand bei dem 44-Jährigen. Laut Burmester hatte der offensichtlich verwirrte Mann schon an seiner früheren Adresse am Windmühlenkamp häufiger gezündelt. „Das Problem verfolgt uns schon lange“, sagt auch Ulf Clasen.


Die Chronik der Festnahme

20.30 Uhr: Alarm für die Männer des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei in Kiel. Die Polizisten besetzen ihre Fahrzeuge, die rund um die Uhr mit der persönlichen Schutzausrüstung (Helm, Weste, Visier) sowie den persönlichen Waffen (Pistolen, Maschinengewehre) und Einsatzgerät (Rammen, Leitern) beladen sind.

21.30 Uhr: Die ersten Beamten des SEK treffen in Lauenburg ein, auch ein Rettungswagen und ein Notarzt stehen in Bereitschaft. Der Einsatzleiter des SEK bespricht sich vor Ort am Büchsenschinken mit zivilen Polizisten, die das Haus des Verdächtigen schon längere Zeit verdeckt beobachten.

21.50 Uhr: Der Einsatzwagen der Spezialpolizisten, ein Lieferwagen, fährt vor.

22.05 Uhr: Die SEK-Männer legen auf dem Hof der Polizeistation an der Alten Wache in aller Öffentlichkeit ihre Schutzanzüge an. Erstaunt bleiben Passanten stehen und schauen dem ungewohnten Treiben erstaunt zu.

22.15 Uhr: Der Einsatzleiter weist seine Kollegen kurz in die Lage am Objekt ein. Um 22.22 Uhr fahren die Polizisten auf die 1,2 Kilometer lange Strecke zum Büchsenschinken.

22.30 Uhr: Krachend fliegt die Haustür des Einfamilienhauses auf, als die Polizisten ihre mächtige Ramme ansetzen, um sich Zutritt zu verschaffen. Innerhalb weniger Augenblicke durchkämmen sie das Haus, finden den Bewohner in seinem Schlafzimmer.

22.40 Uhr: Zivile Streifenpolizisten führen den Mann ab. Er muss mit zur Wache, wird später den Ärzten der Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses übergeben.