Aktion gegen Kiesgärten

Ehepaar Boll aus Geesthacht lädt ins grüne Paradies

Bettina und Gerhard Boll in ihrem Garten, den sie gemeinsam gestalten und pflegen.

Bettina und Gerhard Boll in ihrem Garten, den sie gemeinsam gestalten und pflegen.

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Das Geesthachter Ehepaar Bettina und Gerhard Boll liebt den naturbelassenen Garten und lädt andere ein, ihn auch zu genießen.

Geesthacht. Mit einem gewöhnlichen Garten hat das, was sich hinter dem Haus von Bettina und Gerhard Boll an der Bergstraße befindet, wenig zu tun. Freunde von streng geometrischen Gartenanlagen und akkurat gemähten Rasenflächen dürften sich hier die Haare raufen. Aber für diejenigen, die es naturnah lieben, für die Nachhaltigkeit mehr als ein Trend ist und einen Garten mit all seiner Vielfalt als lebendigen Erholungsort sehen, ist dieses Pflanzenreich eine Oase und für Kinder ein wahres Paradies. Vom heutigen Mittwoch an bis zum 15. Juli bietet das Ehepaar Familien bis fünf Personen einen rund zweistündigen Aufenthalt in ihrem Garten an.

„Wir haben in der Corona-Krise damit angefangen, unsere Pforte, die zum Waldwanderweg geht, zu öffnen“, berichtet Bettina Boll. In der Zeit seien dort besonders viele Familien spazieren gegangen und oftmals neugierig vor dem Eingang zum Bollschen Erlebnisgarten stehengeblieben. Aufmerksam geworden durch die „Kunstwerke“, die die 66-Jährige dort aus natürlichen Materialien wie hölzernen Wurzeln installiert hat. „Wir haben dort auch eine Glocke, und schon manches Mal hat jemand neugierig geklingelt und wollte einen Blick in den Garten werfen.“

Ein verwunschenes Areal mit vielen überraschenden Details

Die meisten Gäste reagieren überwältigt auf das üppige Grün, das es bei Bolls zu sehen gibt. „Ich wollte nie einen Garten, der mit Lineal und Zirkel geplant ist“, sagt die quirlige Umweltschützerin. Und so hat sie von Beginn an zwar ohne festen Plan gearbeitet, dafür aber getrieben von der Fantasie eines Gartens, der alle Sinne anspricht, der Überraschungen bereithält, der voller Ideen und Kreativität sprüht. Ein Garten, der ebenso individuell ist, wie die Hausherrin selbst.

Herausgekommen ist ein verwunschenes Areal, in dem man durch verschiedene „Zimmer“ lustwandeln kann. „Wir haben ein Weidenhüttenzimmer, in dem man immer ein schattiges Plätzchen findet, ein Naschzimmer mit vielen Beerensträuchern, ein Badezimmer, mit einer Wanne, in der man sich abkühlen kann“, erklärt Bettina Boll stolz. Selbst ein Spielzimmer gibt es, seitdem das Ehepaar eine ausrangierte Rutsche im Garten platziert hat. Eine Schaukel für den alten Birnbaum soll folgen.

Grünes Paradies für ein paar Stunden genießen

„Wir stellen unseren Garten gern all denen zur Verfügung, die eine Pause im Grünen machen wollen“, sagt sie. Man könne dort picknicken, wobei sich die Gäste um ihr Essen selbst kümmern müssen. Sitzecken gibt es genug. Vom Strandkorb auf Elbsand, den die beiden Atomkraftgegner aus der Reaktorstraße in Krümmel für ihr Strandzimmer bekommen haben, bis zur Gartenbank oder den steinernen Tisch unter der Weide.

„Wichtig ist uns, dass die Gäste liebevoll und pfleglich mit unserem Grün umgehen“, bittet Bettina Boll. Sie führt die Familien auf Wunsch auch gern herum, liefert Erklärungen zu den einzelnen Utensilien, die sie alle irgendwo gefunden hat und denen sie ein zweites Leben schenkt. „Hier hat alles seine Geschichte“, sagt sie lachend – auch der Pflanzenreichtum, über den es viel zu erzählen gibt.

Interessenten melden sich bitte an unter 04152/5669.

Aktion gegen Kiesgärten: Der Tag im Garten ist nicht nur eine rein private Aktion, sondern auch im Sinne des BUND, dem Bettina und Gerhard Boll angehören. Die naturnahe Anlage soll die Schönheit eines solchen Gartens zeigen und als Gegenentwurf zum Vorgarten aus geschlossenen Kies- und Schotterflächen dienen, wie sie zurzeit auch in Geesthacht immer häufiger zu sehen sind. Der BUND weist darauf hin, dass durch diese pflegeleichte Gestaltung vielen Tieren der natürliche Lebensraum genommen wird. Insekten und Vögeln finden weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten. Weil die Vegetation fehlt, können die Flächen im Sommer keine feuchte und kühlende Luft abgeben und keinen Feinstaub binden. fram